Jeder bekommt sein Fett weg

RHEINECK ⋅ Seit 35 Jahren sind Inga und Wolf Buchinger auf den Bühnen unterwegs. In Rheineck haben die Kernbeissers die Premiere ihres neuen Programms gefeiert.

11. Februar 2017, 05:38
Simon Roth

Mit den Worten «Bonsoir Mesdames et Messieurs» begeht Wolf Buchinger im evangelischen Kirchgemeindehaus Rhein­eck die «Premiere der besonderen Art». Daraufhin parliert er fröhlich auf Französisch weiter. «Bestimmt haben Sie alles verstanden», versichert er sich und erntet zahlreiche Lacher.

Blauäugige Tatjana und die blaue Pille

Genau dafür hätten sich die gut 80 Gäste zum ökumenischen Seniorennachmittag zusammengefunden, betonte Pfarrer Christian Wermbter zuvor in seiner Begrüssungsrede: «Es darf gelacht, geklatscht und gejubelt werden.» An diesem Nachmittag präsen­tieren die Kernbeissers «Crazy Songs» und Texte aus dem «Nebelspalter». Ausgeheckt haben das Programm Inga und Wolf Buchinger. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, tragen sie Gedichte aus der langen Geschichte des Satiremagazins vor und bereichern sie mit eigenen Liedern. So schlagen sie einen Bogen von den Anfängen des «Nebelspalters», der im Jahr 1875 gegründet worden ist, bis hin zur Gegenwart. Im Verlaufe ihrer poetischen Darbietung bekommen alle ihr Fett weg: Männer und Frauen, Junge und Alte, Diktatoren und Wutbürger. Für den satirischen Rundumschlag verwandelt sich Wolf auch schon in die zwölfeinhalbjährige Tatjana – Perücke sei dank. Blauäugig beschwert sie sich bei der Regierung, dass die Gesundheitskosten die Altersvorsorge ihres Opas auffresse. Für sein Stehvermögen brauche dieser wöchentlich eine blaue Pille. Sie finde, dass deren Preis mit 20 Franken deutlich zu hoch sei, nur damit ihr Opa aufrecht gehen könne. Der Gag kommt an und sogleich tönt Inga ein nachdenkliches Loblied auf die Pille an. Für jedes Leiden gäbe es eine, doch einen Haken habe die Sache dennoch: «Meine Sucht nach Pillen ist nur mit Pillen noch zu stillen.» Auch das Pub­likum muss Pointen liefern: Ein Wettbewerb belohnt es für ihre Allmachtsfantasien als Diktator. Selbst dem US-Präsidenten Trump haben die Kernbeissers einen Song gewidmet, den Inga von ihrem Mann am Piano begleitet mit einem Augenzwinkern vorträgt.

 

Simon Roth

Hinweis

Die nächste Vorstellung findet am Donnerstag, 16. Februar, um 14.30 Uhr im evangelisches Kirchgemeindehaus in Rorschach statt.


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