Mehr Platz im Binnenkanal

AU/DIEPOLDSAU ⋅ Diesen Monat findet die dritte und vorerst letzte Etappe der Sedimentabtragung im Rheintaler Binnenkanal statt. Im Falle eines Hochwassers soll diese Massnahme dem Wasser im Binnenkanal mehr Platz verschaffen und so ein Überlaufen des Kanals verhindern.
16. Februar 2016, 07:33
DAMIAN NEULÄNDNER

AU/DIEPOLDSAU. Nachdem im letzten Winter an den weiter südlich gelegenen Ufern die Sedimente abgetragen wurden, sind in Au und Diepoldsau nun weitere Bereiche entlang des Binnenkanals an der Reihe. In Au wird von der Brücke Oberfahr bis zur Zollbrücke gebaggert, in Diepoldsau von der Sternenbrücke bis zu «Drei Brücken». Auf Auer Gemeindeboden wird auf rund 690 Metern Sediment abgetragen, auf Diepoldsauer Gemeindegebiet sind es 870 Meter. Zusammen ergibt dies pro Uferseite mehr als 1500 Meter, insgesamt etwa 3120 Meter. Die Sedimentabtragungen erhöhen die Hochwassersicherheit entlang des Binnenkanals. Bisher wurden die Arbeiten alle 20 Jahre wiederholt. «Wir wollen diesen Rhythmus jetzt etwas brechen und bereits in zehn bis fünfzehn Jahren die Arbeiten wiederholen», sagt Claudio Senn, stellvertretender Leiter Rheinunternehmen. Das Rheinunternehmen hat bei der Sedimentabtragung die Bauherrschaft inne. Die Bauarbeiten übernimmt die A. Buschor AG aus Altstätten, die Bauleitung Roger Dietsche von der Firma Wälli AG Ingenieure.

Die Natur wird nicht gestört

«Pro Laufmeter werden an jedem Ufer jeweils zwei Kubikmeter abgetragen», sagt Claudio Senn. Insgesamt ergibt das rund 6000 Kubikmeter abgetragene Sedimente. Im Binnenkanal bestehen diese aus feinen Materialien, also nicht aus Kies. Deshalb eignet sich das Material für Bodenverbesserungen. Dabei werden auf einem bestehenden Grundstück 20 Zentimeter des abgetragenen Materials aufgeschüttet. Als erste Gemeinde stellt Balgach der Firma A. Buschor AG ein Grundstück für die Bodenverbesserung zur Verfügung. Den Zeitpunkt für die Bauarbeiten habe man bewusst gewählt, da im Winter die Gewässer normalerweise gefroren seien und folglich der Wasserspiegel tiefer sei, sagt Senn. In diesem Winter sei die Lage aufgrund der hohen Temperaturen etwas anders. «Die Vegetation schläft jetzt noch. Die Pflanzen, Insekten und Vögel werden nicht gestört», ergänzt Senn. Zudem wird nur bis dorthin gebaggert, wo das Wasser beginnt. So werden auch keine Fische gestört. Auch auf die Allee entlang des Binnenkanals wird geachtet. Im Bereich der Baumkronen wurde nicht gearbeitet, da man die Wurzeln nicht beschädigen wolle, sagt Claudio Senn. Damit der 34 Tonnen schwere Bagger dort arbeiten kann, wurde eine Baggerpiste aufgeschüttet, die danach als Gehweg dient. Durch den grossen Bagger würden die Arbeiten sehr schnell voranschreiten. «Wir sind schneller als geplant», sagt Roger Dietsche, Bauleiter und Ingenieur bei Wälli AG Ingenieure. Dies verdanke man auch Baggerführer Toni Burch von der A. Buschor AG. Nur schon für die 600 m lange Strecke, die auf der Baggerpiste rückwärts zurückgelegt werden muss, brauche es viel Können und Erfahrung.

Eine weitere Schwierigkeit stellt die SBB-Linie dar. Die Arbeiten laufen direkt am Bahngleis ab. Deshalb ist während der Arbeiten immer ein Sicherheitswärter der SBB anwesend. «Die Kommunikation funktioniert ausgezeichnet», lobt Thomas Schwendener von der A. Buschor AG die Arbeiter. Dies ist auch wichtig, da die Züge der SBB das Tempo beim Passieren der Baustelle nicht verlangsamen.

Sperrungen dem Kanal entlang

Heute werden die Arbeiten in der Gemeinde Au bereits eingestellt. Ab dem 29. Februar wird die Arbeit dann am rechten Ufer wieder aufgenommen. Die Pause dient als Reserve, falls etwas nicht so läuft wie geplant. Zur Sicherheit muss die Strasse entlang des Kanals während der Arbeiten für zwei Wochen gesperrt werden. Es wird eine Umleitung geben. In Au wird voraussichtlich während weiteren zwei Wochen gebaut. Danach beginnen die Arbeiten in Diepoldsau. Auch dort wird es Sperrungen geben. Die Verantwortlichen danken der Bevölkerung für ihr Verständnis.

Für die Zukunft wünscht sich Roland Wälter, Präsident des Zweckverbandes Rheintaler Binnenkanal und Gemeindepräsident von Diepoldsau, dass mehr auf die Bodenverbesserungen gesetzt wird. «Davon profitieren die Gemeinden und die Baufirmen», sagt Wälter.


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