Teures Gewässer und lästige Vögel

BERNECK ⋅ An der 71. Hauptversammlung diskutierten die Mitglieder des Fischereivereins Mittelrheintal über den Kormoran und den Binnenkanal. Ein neuer Revisor und ein neues Ehrenmitglied wurden gewählt, drei fleissige Helfer ausgezeichnet.
30. Januar 2017, 07:26
Remo Zollinger

Remo Zollinger

Ein Fischer geht nicht ans Ufer, weil er Gesellschaft sucht: Dies steht im übertragenen Sinn in den FAQ für Nicht-Fischer auf der Homepage des Fischereivereins Mittelrheintal. Am Samstagabend zeigten sie sich aber ganz gesellig: 77 Mitglieder trafen sich im Saal des «Ochsen» in Berneck zur Hauptversammlung.

Grosse Kontroversen blieben aus, kleinere Diskussionen gab es aber: Um Vögel, die dem Fischbestand schaden oder um den Pachtpreis der acht Kilometer Binnenkanal, die sich im Gebiet des Vereins befinden.

«Wer pachtet ihn dann, etwa Donald Trump?»

Der Binnenkanal kommt in der Fangstatistik schlecht weg. Nur 149 Kilo Fisch wurden im letzten Jahr dort gefangen, der Alte Rhein kommt auf beinahe eine Tonne. Der Preis für die Pacht des Gewässers sei viel zu teuer, sagte Vereinsmitglied Wisi Langenegger gegenüber Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. Thiel antwortete, der Tarif für den Binnenkanal entspreche einem System, nach dem alle Gewässer eingestuft würden. Fridolin Scherrer, leitender Gewässerwart des Vereins, sagte, der Verein würde den teuren Binnenkanal mit dem Alten Rhein quasi quersubventionieren. «Was passiert eigentlich, wenn wir uns entschieden, den Binnenkanal nicht mehr zu pachten? Wer pachtet ihn dann, irgendein Deutscher oder etwa Donald Trump?», fragte Langen- egger dann noch rhetorisch – er erntete für diese Bemerkung viele Lacher, weiter darüber diskutiert wurde dann aber nicht.

Kormoran darf bis im Februar gejagt werden

Dominik Thiel beantwortete auch eine andere Frage: Der Kormoran darf bis Ende Februar abgeschossen werden, danach ist Schonzeit. Das ist ein Monat länger als bis vor zwei Jahren. Der Kormoran frisst pro Tag ein halbes Kilo Fisch, womit er den Bestand beeinträchtigt. Etwas weniger, 300 Gramm Fisch, frisst der Gänsesäger jeden Tag. Er ist aber geschützt, darf nicht abgeschossen werden. Ein Urteil des Bundesgerichts hat dies bestätigt.

Eine weitere Frage betraf die Regenbogenforelle. «Sie ist hier nicht heimisch, darf also nicht überall angesiedelt werden», sagte Thiel. Heimische Fischarten, also solche aus dem gleichen Genpool, ertragen die hiesigen Bedingungen deutlich besser und kommen besser auf, erklärte FV-Präsident Thomas Dietrich nach der HV.

Vor Dominik Thiel war Benno B. A. Stadler, Präsident von Lebensraum Rheintal, am Mikrofon. Er ist besorgt darüber, dass das Projekt Rhesi in vielen Rheintaler Haushalten nicht mal ein Thema sei. Stadler lud die Fischer dazu ein, dies in ihrem Umfeld zu ändern – es gehe schliesslich auch um einen Wildfluss; eine Umgebung, die das Hobby der Fischerei begünstigen soll.

Revisor, Ehrenmitglied und viele fleissige Hände

Vor den Inputs von Thiel und Stadler war die Zeit der blauen Zettel: Mit den Stimmkarten wurde bei den Wahlen und Abstimmungen jeweils die Einstimmigkeit bezeugt. Gegenmehre gab es keine.

Der Verein hat einen neuen Revisoren gewählt. Roland Tüscher hat sein Amt abgegeben, an seine Stelle tritt Stefan Schmelzer. Präsident Thomas Dietrich schlug dann der Hauptversammlung vor, Markus Birrer zum Ehrenmitglied zu ernennen. Birrer ist aktuell Revisor und seit über 30 Jahren im und für den Verein aktiv. Dafür wurde ihm an der HV gedankt – die Ernennung zum Ehrenmitglied komme für ihn «völlig überraschend», sagte Birrer.

Drei besonders fleissige Mitglieder wurden geehrt: Atanas Golubov, Marco Dornig und Stefan Schmelzer leisteten im letzten Vereinsjahr am meisten Arbeitseinsätze. Sie bekamen als Dank dafür eine Tageskarte für den Littenbach. Für den Bach in Berneck hat sich der Fischereiverein Mittelrheintal das Pachtrecht wieder gesichert. In den letzten sieben Jahren (so lange geht eine Pachtdauer) lag das Recht bei einem Privaten.

Der Fischereiverein Mittelrheintal hat knapp mehr als 300 Mitglieder, wovon fast ein Drittel den Jugendfischern zuzuordnen ist. Beim Vereinsfischen wurde Daniel Federer Fischerkönig, auf dem dritten Rang landete mit Nils Zellweger der erste Nachwuchsfischer. Jugendwart Christian Schmid zog in seinem Jahresbericht ein positives Fazit und freut sich darauf, wohl wieder mit zwei Teams an der Jungfischermeisterschaft in Altendorf (SZ) teilzunehmen.


Leserkommentare

Anzeige: