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Tagblatt Online, 14. Dezember 2012, 07:46 Uhr

Wie viel Selbstentlastung der Lehrer ist rechtens?

Die St. Galler Lehrerinnen und Lehrer leisten künftig weniger. Sie haben zahlreiche Massnahmen zu ihrer Entlastung beschlossen. Geht das überhaupt? Oder unterlaufen sie damit den Berufsauftrag?

REGULA WEIK

ST. GALLEN. Die St. Galler Lehrerinnen und Lehrer sind verärgert – gehörig und schon länger. In der Septembersession hatte eine Pensenentlastung der Lehrerinnen und Lehrer an den Volksschulen zur Diskussion gestanden. Das Kantonsparlament trat gar nicht erst auf das Anliegen ein – und forderte stattdessen eine neue Besoldungsordnung für die Lehrkräfte. Das wöchentliche Unterrichtspensum hätte um eine Lektion von heute 28 auf 27 gesenkt werden sollen – bei gleichem Lohn.

Klar war damit auch: Eine Pensenentlastung dürfte für längere Zeit aus der politischen Agenda gestrichen sein. Die Lehrerinnen und Lehrer schluckten das nicht und wurden selber aktiv. Am Mittwoch haben sie ein eigenes Entlastungspaket verabschiedet (Ausgabe vom 13. Dezember). Mit dem Ergebnis: Die St. Galler Lehrerinnen und Lehrer werden künftig unter anderem weniger Hausaufgaben erteilen, weniger korrigieren und kontrollieren, die Elterngespräche auf 20 Minuten beschränken, die Prüfungen auf ein Minimum reduzieren.

Individuell auswählen

1906 Stunden soll ein St. Galler Lehrer mit Vollpensum künftig noch arbeiten müssen – so viel wie andere Staatsangestellte auch. «Heute sind es deutlich mehr», sagt Hansjörg Bauer, Präsident des kantonalen Lehrerverbands. Die Entlastungsmassnahmen seien als Vorschläge zu verstehen. «Wir schreiben der einzelnen Lehrerin, dem einzelnen Lehrer nicht vor, was er künftig bleiben lassen soll.» Die Lehrpersonen sollen vielmehr auswählen können – denn: «Es ist nicht überall dieselbe Entlastung sinnvoll», sagt Bauer. Das Paket sei daher «keine Hauruck-Übung».

«Innerhalb des Gesetzes»

Ist es überhaupt zulässig, dass die Lehrerinnen und Lehrer selber definieren, welche Aufgaben sie künftig noch wahrnehmen und welche nicht? Ist keine Zustimmung des Bildungsdepartements notwendig? Bauer verneint. Regierungsrat und Bildungschef Stefan Kölliker sei aber über das Entlastungspaket informiert. Dann fügt Bauer an: «Wir bewegen uns mit den vorgeschlagenen Massnahmen innerhalb des Volksschulgesetzes und des Berufsauftrags – und damit nicht in der Illegalität.»

Lehrerinnen und Lehrer, die sich selber entlasten – wirkt dieses Vorgehen nicht provokant? Bauer weiss darum. «Lehrerinnen und Lehrer können mehr oder weniger arbeiten – wie andere Berufsleute auch. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und vernünftig sind, ist jeder von uns gerne bereit, mehr zu leisten.» Das selber definierte Entlastungsprogramm sei denn auch «ein klares Signal – an die Politiker und an die Bevölkerung». Nach einer Pause: «Wir können uns wehren.»

Berufsauftrag neu definieren

Gleichzeitig hat sich der Lehrerverband eine neue Aufgabe gegeben: Er will bis im Frühling einen Entwurf für einen neuen Berufsauftrag ausarbeiten – und dem Bildungsdepartement abgeben. Sollte dieser in der Pfalz in der Schublade verschwinden, kündigt Bauer bereits weitere Massnahmen an. «Es mangelt uns nicht an Ideen.»



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Leser-Kommentare:
6 Beiträge
gallenblog.wordpress.com (16. Dezember 2012, 20:12)
Bildungsdepartement abbauen

Für was brauchts eigentlich noch ein Bildungsdepartement?
Da herrscht seit Jahren nur noch Stillstand und Nichtstun trotz einem riesigen Heer an teuren Fachleuten.
Da wären die Gelder in den Schulen zur Entlastung der Lehrer besser aufgehoben.

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ith.eduard (16. Dezember 2012, 10:00)
Es kam, wie es kommen musste!

Was mich am meisten ärgert, gar in Rage bringt, ist, dass wir vom Bürgerkomitee «Nein zu HarmoS» genau vor diesem Problem der Überlastung in Folge HarmoS gewarnt haben!

Pardon, aber diese Sturköpfe des KLV - gemeint sind die Herren Bauer und Hofmänner - die auf Teufel komm raus mit allen auch unredlichen (Maulkorb für Lehrerschaft) Mitteln dazu beigetragen haben, dass HarmoS im Kanton SG knapp angenommen wurde, müssten jetzt eigentlich die Verantwortung dafür übernehmen. Nein geradezu frech und arrogant rufen sie zum Angestellten-Ungehorsam auf!

Jetzt reicht’s!
Polizei und Pflegepersonal stehen auch unter zunehmenden Leistungsdruck infolge knappen Personalbestands. Haben auch Überstunden und leisten bei Schichtübergabe sogenannte «Gratisminuten». Aber sie tun ihre Pflicht, trotz zu weil heftiger Kritik aus den Reihen gewisser Politiker, bzgl. Kosten und angebl. ungenügender Effizienz.

Nb: Arbeitsverweigerung ist nicht rechtmässig!

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meloh123 (15. Dezember 2012, 09:47)
Schrottreif

Mit ihrer Selbstbemitleidung und Selbstbeweihräucherung haben die Lehrergewerkschaften - nicht die Lehrer selbst (!) - ihre ganzen Berufsstand in den letzten Jahren bereits arg in Mitleidenschaft gezogen. Mit der jetzt angedachten Arbeitsverweigerung AUF DEM BUCKEL UNSERER KINDER werden sie die Reputation des Lehrerberufs noch ganz an die Wand fahren! Gefordert sind darum die Lehrer, die Spitzen ihrer Verbände (Gewerkschaften) auszuwechseln.

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YES_I_CAN (20. Dezember 2012, 17:05)
Schrottreif?

Ich habe den Eindruck die "Lehrerkritisierer" haben keine Ahnung wovon sie sprechen! Lehrer wollen bessere Bedingungen der Kinder willen! Dass Lehrer teilweise viel arbeiten und sehr belastet sind (nicht umsonst gibt es im Lehrerberuf viele Burnout-Fälle) ist Tatsache. Lehrpersonen die genug Zeit haben um ihre Arbeit seriös zu erledigen, gehen besser auf Kinder und Eltern ein. Da sind die Eltern wie auch die Kinder zufriedener! Die geforderten Entlastungen kommen unseren Kinder zugute!Oder wollt ihr wirklich Lehrer die nur von einem zum nächsten Termin hecheln und keine Zeit haben, um auf die Kinder einzugehen?

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swinnetou (14. Dezember 2012, 14:40)
Wichtig ist, dass die LehrerInnen

das auch wirklich tun. Und auch kommunizieren.

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omega123 (16. Dezember 2012, 13:52)
Berufsstolz

Wenn unsere Lehrer alle so denken, müssen alle ersetzt werden. Erstens wissen Sie anscheinend nicht woher der Lohn kommt, und zweitens, mit so einer Einstellung kann mann keine Kinder Erziehen.Sie sollten mindestens den Stolz haben, und die Kündigung selber schreiben, sind Sie wahrscheinlich nicht der Typ dazu, sonnst bekommen Sie ja nicht sofort Arbeitslosengeld. Richtiger Schmarotzer.

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