SVP kreuzt mit Pirat die Klingen

EICHBERG. Walter Freund und James Mock von der SVP und Alex Arnold von der Piratenpartei wollen Gemeindepräsident von Eichberg werden. Gestern konnte die Bevölkerung den drei Kandidaten auf den Zahn fühlen. Und das wollten viele: Der Saal der Eichberger «Sonne» war gerammelt voll.
05. September 2012, 07:39
MAX TINNER

Die Ausgangslage für die Wahlen vom 23. September ist in Eichberg ebenso spannend wie in Altstätten. Zwar tritt hier ein Kandidat weniger an. Dass mit Alex Arnold, der Präsident der St. Galler Piratenpartei kandidiert und dabei gleich zwei Kandidaten der SVP – Walter Freund und James Mock – als Gegner hat, ist aber speziell. Gestern kreuzten sie ihre Klingen, zumindest verbal, und stellten sich im übervollen Saal der Eichberger «Sonne» den Fragen von Moderator Elmar Hürlimann und der Wählerschaft.

Angesprochen wurde etwa die Flugblattaktion der SVP gegen Arnold («Rheintaler» und «Volkszeitung» berichteten), in der diesem unterstellt wurde, seine politische Ausrichtung nicht offenzulegen. «Es ist egal, ob jemand links steht oder rechts», rechtfertigte James Mock das Flugblatt, «wichtig ist aber, dass man weiss, wo jemand steht.»

Gemeinderat zügelt den Linken

«Ich stehe links», bekannte Alex Arnold. Jedenfalls in seinem Abstimmungsverhalten. «Das wird aber nicht gleich die ganze Gemeinde nach links reissen», meinte der Informatiker, der in Eichberg aufgewachsen ist. Der bürgerliche Gemeinderat und die Bevölkerung würden schon darauf achten. Die Flugblattaktion habe ihn an die Abwahl des früheren Eichberger Gemeindammanns Robert Benz erinnert. Sozialkompetenz und Feingefühl, wie sie für die Führung einer Gemeinde nötig seien, hätten die SVP-Kandidaten damit nicht gerade bewiesen.

So wie die SVP von Alex Arnold ein Bekenntnis zur politischen Positionierung provozierte, verlangte Elmar Hürlimann sie gestern von den SVP-Kandidaten.

Niemandem etwas schuldig

Er sei unabhängig, neutral und niemandem verpflichtet, nimmt James Mock für sich in Anspruch. Wie das sein könne, wo er doch der SVP angehöre, wollte Hürlimann wissen. Er habe durchaus seine politischen Grundsätze, präzisierte Mock und argumentierte wie Arnold, dass diese bei kommunalen Sachfragen in den Hintergrund treten würden. Die hervorgehobene Unabhängigkeit beziehe sich darauf, dass er als Zuzüger niemandem in der Gemeinde Gefälligkeiten schuldig sei.

Von Walter Freund wollte Hürlimann ausgedeutscht haben, worin seine Visionskraft liege. «Eichberg ist die kleinste Gemeinde im Rheintal – wir müssen sie als schönste positionieren», meinte der Eichberger Meisterlandwirt und Kantonsrat. Er sprach sich für ein weiteres Wachstum der Gemeinde aus, auch um neues Steuersubstrat in die Gemeinde zu bringen. Dafür sei offenes Bauland zu überbauen. «Wenn die Bevölkerung es will», betonte Freund, «sonst lässt man es halt so bleiben, wie es ist.»

James Mock hingegen sieht Grenzen des Wachstums. Der Finanzplaner sähe zwar noch manch schönen potenziellen Bauplatz. «Wir dürfen Eichberg und Hinterforst aber nicht zupflastern.» Auch Alex Arnold warnt vor weiterem Wachstum. «Der verfügbare Boden ist begrenzt», sagte er, «wir dürfen es nicht übertreiben, das würde der Wohnqualität schaden.» Dass diese in der Gemeinde Eichberg sehr hoch ist und dass ihr Sorge zu tragen sei, hoben alle drei Kandidaten hervor.

Genug mit sich selber zu tun

Ebenso sprachen sich alle drei dafür aus, dass Eichberg eigenständig bleibt. «Die Eigenständigkeit der Gemeinde ist mit ein Grund, warum ich mich in sie verliebt habe», bekannte James Mock, der in Sax aufgewachsen ist. Er sprach sich auch dafür aus, dass man mit anderen Gemeinden zusammengelegte Verwaltungsbereiche wieder nach Eichberg zurückholt. Möglichst viel selber zu tun, biete am ehesten Gewähr für die Bürgernähe der Verwaltung, meinte auch Alex Arnold. «Oberriet und Altstätten sind schon genug mit sich selber beschäftigt.» Für Walter Freund hingegen bietet gerade die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Gewähr, eigenständig bleiben zu können. Dabei denkt er an Zweckverbände zur Erfüllung bestimmter Aufgaben über die Gemeindegrenzen hinaus.

Auch den Steuerfuss weiter senken würden alle drei Kandidaten gern. Was in dieser Hinsicht realistisch ist, mussten aber alle drei offen lassen.

Gestern Abend stellten sich auch die Kandidaten für Gemeinderat und Schulrat vor. Darüber berichten wir in unserer morgigen Ausgabe.

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