Die jungen Wagemutigen

36, 34, 31. So alt sind drei der sieben Kandidaten, die in Eichberg oder in Altstätten Gemeindepräsident werden möchten.
06. Juli 2012, 08:37
von Gert Bruderer

Treibt nicht Leichtsinn die Neulinge an (wovon nicht auszugehen ist), muss es wohl Mut sein, in Altstätten jedenfalls. Alexander Breu, Mitglied der CVP und mit 34 der jüngste der vier Kandidaten, riskiert nach Einschätzung selbsternannter Polit-Experten am stärksten, zurechtgebogen zu werden. (Wobei einzuwenden ist, dass er als Marbachs Schulratspräsident politisch schon Erfahrung hat.)

In Altstätten ist es das Los eines Gemeindepräsidenten, Don Quijote zu spielen – einen Mann, der gegen Windmühlen kämpft. Der technische Fortschritt, der im Zeitalter der Romanfigur den Machtverlust des Adels vorantrieb, entspricht dem gesellschaftspolitischen Wandel, der heute der CVP zusetzt, jener Altstätter Partei, die in der jungen Vergangenheit arg gebeutelt und von ihrer einstigen Machtposition verdrängt wurde. Doch der neue Gemeindepräsident wird nicht nur gegen Windmühlen zu kämpfen haben. Denn es lauern wohl schon gut getarnte Kontrahenten, für die er wie eine Maschine zu funktionieren hat. Klingt freilich alles ganz schön böse, ist vielleicht auch etwas überzeichnet, aber unterschreiben lässt sich mühelos die folgende Behauptung: Wer in Altstätten Chef wird, muss eine klare Linie verfolgen und so selbstbewusst auf den Tisch klopfen können, dass jeder erkennt, wo der Bartli den Most holt. Der Wirklichkeit entrückt, wie Don Quijote, das darf der Präsident nicht sein.

Neben Breu wollen der 40-jährige Ruedi Mattle (einst CVP, jetzt parteilos) der 46-jährige, aber deutlich jünger wirkende Frank Federer sowie der Lienzer Rolf Beck (57) durchstarten und sich ausgerechnet ein Amt aufbürden, das bald los zu sein der bisherige Stadtpräsident sich insgeheim freut. Vielleicht muss man jung sein für solch eine Mission. Jung und, jawohl: unerschrocken. Oder sehr erfahren (also älter) und, jawohl, extrem gelassen. Oder weise, wie es Don Quijote am Ende war.

Wer sich die bisher publizierten Porträtbilder der drei jüngeren Altstätter Kandidaten ansieht und nicht weiss, dass dies die Kandidaten für das Stadtpräsidium sind, wähnt womöglich drei Lausbuben vor sich. Verschmitzt wirken sie alle drei – und eigentlich kann es ja nur von Vorteil sein, falls dieser Eindruck stimmt. Wer wünscht sich nicht eine junge Kraft, die nicht alles so ernst nimmt, sondern sich leichtfüssig in ein Abenteuer ungewissen Ausgangs stürzen mag; Kandidaten, die offenbar felsenfest überzeugt sind, sich im Amt nicht unterkriegen zu lassen, denn was in Altstätten politisch so abgeht, kann keinem der vier Kandidierenden entgangen sein. Den jungen Wagemutigen kommt zugute, dass die Zahl der Stadträte von neun auf sieben gesenkt wird, was den Kampf nicht ganz so aussichtslos erscheinen lässt, wie unverbesserliche Pessimisten gerne unken. Für Altstättens Wählende lautet die Gretchenfrage: Wem ist die Fähigkeit, sich durchzusetzen, am ehesten zuzutrauen? Wer ist der erfolgreiche Don Quijote (der sogar einen Widerspruch überwindet, indem er in der Aussichtslosigkeit erfolgreich ist)?

In Eichberg – wo eine geradezu amüsante Ausgangslage herrscht – unterbietet Alex Arnold die tiefe untere Altersgrenze der Altstätter Thronanwärter um drei Jahre. Mit 31 ist der Präsident der St. Galler Piratenpartei der Gegenpart zum SVP-Landwirt Walter Freund, der mit seinen 55 Jahren quasi als Senior antritt. Zwischen ihn und Arnold hat sich als dritter Kandidat James Mock geschoben, interessanterweise ebenfalls ein SVPler, 36 Jahre jung. Auch wenn man keinen der ehemaligen Präsidenten als ungestümen Jungspund in Erinnerung behielt (sie wurden schliesslich beim Regieren älter): Schon die früheren Chefs in Eichberg und Altstätten stürzten sich im besten Alter in ihr neues Glück. Weil Eichberg eine eher kleine und somit überschaubare Gemeinde ist, gilt sie für junge, politisch ambitionierte Kräfte als ideale «Einstiegsgemeinde». Dies umso mehr, als Eichberg nicht den Ruf hat, schwer führbar zu sein.

Sowieso dürfte wie überall gelten: Wo gut zusammengearbeitet wird, geht es auch vorwärts. Nicht das Alter eines Präsidentschaftskandidaten ist somit ein vorrangiger Faktor, sondern die Fähigkeit und Bereitschaft aller Beteiligten zu fruchtbarem Teamwork. In Eichberg und Altstätten wie überall. Gut, dass uns Don Quijote zudem daran erinnert, dass sogar ein Narr zu einem weisen Menschen werden kann.


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