Alex Arnold, der digitale Pirat

ALTSTÄTTEN. Der Altstätter Alex Arnold (30) ist Präsident der neu gegründeten Piratenpartei St. Gallen und beide Appenzell. Ein ungewöhnlicher Anführer einer «digitalen Generation», die nun Kurs auf den Kantonsrat nimmt.
19. Januar 2012, 01:03
CLAUDIO DONATI

Seine Ideen klingen etwas abenteuerlich. Das dürfen sie auch. Schliesslich ist Alex Arnold Pirat. Nicht irgendeiner. Er ist der Anführer der zehnköpfigen Piratenbande, die im März den St. Galler Kantonsrat entern will.

Wäre er ein echter Pirat, ihn würde man nicht «Alex, den Schrecklichen» nennen, eher «Alex, den Ruhigen». Ob er nun über Politik spricht oder über andere Dinge, seine Lautstärke liegt weit unter der Schmerzgrenze. Trotzdem ist der 30-jährige Altstätter vor zwei Monaten Präsident der neu gegründeten Piratenpartei Sektion St. Gallen/Appenzell geworden. Nicht weil er unbedingt wollte, sondern weil es sonst niemand gemacht hätte. Kaum hat er sich mit der knapp 100 Mann starken Piraten-Crew ins politische Fahrwasser begeben, steht auch schon das erste Gefecht bevor.

Angriff der «Jugend»

Der Rheintaler, in Eichberg aufgewachsen und seit einigen Jahren in Altstätten wohnend, wird mit sechs weiteren Piraten in der Stadt St. Gallen zu den Kantonsratswahlen antreten. Drei Piraten versuchen es im Wahlkreis Wil. Das Rheintal zählt noch keine zehn Mitglieder. Im Februar wird der Software-Entwickler zudem mit seiner Freundin nach St. Gallen ziehen, wo er auch arbeitet.

Ein Beamer an der Decke, ein grosses Filmplakat an der Wand und unzählige DVDs im Gestell. Sein Wohnzimmer in Altstätten verkörpert das, wofür Alex Arnold in die Politik will: für die digitale Generation. Diese zeichne sich durch ein «neues Denken» aus, sagt der Piraten-Präsident. Er spricht von einer jugendlichen Bewegung, die anders funktioniere, die schneller und vernetzter denke, die früh gelernt hat, mit dem Internet und den neuen Medien umzugehen. Die Piratenpartei sieht sich denn auch als politische Vorkämpferin einer längst installierten neuen digitalen Gesellschaft: Für ein freies Internet, den Schutz der Privatsphäre und für mehr Transparenz in Politik und Staat. Es gehe darum, das Internet als wichtigen Platz für Meinungsfreiheit zu verteidigen. Diese Themen haben sich die Piraten auf die Fahne geschrieben. Alex Arnold, der sich selbst als klassischen Computer-Freak bezeichnet, will Computerspiele statt verbieten gar schützen. «Das ist Kulturgut.» Er appelliert an die Eigenverantwortung und an die der Eltern: «Meine Eltern mussten mir die Spielkonsole manchmal auch wegnehmen.»

Der Eichberger hat in seinem Heimatdorf die Verwaltungslehre absolviert und sich später zum Computerspezialisten weitergebildet. Trotz der vielen technisch interessierten Mitglieder bestehe die Partei aber nicht aus einem Haufen Computer-Freaks. Arnold selbst spielte jahrelang Schlagzeug im Musikverein Eichberg und war dort Aktuar. Er sieht die Partei als weitere Alternative zu den etablierten. «Bei uns erhalten Introvertierte eine Plattform.»

Bereits mit dem Gesetz wegen Urheberrechtsverletzung in Konflikt geraten, will er nicht die Piraten-Partei zur Piraterie-Partei machen. Aber er plädiert für neue, alternative Modelle. Unterdessen kaufe er seine Musik online bei iTunes. Im Internet versteigert er zudem gerade seine knapp 200 Exemplare zählende DVD-Sammlung, auf legale Weise.

Richtung noch unklar

Das grösste Problem der Partei dürfte ein anderes werden. Zwar sind die Segel gehisst, Richtung und Ziel liegen aber noch im Nebel. Denn die Partei muss auch zu anderen politischen Themen Stellung beziehen, etwa in der Ausländer- oder der Sozialpolitik. Ein Programm fehlt noch. Die Piraten kommen aus allen Lagern. Ginge es nach Alex Arnold, würde er das Steuer nach Backbord reissen. Er bezeichnet sich als gesellschaftsliberal, politisch eher links. Bei den Nationalratswahlen habe er fast nur Grünliberale, SP und Juso gewählt, vorher aber einige der vielen Studentinnen und Lehrer aussortiert, sagt er und lacht.

Alex Arnolds Blog: www.red-queen.ch

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