GESUND BLEIBEN

Die Homöopathie im Wandel der Zeit

28. Februar 2013, 01:38

Die Homöopathie spaltet die Meinungen seit über 200 Jahren. Obwohl immer wieder als medizinischer Irrglaube bezeichnet, sind die Homöopathen doch nicht ausgestorben, sondern wenden die Heilkunst des Dr. Samuel Hahnemann (1755–1843) weiter an. Homöopathie heisst «ähnliches Leiden». Hahnemann forderte, in jedem Krankheitsfall eine Substanz zu verabreichen, welche ähnliche Symptome auslösen kann, wie sie der Patient aufweist.

Ist dieses Konzept noch zeitgemäss und hat sich die Homöopathie seit dem 19. Jahrhundert weiterentwickelt? Selbstverständlich sind die Entwicklungen der Neuzeit nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Obwohl homöopathische Arzneien weiterhin nach dem Ähnlichkeitsprinzip verabreicht werden, hat die moderne Homöopathie neue Erkenntnisse aus Medizin, Physik, Chemie, Biologie, Zoologie, aber auch der Psychologie und Psychotherapie in ihr System integriert. Nachdem schon Hahnemann die Grenze zwischen körperlichen und seelischen Symptomen überbrückte, versucht Homöopathie heute, die Ganzheitlichkeit einer Krankheit auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden. Die Anzahl der Arzneien, die homöopathisch eingesetzt werden können, hat sich rasant entwickelt. So werden heute beispielsweise sämtliche bekannten Elemente des Periodensystems sowie viele chemische Verbindungen als Heilmittel verwendet. Tausende neue Substanzen wurden auf ihre Wirkung hin geprüft und damit die Treffsicherheit im einzelnen Krankheitsfall erhöht. Hahnemann musste sich mit 100 Arzneien begnügen. Speziell die Computer- und Internettechnologie hat zu einer ungeahnten Vervielfachung des Wissens über Substanzen geführt und machte eine Vernetzung von Homöopathen über die ganze Welt möglich. Damit fand eine Systematisierung der Homöopathie statt, die ihre Wirkweise nachvollziehbar macht.

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Homöopathie von der klassischen Schulmedizin weiterhin mit grosser Skepsis betrachtet wird. Wissenschaftlich sind diese Gründe kaum nachvollziehbar. Weil es sich bei der Homöopathie um eine äusserst individuelle und ganzheitliche Methode handelt, greifen Kriterien, welche den Menschen auf ein Organ, ein Röntgenbild oder einen Laborwert reduzieren, immer zu kurz. Entwicklungen in der Schulmedizin wie integrative Medizin oder Evidence based Medicine bieten hier erfreulicherweise Hand für ein besseres Verständnis, weshalb diese kleinen Kügelchen so erstaunliche Heilungen zustande bringen. Sie tun es weiterhin, ob man daran glaubt oder nicht.

Gregor Schraner, Herisau, www.vahar.ch

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