Hanfzüchter setzte Hühner aus

Die Kantonspolizei Thurgau hat die Person ausfindig gemacht, die 150 Hühner ausgesetzt hatte. Der junge Schweizer hielt die Hühner in seinem Keller – der penetrante Mistgestank hat ihn verraten.
17. Oktober 2015, 02:46
JANIQUE WEDER

FRAUENFELD. Die Hühnerställe hat der 23-Jährige im Kellergeschoss seines Hauses eingerichtet. Ganz abschotten von der Aussenwelt konnte er die Tiere aber nicht: «Wir haben Hinweise erhalten, wonach es im Quartier stark nach Mist stank», sagt der Thurgauer Polizeisprecher Daniel Metzler. Bei einer Durchsuchung haben Polizisten unter anderem Futtergefässe und Hühnermist gefunden. Nach seiner Festnahme war der Mann geständig. Er hatte die 150 Hühner in der Nacht auf Montag an einem Waldrand zwischen Happerswil und Buch ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell hat gegen den Schweizer eine Strafuntersuchung eröffnet.

Im Haus fand die Polizei ausserdem eine Hanfanlage mit einem Dutzend Pflanzen. «Ob er damit Handel betrieben hat, wissen wir noch nicht», sagt Metzler. Unklar sei auch, wie der Mann zu den Hühnern gekommen war und was er mit ihnen vorhatte. Ermittlungen würden laufen.

Keine Tierseuche

Da die Herkunft der Hühner zunächst unbekannt war, bestand der Verdacht auf Tierseuche. Das kantonale Veterinäramt hat gestern Entwarnung gegeben: Die Untersuchungsergebnisse seien negativ, heisst es in einer Mitteilung. Der Zustand der Hühner sei grundsätzlich zufriedenstellend. Sie befinden sich weiterhin auf einem Bauernhof in der Nähe von Lommis, auf dem sie vorsorglich untergebracht worden sind.

Vier Hühner mussten eingeschläfert werden. Die Tiere hätten so schwere Probleme am Bewegungsapparat gezeigt, dass sie hätten erlöst werden müssen, heisst es weiter. Auch die restlichen Hühner müssen wahrscheinlich eingeschläfert werden. Es handle sich um Mastpoulets, «deren Genetik eine weitere Haltung nach Erreichen der Schlachtreife aus Tierschutzgründen höchst fragwürdig erscheinen lässt», schreibt das Veterinäramt. Das Ziel bei Masthühnern ist, dass sie so viel Masse zulegen, um innert rund fünf Wochen Schlachtreife zu erlangen. Amtstierarzt Ulrich Weideli erklärt: «Masthühner sind genetisch so disponiert, dass sie schneller an Gewicht zulegen als ihre Bänder und Knochen wachsen können.» Eine Schlachtung ist laut Weideli mittelfristig wahrscheinlich unvermeidbar.

Kritik von Tierschützern

Beim Thurgauer Tierschutzverband wehrt man sich derweil gegen die wahrscheinliche Tötung. Präsident Reinhold Zepf äussert sich erbost zur Geschichte. Besonders das Veterinäramt steht in seiner Kritik. Dem Kanton gehe es darum, eine schnelle Lösung zu finden. Er handle «im Interesse des Tieres», sagt Zepf. «Wenn es tatsächlich so ist, dass die Tiere aufgrund ihres Gewichts nicht mehr stehen können und ihr Leben nicht mehr lebenswert ist, akzeptiere ich eine Tötung.» Zuerst wolle er aber abklären lassen, ob eine Futterumstellung das Wachstum der Hühner stoppen könnte. So könnten sie am Leben bleiben, glaubt Zepf.

«Dieses Experiment ist heikel, sagt Weideli. Es sei aufgrund der Genetik nicht möglich, das Wachstum zu stoppen. Eine Futterumstellung würde das Risiko einer Unterversorgung beinhalten und nicht mehr einer artgerechten Fütterung entsprechen. «Das riefe schnell einen tierschutzrelevanten Zustand hervor.»


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