Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 10. August 2012 04:33:00

Werdenberg im Opernfieber

Werdenberg - Festspiele Schloss Werdenberg Der Wildschütz Regisseurin Zoom

Regisseurin Barbara Klimo gibt dem Chor letzte Anweisungen. (Bild: Ralph Ribi)

Alle zwei Jahre erlebt Schloss Werdenberg ganz besonderen Trubel, wenn sich der Schlosshof in eine Opernbühne verwandelt. Bis zum 2. September ertönt dort elfmal «Der Wildschütz».

JULIA NEHMIZ

WERDENBERG. Morgen ist es soweit. Morgen abend hebt sich auf Schloss Werdenberg der Vorhang zur Premiere der Oper «Der Wildschütz». Eine ganze Stadt bekennt Flagge. An Buchser Laternenpfählen künden wehende Fahnen vom Freilichtspektakel. Oben im extra überdachten Schlosshof wird fleissig geschafft und geprobt. Dreieinhalb Wochen standen der jungen Zürcher Regisseurin Barbara Klimo zur Verfügung, um mit den acht Solisten und dem 35köpfigen Chor den «Wildschütz» zum Leben zu bringen.

«Es ist lässig mit dem Chor»

«Die Probenzeit war herausfordernd kurz, dafür intensiv», sagt Klimo, die sich ein Jahr auf diese Inszenierung vorbereitete. «Doch es ist einfach lässig, mit diesem Chor zu arbeiten.» Obwohl sämtliche Chormitglieder Laien aus der Region sind, sei «viel möglich, weil es ihnen Spass macht», sagt Klimo. Im Unterschied zu einem Profichor seien die Werdenberger mit Begeisterung bei der Sache und sich auch für Statistenrollen nicht zu schade.

In den improvisierten Garderoben- und Maskenräumen im Palastkeller des Schlosses herrscht emsiges Gewusel. Begeisterung und Spass springen den Chormitgliedern aus allen Knopflöchern. «Für die Proben habe ich vier Wochen Ferien genommen», sagt Peter Sele. Seit «Fidelio» sei er im Chor dabei, sagt er und muss nachrechnen, wie viele Jahre das nun sind. Der 63jährige Vaduzer steht dieses Jahr zum viertenmal auf der Schlossbühne.

Auch Jürg Hitz verbringt seine Ferien auf Schloss Werdenberg. Der 56jährige Grabser ist seit 16 Jahren mit von der Partie: «Wir sind eine gute Clique», zudem mache es Spass, sich in etwas «hineinzuspielen». Das findet auch Silvia Fuchs, die «seit der Zauberflöte» im Chor singt – seit 1990. Früher habe sie ihre Ferien geopfert, sagt die pensionierte Lehrerin. Seit zwei Jahren ist sie zusätzlich in der Direktion der Festspiele und organisiert Unterkünfte für die Gastsolisten.

Tief in der Region verwurzelt

Und das ist eine weitere Besonderheit dieser kleinen Freilichtoper: Keine GmbH steht dahinter, kein Stadt- oder Staatstheater, eine Genossenschaft stellt alle zwei Jahre die Werdenberger Schloss-Festspiele auf die Beine. Intendant Peter Keller, in der festspielfreien Zeit Berufsschullehrer in Buchs, erzählt von den Anfängen der Festspiele, als die Musikschule Werdenberg 1985 den «Wildschütz» im Schlosshof aufführte – mit Erfolg. Ein Jahr später wurde die Genossenschaft gegründet, um weitere Produktionen im Schlosshof realisieren zu können. «Die Werdenberger Schloss-Festspiele sind aus eigenem Bedürfnis und eigener Kraft aus der Region heraus entstanden und gewachsen», sagt Keller. Viele Gönner und Sponsoren, aber auch aktiv Mitwirkende aus dem Rheintal, Liechtenstein, Vorarlberg unterstützen die Festspiele, Fans kommen mittlerweile aus der ganzen Schweiz. Die Solisten wie auch Dirigent Günther Simonott und das gut 45köpfige Orchester sind Profis.

Regisseurin Barbara Klimo gibt letzte Anweisungen: «Kann ich nochmal den Chor haben? Bitte alle auf die Bühne», ruft Klimo vom Regiepult aus. Flink springt sie auf die Bühne und zeigt Bariton Hermann Kiebacher alias Graf von Eberbach, wie energisch er etliche Chormitglieder alias das Volk beiseite schieben soll. «Das Ganze nochmal ab <Lasset uns nach Hause gehen>, bitte», ruft Klimo, und Chor und Solisten stürzen sich erneut in die letzte Szene des ersten Aktes. Damit morgen abend die Premiere perfekt über die Bühne geht.

Informationen und Tickets unter www.schlossfestspiele.ch oder www.starticket.ch



Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

Gesucht: Sonntagsfahrer

Gesucht: Sonntagsfahrer

facebook.com / tagblatt

 ...