Ein wenig Satire muss erlaubt sein

BERNECK ⋅ Am Samstag, 25. Februar, sind in Berneck wieder die Schnitzelbänkler unterwegs. Für die älteste Gruppe, die Schnitzelbank GmbH, wird es nach 55 Jahren der letzte Auftritt sein.
15. Februar 2017, 05:37
Susi Miara

Susi Miara

«Die Schnitzelbank ist eine Zusammenstellung kurzer Verse, die meist rhythmisch oder gesanglich vorgetragen werden und die Zuhörer mit der humorvollen Schilderung aktueller oder allgemein menschlicher Vorkommnisse erheitern sollen.» Diese Wi- kipedia-Definition gefiel auch Ernst Jäckli, dem Sohn des damaligen Gemeinderatsschreibers, als er vor 55 Jahren die Schnitzelbank von Basel nach Berneck brachte. Als Psychologiestudent lernte er in Basel die Fasnacht kennen. Gemeinsam mit Willi Schegg und dem Dorfkünstler Walter Jüstrich gründete er 1961 die «Lalli-Clique» und war am Anfang selbst mit der ersten Bernecker Schnitzelbankgruppe unterwegs. Willi Schegg erinnert sich an die Schnitzelbank über Pfarrer Thürlemann: «Ende der Sechzigerjahre beobachtete der Pfarrer vom Rosenberg aus mit dem Fernstecher die Badi, die erstmals gemischt besucht werden durfte.»

Willi Schegg ist seit der Gründung der Schnitzelbankgruppe dabei. Nach acht Jahren legte die damalige «Lalli-Clique» eine zweijährige Pause ein und formierte sich dann neu unter dem Namen GmbH. «Eine Zeitlang hatten wir sogar zwei GmbH-Gruppen», sagt Max Frei, der inzwischen auch schon 40 Jahre dabei ist. In den 1970er-Jahren seien dann weitere Gruppen dazu gekommen. «Das Erfolgsrezept für die lange Lebensdauer der GmbH war die Arbeitsaufteilung», sagt Frei. «Wir haben Texter (Willi Schegg und ich), Maler (Stefan Schreiber, Enzo Dudli und Bernhard Schraner), Sänger (Anita und Ivo Vögeli sowie Anita und Ruedi Meier) und einen Bilderträger (Luzi Mettier).»

«Die Kunst der Schnitzelbänker ist die richtige Dosierung», sagen die beiden GmbH-Texter. «Wir haben immer versucht, Personen auf die Schippe zu nehmen, ohne sie zu beleidigen. Trotzdem muss während der Fasnacht die Satire erlaubt sein».

Natürlich fanden es nicht alle lustig, sodass manch eine Schnitzelbank vor dem Vermittler landete, wie jene über den ehemaligen Ortsgemeindepräsidenten Jakob Federer. Auch der Vater von Felix Indermaur fand es nicht lustig, als «Bock Felix» betitelt zu werden. «Diesen Fall konnten wir aber ohne Vermittler reglen», erinnert sich Willi Schegg. «Wir hatten aber auch viele positive Rückmeldungen. Und die meisten unserer Opfer haben am Schluss ihre Helgen auch gekauft», ergänzt Max Frei.

«Nach 55 Jahren ist für uns jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen», sagt Max Frei. Dies könne die GmbH mit gutem Gewissen tun, denn dank neuer Gruppen ist die Bernecker Schnitzelbank-Tradition nicht gefährdet.


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