Rheintaler Fisch ist unbedenklich

HEERBRUGG ⋅ Die Firma MWS in Heerbrugg stellt Geräte zur Bestimmung von Quecksilber her. Letztes Jahr hat ihr Labor Friedfische aus dem Rheintal auf Quecksilber untersucht, dieses Jahr kommen Raubfische an die Reihe.
08. April 2016, 07:30
KURT LATZER

HEERBRUGG. Sie sind nicht nur in den meisten Kantonslabors zu finden: Weltweit können mit den Geräten der MWS GmbH in Heerbrugg Proben schneller und energiesparender analysiert werden. Anstatt mit Bunsenbrenner oder auf der Herdplatte werden die Proben in den Geräten aus dem Rheintal mit Mikrowellen erhitzt und anschliessend im selben Apparat auf Quecksilber (lat. Hydrargyrum, chemisches Symbol Hg) untersucht.

Je älter, desto giftiger

Durch industrielle Produktionsverfahren und Verbrennungsprozesse gelangt das giftige Schwermetall in die Umwelt und am Ende in den Nahrungsmittelkreislauf. Und je höher das Lebewesen in der Nahrungskette steht, umso höher ist die Quecksilber-Belastung. «Friedfische weisen niedrigere Werte auf als Raubfische», sagt Werner Lautenschläger, Gründer der Firma MWS. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Friedfische werden nicht so alt wie ihre räuberischen Artgenossen und haben somit weniger Zeit, Quecksilber aufzunehmen.

Rheintaler Fisch in Ordnung

Atanas Galubov arbeitet nicht nur in der Firma MWS, er ist auch leidenschaftlicher Angler. Und die Fische, die er und seine Vereinskollegen essen, wurden im Labor des Heerbrugger Unternehmens untersucht. Im vergangenen Jahr waren Friedfische aus dem Rheintaler Binnenkanal an der Reihe, dieses Jahr sollen Raubfische folgen.

Die ersten Fische (Alet) gingen im August 2015 beim Montlinger Kraftwerk an die Angel. Weitere Alets wurden Mitte Oktober zwischen Au und Widnau gefangen, und die letzten Fische lieferte Ende November der Fischereiverein Rüthi. «Die Fische waren von unterschiedlicher Grösse. Alle im Rheintal gefangenen und in unserem Labor untersuchten Fische zeigten keine ungewöhnlich hohen Quecksilber-Werte», sagte Werner Lautenschläger. Die Auswertung der Messungen im oberen Rheintal zeigte, dass die Resultate deutlich unter den zulässigen Grenzwerten liegen und somit zum Verzehr absolut unbedenklich seien. Der höchste Wert lag bei 212,2 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch, der niedrigste bei 13,3 Mikrogramm pro Kilogramm. Die Grenzwerte der EU und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lieben bei 500 Mikrogramm/Kilo (Fisch allgemein) und bei 1000 Mikrogramm/Kilo bei Fischen wie etwa Hai, Schwertfisch, Thunfisch und Aal.

Mehr Meerfisch, mehr Hg

Das Ergebnis der Rheintaler Fische hat Werner Lautenschläger nicht überrascht. «Problematischer als Binnengewässer sind hingegen von Industrie-Unternehmen stark belastete Flüsse und Flussabschnitte wie etwa bestimmte Teile des Rheins und der Elbe», sagt Werner Lautenschläger. Bei Zuchtfischen, die mit Meeresprodukten gefüttert werden, könnten die Quecksilbergehalte ebenfalls deutlich höher liegen.

Leben Vegetarier gesünder?

Der Gründer der Firma MWS ist nicht nur überzeugt, dass es kaum mehr einen Stoff gibt, in dem Quecksilber nicht nachweisbar ist, sondern «die Menschheit vergiftet sich langsam selbst.»

Im Zusammenhang mit zu hohen Quecksilber-Werten in der Nahrungsmittelkette taucht immer wieder Meerfisch auf. Leben Vegetarier gesünder als Fischesser? Lautenschläger: «Man hat Proben von Seemöwen und Tauben untersucht. Dabei hat man festgestellt: der Quecksilbergehalt bei den Möwen lag im Faktor 1000 bis 10 000 höher als bei Tauben.»


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