Knatsch um Hanf-Pullover

Die Metro Boutique verkauft Kinderpullover mit Cannabis-Sujets. Die Stiftung Suchthilfe kritisiert das und fordert ein Verbot.
07. Mai 2015, 02:35
MICHEL BURTSCHER

Die Sujets auf den Kapuzenpullovern sind eindeutig: weisse oder grüne Cannabis-Blätter, dazu Sprüche wie «I like weed, everyday», also «Ich mag Gras, jeden Tag». Oder: «Dope», ein Wort, das umgangssprachlich für Drogen verwendet wird. Zu kaufen gibt es die Pullover bei der Bekleidungsfirma Metro Boutique, die unter anderem Filialen in St. Gallen, Wil und Buchs unterhält. Die Zielgruppe der Pullover: Kinder und Jugendliche. Die Stiftung Sucht Schweiz kritisiert, dass mit solchen Kleidern der Drogenkonsum verherrlicht werde. Der Verkauf solcher Produkte sei aus ethischer Sicht mehr als fragwürdig.

Süchtig nach Verboten?

Gleicher Meinung ist man bei der Stiftung Suchthilfe in St. Gallen, geht aber noch einen Schritt weiter: Sie würde ein Verbot von Kinderkleidern mit solchen Sujets begrüssen, sagte Barbara Hausherr, Leiterin der Suchtfachstelle, am Dienstag gegenüber TVO. «Dies im Sinne des Jugendschutzes und der Prävention.» Das passt nicht allen: Gestern reagierten die Jungfreisinnigen des Kantons St. Gallen (JFSG) auf die Verbotsforderung: «Ist die Stiftung Suchthilfe süchtig nach Verboten?», fragen die jungen Liberalen in einem Communiqué. Die Partei verurteilt die Forderung der Suchthilfe. Diese ziele aus verschiedenen Gründen ins Leere, heisst es in der Mitteilung weiter. «Wir sind der Meinung, dass es hier kein Verbot braucht», sagt Christoph Graf, Kantonalpräsident der JFSG. Wer solche Kleider trage, schade niemandem, und ein Verkaufsverbot verstosse zudem gegen die Ausdrucksfreiheit und Gewerbefreiheit, argumentiert er. Und sowieso seien die Eltern verantwortlich dafür, welche Kleidung ihre Kinder tragen.

Keine Werbung für Drogen

Auch Barbara Hausherr von der St. Galler Suchthilfe findet, dass die Eltern eine wichtige Rolle spielen. «Aber nicht nur: Es braucht auch ein Gesetz», betont sie. Ihr sei klar, dass damit allein das Cannabis-Problem bei Kindern und Jugendlichen nicht gelöst werden könne. Doch darum gehe es grundsätzlich nicht einmal, sagt sie. «Es geht um das Zeichen, das man damit aussendet: Es ist etwas anderes, ob Jugendliche kiffen und wissen, dass es illegal ist – oder ob eine Kleiderfirma sie dazu benutzt, um offen Werbung für die Droge zu machen.» Die Jungfreisinnigen geben zu, dass Kinder vielleicht nicht abschätzen können, welche Bedeutung mit einem solchen Kleidungsstück und der Abbildung darauf verbunden ist. Genau da kämen die Eltern ins Spiel, sagt Graf. «Wenn ich Vater wäre, würde ich meinen Kindern verbieten, solche Kleider mit Cannabis-Sujets anzuziehen.»


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