Das «Zwirneli» dreht sich wieder

Das Wasserrad beim «Zwirneli» im Weiler Lachen wurde restauriert. Zum Mühlentag kamen viele Besucher und nutzten die Gelegenheit, die einzige Wassermühle im Appenzellerland wieder in Funktion zu sehen.
02. Juni 2014, 02:35
MONIKA VON DER LINDEN

WALZENHAUSEN. Der Eichenbach im Weiler Lachen plätschert wie üblich vor sich hin. Auf den ersten Blick kann ein Spaziergänger keine Veränderung erkennen. Und doch ist seit Samstag etwas anders. Das Weichenhaus hat einen neuen Dachstuhl und wieder eine Funktion: Es leitet das Bachwasser nach langer Pause wieder Richtung Wassermühle. Das Rad im «Zwirneli» ist restauriert – es dreht sich wieder.

Das Ziel hatte die Stiftung Zwirneli seit ihrer Gründung im Jahr 2007. Nun, zum Mühlentag, weihte der Stiftungsrat es im Beisein von mehreren Dutzend Gästen ein. «Fünf Jahre dauerte es, die Wasserkraftanlage zu sanieren», sagte Thomas Fuchs, Stiftungsrat und Historiker aus Herisau. Die Mühle ist im Original erhalten – so wie sie im Jahr 1903 ausgestattet wurde.

Nachfrage nach Faden stieg

Ihre Geschichte geht auf den Stickerei-Boom in der Ostschweiz zurück, als die Nachfrage nach Zwirn und Faden rasch gestiegen war. Das «Zwirneli» wurde 1866 erbaut und bis 1955 betrieben. Es ist eine von drei Kraftanlagen, die auf der Steilstufe des Eichenbachs gebaut und betrieben wurden. Eine Zwirnerei-Maschine aus Lachen steht heute im Spinnerei-Museum im Tösstal. Sie ist eine Rarität, weil die einzige mit einer Holzkonstruktion, die noch funktioniert. Eine Spul-Maschine ist im Museum Herisau deponiert.

«Niemand erwartete wohl, dass sie 110 Jahre erhalten bleiben würde», sagte Thomas Fuchs. Alle Holzteile wurden komplett ersetzt und in Lärchenholz rekonstruiert. «Es war eine Herausforderung, die richtigen Leute hierfür zu finden. Wir konnten auf keine routinierten Handwerker zurückgreifen.»

Lehrlinge erneuerten das Rad

Fündig wurde der Stiftungsrat im Berufsbildungszentrum Herisau. Dort ist Norbert Wick Fachlehrer für Zimmerleute. Er leitete sechs Lernende an und restaurierte mit ihnen das einzige Wasserrad, das es noch im Appenzellerland gibt. «Es ist eine schöne Lösung, dies junge Menschen in Ausbildung machen zu lassen», sagte Thomas Fuchs. Sie machten es gerne und gut. Das wird wohl die einzige Gelegenheit im Berufsleben der Zimmerleute bleiben. Unter grossem Interesse der Gäste erläuterten die Handwerker, wie sie an die Aufgabe herangegangen waren und wie sie diese lösten. Dass es ihnen gelungen ist, zeigt sich darin, dass sich das Rad mit einem Durchmesser von sieben Metern wieder dreht. Auch die Transmission läuft noch, hat aber keine Funktion mehr. Ob die Pläne realisiert werden, an der Mühle einen Generator anzuschliessen, steht noch nicht fest. «Wir müssen erst prüfen, ob der Bach noch genug Wasser führt», sagte Fuchs. Das nächste Ziel des Stiftungsrates ist, die Zuleitung zu erneuern. Im Moment besteht sie aus einem Rohr. «Schön wäre, sie wieder in Holz zu fassen.» Und die Dachsanierung des Hauses wird auch bald nötig. Es gibt also auch in Zukunft Gründe, Spenden zu sammeln. Das Barometer hat noch Platz.


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