Künstler im nonverbalen Dialog

Vier Künstler setzen sich selbst die Regeln und malen an einem bestimmten Ort, während eines begrenzten Zeitraums, auf einem vorgegebenen Format, mit Ölfarben ein Bild. Die Vernissage in der Galerie art dOséra findet am Samstag statt.
09. September 2016, 02:40
SUSI MIARA

DIEPOLDSAU. Eine Malaktion dieser Art gab es in der Galerie art dOséra noch nie. Der deutsche Maler, Grafiker und Hochschuldozent Jo Bukowski war zwar schon mehrmals in Diepoldsau zu Gast. Diesmal hat er sich aber etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Gemeinsam mit zwei Künstlerkollegen und einer Künstlerin startete er gestern ein Experiment. In zweieinhalb Tagen wird jeder der vier Künstler auf einer 160 mal 300 Zentimeter grossen Leinwand mit Ölfarben ein Bild malen. «Dabei geht es um den künstlerischen Moment. Die Inspiration des Augenblicks fliesst gedanklich und emotional in die vorgegebene Zeit, ohne Konzept der einzelnen Ideen», sagt Jo Bukowski. Dabei werden nur die äusseren, konzeptionellen Bedingungen bestimmt. Somit entstehe die Möglichkeit, ein Ganzes im Ganzen herzustellen.

Andere Form des Denkens

Jo Bukowski hat die Teilnehmer der Malaktion – Tania Strickrodt aus Krefeld, Armin Burghagen aus Tübingen und Thomas C. Jutz aus Dornbirn – selbst ausgesucht: «Alle mit künstlerischer Denkweise und einem persönlichen Spektrum, der zum Konzept passt», erklärt er. Das Besondere an diesem Experiment sei nicht einfach, ein Bild zu malen, sondern etwas auszudrücken, das in einem Zusammenhang steht, und das die Künstler selbst, aber auch die Betrachter ins Staunen versetzt. «Das künstlerische Tun ist eine andere Form des Denkens», sagt Jo Bukowski. Sobald er den ersten Strich gemacht hat, wisse er, wie es weiter geht. Er bringe seine Gedanken auf die Leinwand. «Kunst ist eine Möglichkeit, das sichtbar zu machen, was mich bewegt.»

«Die Malaktion ist eine neue Art, sich künstlerisch zu begegnen», sagt Armin Burghagen. Tanz, Figur und Raum sind das zentrale Thema der Malerei von Armin Burghagen. Wie sich seine Arbeit in den nächsten zweieinhalb Tagen entwickeln wird, wisse er nicht.

Eine neue Situation

«Für mich ist es spannend, diesen neuen Weg zu bestreiten», sagt Thomas C. Jutz. Als Künstler arbeite er allein im Atelier. Jetzt sei die Situation anders. «Wir arbeiten intensiv zusammen, auf Leinwandgrössen, die man sonst nicht benutzt.» Gespannt sei er darauf, wie sich die Situation entwickeln und wie das Thema «Das Kommen und Gehen des Augenblicks» umgesetzt wird.

Auch Tania Strickrodt, die gestern in Deutschland im Stau stecken blieb, möchte während des Arbeitens vom Ungeplanten überrascht werden, um mit dem Bild wachsen zu können. Sie suche den flüchtigen Moment tiefer Berührung und will ihn auf der Leinwand festhalten.

Ein geschlossener Kunstraum

Die Leinwände stehen jetzt noch gegeneinander. Jeder Künstler arbeitet für sich, ohne sich mit den anderen abzusprechen oder ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Erst an der Vernissage werden die Bilder gedreht, sodass in der Mitte ein Innenraum entsteht. Begleitet wird die Vernissage von Ursula Purner aus Tirol, die die Besucher zu einem Rundgang entführt.

Die Vernissage findet am Samstag, 10. September, um 19 Uhr in der Galerie art dOséra in Diepoldsau statt. Die Ausstellung ist am Sonntag, 11. September, von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

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