Das Rad dreht sich wieder

WALZENHAUSEN. Beim Zwirneli in Lachen steht das letzte von ehemals zweihundert historischen Wasserrädern im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Jetzt wird es restauriert – von sechs Zimmermann-Lernenden.
12. Juli 2013, 07:57
SERAINA HESS

Wer in Lachen den schmalen, steilen Grat zur ehemaligen Zwirnerei hinuntergeht, kann sich kaum vorstellen, dass dort einmal Fäden hergestellt wurden. Idyllisch liegt das Haus mit schwarz gegerbten Schindeln am Eichenbach, der vor sich hin plätschert. «Im Frühling, bei der Schneeschmelze, klingt es hier anders», sagt Susanna Capocasa, die das Gebäude seit bald zwanzig Jahren bewohnt und den Ort für Zen-Meditationen nutzt.

Wasserrad wird saniert

Das Zwirneli, wie man das Haus heute nennt, ist die unterste von drei ehemaligen Zwirnereien, die dicht hintereinander eine Gefällstufe am Oberlauf des Eichenbaches säumen. Gebaut wurde sie 1866. Der Besitzer in dritter Generation stellte den Betrieb in den Fünfzigern ein und schenkte die Zwirn- und Spulmaschinen dem Technorama in Winterthur. Was geblieben ist; eine heute historische Wasserkraftanlage, die noch immer funktioniert.

Das Zwirneli gehört seit 2007 der gleichnamigen Stiftung, gegründet von Susanna Capocasa. Ziel der Stiftung ist es, das Zwirneli als Denkmal eines wichtigen Appenzeller Industriezweigs zu erhalten. Für bis zu 80 000 Franken wird deshalb die gesamte Wasserkraftanlage saniert, von Sponsoren finanziert.

Das Auffangbecken wurde schon vor zwei Jahren erneuert. Momentan wird das Holz des Rades, das morsch und undicht geworden ist, ersetzt. Das ursprüngliche Radlager und andere alte Bestandteile aus Eisen bleiben erhalten.

Restauriert wird das Wasserrad von fünf Zimmermann-Lernenden im Rahmen eines Projekts des Berufsbildungszentrums Herisau. «Die Lernenden investieren einen Teil ihrer Freizeit und Arbeitszeit im Lehrbetrieb», sagt Berufsschullehrer Norbert Wick.

Mit dabei sind Gabriel Loser aus Speicher und Rebecca Johnson aus Gais, beide am Ende des zweiten Lehrjahrs. Den angehenden Zimmermann und die Zimmerin für das Projekt aus dem Lehrbetrieb zu holen, war laut Wick kein Problem. «Ich habe das geregelt. Da sich nur die besten Schüler für das Projekt angemeldet haben, war es leicht, die Lehrmeister zu überzeugen.»

Generator bleibt Idee

Für den Lehrer und die Lernenden begann die Arbeit schon vor eineinhalb Jahren mit dem Fällen und Verarbeiten von einheimischem Lärchenholz, da man das Rad möglichst originalgetreu nachbauen wollte. Verläuft alles nach Plan, soll sich das Wasserrad schon heute wieder drehen.

Obwohl die Mechanik des Zwirneli-Wasserrades einwandfrei funktioniert, hat man bisher noch keinen Generator angeschlossen. «Wie effektiv die Stromerzeugung wäre, wissen wir noch nicht. Aber natürlich ist das eine Idee, die wir weiterhin verfolgen», sagt Stiftungsratsmitglied und Historiker Thomas Fuchs.


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