«Streiten gehört zum Politisieren»

Der Lüchinger Kantonsratskandidat Christoph Graf wurde vor einem Monat zum Präsidenten der Jungfreisinnigen Kanton St. Gallen gewählt. Er spricht über seine Vorstellungen, wie man junge Leute zum aktiven Politisieren motivieren könnte.
29. Februar 2012, 01:07

Herr Graf, Sie sind 22 Jahre jung und schon Kantonalpräsident der Jungfreisinnigen. Trauen Sie sich diese grosse Aufgabe zu?

Christoph Graf: Ich glaube, das hat mit dem Alter wenig zu tun. Wichtig ist, ob ich gewillt bin, mich für eine Sache einzusetzen. Ich stehe voll und ganz hinter meiner Partei. Es ist mein Ziel, die Jungfreisinnigen zum Erfolg zu führen. Das heisst, wir müssen mehr Mitglieder und mehr Wähler gewinnen.

Das ist ein hehres Ziel. Das wünschen sich alle Parteien. Was ist Ihr Rezept?

Graf: Viel Basisarbeit leisten. Ich bin davon überzeugt, dass wir junge Menschen für das Politisieren motivieren können. Wichtig ist es, zu vermitteln, was die Partei erreichen möchte.

Was möchte die Partei erreichen?

Graf: Mehr Freiheit in Wirtschaft und Gesellschaft. Zudem streben wir an, mehr Mitglieder zu gewinnen. Leute, die hinter der Partei stehen und aktiv mitmachen. Wir brauchen Mitglieder, die auf die Strasse gehen, und andere für einen Beitritt zu den Jungfreisinnigen zu bewegen. Persönliche Kontakte sind wichtig. Wir möchten an den Wahlen erfolgreich abschneiden. Das Ziel ist, Sitze zu gewinnen, sei es auf kantonaler oder kommunaler Ebene. Bei den Nationalratswahlen in vier Jahren möchten wir St. Galler Jungfreisinnigen in Bern vertreten sein.

Wie stark ist die Partei im Rheintal?

Graf: Der Mitgliederbestand wächst kontinuierlich. Aber es dürften natürlich viel mehr sein. Ich möchte den Mitgliederbestand in den nächsten vier Jahren um mindestens zehn Prozent anheben können.

Wir reden da von sehr jungen Leuten. Ist das nicht eher Wunschdenken?

Graf: Nein, finde ich nicht. Es ist sicher nicht leicht, junge Menschen zu mobilisieren. Aber Politik ist nicht nur etwas für die ältere Generation. Darum bin ich im Jahr 2008 den Jungfreisinnigen Kanton St. Gallen beigetreten. Ein Jahr später war ich bereits an der Regionalpartei Rheintal beteiligt. Dort war ich Generalsekretär bis zur Hauptversammlung 2011. Gleichzeitig war ich im kantonalen Vorstand Vize-Präsident, bis ich kürzlich zum Präsidenten gewählt wurde. Dadurch wurde ich auch Mitglied der kantonalen Parteileitung der FDP.

Wie sehen Sie die Beziehung der Jungfreisinnigen zur Mutter-Partei FDP?

Graf: Die FDP ist unsere Mutterpartei. Wir Jungfreisinnigen sehen uns auch als Kaderschmiede der FDP. Ein engagierter Jungfreisinniger wird später in der FDP politisieren, hoffe ich. Andererseits stört es mich, wenn das Image der «Krawatten-Partei» auch auf uns übertragen wird. Die Jungen tragen doch keine Krawatten. Wir haben junge Stimmen und bringen uns zu allen Themen ein.

Inwiefern unterscheidet sich die Jung-FDP von der FDP?

Graf: Wir unterscheiden uns vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen. Wir sehen uns als «Speerspitze» der FDP. Sicher agieren wir spontaner als unsere Mutterpartei. Aber wir haben dadurch schon viele Prozesse eingeleitet, die dann später ausdiskutiert werden konnten.

Können Sie Beispiele nennen?

Graf: Da war die Initiative für die freie Schulwahl. Oder im Rheintal auch die Petition «Für längere Öffnungszeiten der Altstätter Beizen».

Diese Diskussion verlief aber nicht gar so harmonisch.

Graf: Das stimmt. Aber streiten gehört zu einer liberalen Partei. Und wenn man sich auf einer Ebene finden kann, dann kommt man dem Ziel näher.

Wird man spüren, dass ein Rheintaler Kantonalpräsident ist?

Graf: Meine politische Heimat ist natürlich das Rheintal. Ein verbessertes Angebot des öffentlichen Verkehrs ist mir ein Anliegen. Sobald es dunkel wird im Rheintal, muss man das Auto nehmen. Das darf nicht so bleiben. Damit sich das Rheintal wirtschaftlich weiterentwickeln kann, muss es optimal an die Verkehrsachsen, sowohl im öffentlichen als auch im Individualverkehr, angebunden werden. Damit das Rheintal lebenswert bleibt, muss vor allem der Transitverkehr aus den Dörfern verschwinden. Die Autobahnen beidseitig des Rheins müssen endlich miteinander verbunden werden. Solche Themen müssen auch die Jungen interessieren. Und etwas bewirken können sie nur durch aktives Politisieren.

Interview: Bea Sutter


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