Mit «MikeeMusic» zum Erfolg

HEERBRUGG. Mischa Bader aus Heerbrugg hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er produziert mit dem Afrikaner Toussaint Lyondholi Musik der speziellen Art – «Helvetic-African-House».
08. März 2013, 07:44
KURT LATZER

Sein Studio hat er auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses eingerichtet. Mischa Bader – in der Musikszene als Mikee, früher Mike B, bekannt – unterhält sich gerade mit dem Kongolesen Toussaint Lyondholi über die neueste Produktion. Einen Track haben sie letzte Woche probehalber auf YouTube gestellt, um zu sehen, wie die Musik ankommt. «Es ist eine Mischung aus kongolesischem Rumba, House und Pop-Elementen», sagt Mikee. Normalerweise dauere es etwa zwei Wochen, bis man die ersten Echos auf einen neuen Titel bekomme. «Bereits sechs Tage, nachdem ich die Single aufgeschaltet hatte, haben bereits 9000 Leute das Stück gehört. Das ist sensationell», freut sich der Heerbrugger. Auch Glückwünsche habe es gegeben, so von einem spanischen Komponisten, der sich in Spanien als Produzent von Filmmusik einen Namen gemacht habe.

Burn-out brachte die Wende

Bader wuchs in einer Musikerfamilie auf. Wie seine Eltern war auch er seit seiner Kindheit fasziniert von Musik und gab sein Geld immer wieder für neue Platten, später CDs aus. «Mit fünfzehn Jahren habe ich den ersten <Atari> gekauft, und begann mit Musik-Sequenzen zu experimentieren», erinnert sich der gelernte Schlosser. Danach folgten dem «Atari Sampler» diverse Synthesizer und Drum-Module. Mikee: «Inspiriert durch die Musik von Jean Michel Jarre und Kraftwerk produzierte ich elektronische Tanzmusik.»

Ab 1993 habe er zahlreiche Tracks auf unterschiedlichen Labels veröffentlicht. Als Auftragsproduzent sei er an verschiedensten international bekannten Veröffentlichungen massgebend beteiligt gewesen, «einige davon sind heute noch fast täglich im Radio zu hören». Nach den 1990er-Jahren wurde es ruhig um Mischa Bader. «Nach der Geburt meiner ersten Tochter und der Übernahme des elterlichen Betriebes habe ich die Musik verklingen lassen», sagt Mikee nachdenklich. Glücklich sei er damit nie gewesen. Nach einem Burn-out und Rückenproblemen habe er eine berufliche Pause einlegen müssen.

2010 widmete er sich wieder seiner grossen Leidenschaft und veröffentlichte 2011 seit seiner schöpferischen Pause die erste Single «the sea». «Seither produziere ich wieder sehr aktiv und mittlerweile hauptberuflich», sagt Bader.

Schweiz trifft Afrika

Mit Toussaint Lyondholi arbeitet Mikee erst seit einigen Wochen zusammen, er ist im Internet auf ihn gestossen. Der Kongolese ist als Sänger, Autor, Komponist und Texter seit Anfang der 1970er-Jahre weit über seine Heimat hinaus bekannt. 1979 wirkte er erstmals in einem professionellen Orchester mit, Seke-Seke von Seskin Molonga in Kinshasa. In den Jahren 2000 und 2001 war er mit «Yondo Sister» in Afrika, Italien, Schweden, Belgien, England und den USA auf Tournée. Danach sei es ruhiger geworden. Heute lebt Toussaint Lyondholi in Biel. Mischa Bader: «MikeeMusic soll eine Plattform für Musiker verschiedenster Stile sein und bietet von A bis Z alles, um seine Musik im Markt bestmöglich zu etablieren.» Die «Chemie» zwischen ihm und Lyondholi habe sofort gestimmt. «Es ist eine besondere Art der Musik, die mir sehr viel Spass macht», übersetzt Mikee den französisch sprechenden Afrikaner. Über den Stil ihrer Musik haben sich beide noch keine Gedanken gemacht. Nach kurzer Unterhaltung kommen die Musiker zum Schluss: «Wir können es Helvetic-African-House oder Pop nennen.»

Vermarktung einfacher

«MikeeMusic» produziert nicht nur Musik, sie vermarktet sie auch selbst. «Dank der modernen Technik ist dies heue viel einfacher, man ist nicht mehr auf die grossen Produktionsfirmen angewiesen», sagt Bader. Geld bekomme er für seine Tracks durch Werbespots auf den Social-Media-Plattformen, auf denen seine Titel gespielt werden, von Radiosendern und dem Verkauf von CDs.

Und auch bei Letzterem geht «MikeeMusic» neue Wege. «Wir pressen keine CDs auf Halde. Wir produzieren sie erst dann, wenn Bestellungen eingehen, just in time.»

In den nächsten Monaten will der Heerbrugger nicht nur mit Toussaint Lyondholi weiter zusammenarbeiten, sondern mit weiteren afrikanischen Musikern wie Gitarristen und Drummer. Denn eines zeichne sich bereits jetzt ab: «Helvetic-African-House oder Pop», die Mischung aus Rumba, Französisch, zentralafrikanischen Dialekten und Techno-Disco-Elementen kommt gut an.


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