Gesund bleiben

«Us em Chrüterschränkli plauderet»

22. Januar 2010, 01:00

Von Anfang an war der Mensch der Natur ausgeliefert. Die Natur gab ihm alles zum Leben, und wiederum nahm die Natur ihm alles. So musste er sich ihr anpassen. Plagten ihn Schmerzen, schrieb er diese den ihm nicht gut gesinnten Geistern der Natur zu. Diese bösen Geister mussten mit Ritualen freundlich gestimmt werden.

Er brachte ihnen Opfer und beschwor sie mit Formeln und jenen Riten der Magie, die ihm geeignet erschienen, um damit die für ihn übernatürlichen Kräfte zu bezwingen oder sich jedenfalls vor ihnen zu schützen.

Bis man dieser Welt entwuchs und zu höheren Erkenntnissen gelangte, musste ein langer und beschwerlicher Weg durchmessen werden.

Der Magier wurde, als Beschwörer der Krankheit, zum Medizinmann. Aus dieser Entwicklung heraus ergab sich aus der Magie der Steinzeit das Priestertum und daraus die medizinische Kunst.

In gewisser Weise sieht man diesen Weg noch heute in den beiden Kantonen Appenzell, gut nachzulesen im Buch: «Kräuter und Kräfte» des Appenzeller Verlags. Die ärztliche Kunst ist also so alt wie die Menschheit. Seit der Mensch erkannte, dass er seine Leiden beeinflussen kann, nahm er den Kampf gegen die Krankheit auf. Ob aus seinem Instinkt heraus oder ob mit kluger Überlegung, er nahm sich ihrer an.

Hippokrates (400 v. Chr.) ist der Begründer der Wissenschaftlichen Medizin und gilt heute als «Vater» der traditionellen Europäischen Naturheilkunde. Er verstand die Krankheit als Ausdruck einer Abweichung vom Gleichgewicht der Körpersäfte, die durch die Lebensumstände des Patienten hervorgerufen worden waren.

Heute werden die Heilmethoden der Naturheilkunde oft als Gegenpol zur wissenschaftlichen Medizin gesehen. Mit den gängigen wissenschaftlichen Kriterien wird man aber der Naturheilkunde nicht gerecht. Es ist der Erfahrungswert, der diese auszeichnet.

Seit den frühesten Zivilisationen, auf allen Kontinenten hat der Mensch nicht nur den Anbau von Pflanzen zu Ernährungszwecken gefordert, sondern gleichzeitig auch die Verwendung der heilenden Kräfte der Pflanzen zu nutzen gewusst, und dieses Wissen weitergegeben. Pflanzen sind unsere Lebensgrundlage, und das Erkennen um die Heilwirkung ist tief in uns verankert. Bei der Pflanzenheilkunde sind die Heilpflanzen die Grundlage des Heilens. Auch in der wissenschaftlichen Medizin sind viele Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs. Ein berühmtes Beispiel ist die Salizylsäure.

Diese Salizylsäure wurde aus der Rinde von Weidesträuchern isoliert und daraus das Medikament Aspirin hergestellt. Hippokrates hatte schon über die schmerzstillende Eigenschaft des Saftes dieser Weidesträucher berichtet. Was zuvor aus Erfahrung bekannt war, findet heute eine Erklärung durch die im Labor erforschten Inhaltsstoffe.

Die primitiven Völker mussten sich mit der Natur auseinandersetzen und sie zu verstehen versuchen, sonst gab es damals kein Überleben. Auch heute geht es uns besser, wenn wir mit der Natur gehen, anstatt gegen sie zu wirken. Die Naturheilkunde gibt uns immer wieder die Möglichkeit, uns und unseren Körper besser zu verstehen.

Josephine Schmidhauser, Herisau VAHAR (Vereinigung Aktiver Heilpraktiker AR)

Leserkommentare

Anzeige: