Tagblatt Online, 06. August 2012 20:43:00
«Von weitem die Blaulichter gesehen»
Das Flugzeug landete in einem Maisfeld. (Bild: Rudolf Hirtl)
ALTENRHEIN. Am Montag um 15.40 Uhr schoss ein Passagierjet über die Landebahn des Airports St.Gallen-Altenrhein hinaus. Die drei ausländischen Insassen blieben unverletzt. Wenige Sekunden zuvor hatte ein Linienbus die Unfallstelle passiert.
Rudolf Hirtl/Andrea Sterchi
Gestartet ist das leichte Geschäftsreiseflugzeug des brasilianischen Flugzeugherstellers Embraer mit marokkanischem Kennzeichen in Genf. Um 15.40 Uhr setzte es zur Landung auf dem Airport St.Gallen-Altenrhein an. Aus noch ungeklärten Gründen gelang es dem Piloten nicht, das Flugzeug auf der regennassen Piste rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Die siebenplätzige Embraer Phenom 300 durchbrach einen massiven Drahtzaun und kam hundert Meter weiter in einem Maisfeld stark beschädigt zum Stillstand. Die Airport-Feuerwehr rückte sofort aus. Verstärkt wurde sie wenig später von der Feuerwehr Thal. Die rund 40 Einsatzkräfte haben laut Armin Unternährer, Geschäftsführer des Airports St.Gallen-Altenrhein und der People's Viennaline, sofort die Batterien des Flugzeugs abgehängt und einen Schaumteppich ausgelegt, um zu verhindern, dass das ausgelaufene Kerosin durch Funkenflug Feuer fängt.Bilderstrecke: Flugunfall Altenrhein
Beim Flugfeld Altenrhein ist am 6. August ein kleines Passagierflugzeug über die Landebahn hinaus gefahren. Der Pilot, der Co-Pilot und ein Passagier blieben unverletzt. (Bilder: Rudolf Hirtl/Leserreporter Josef Böck)
Insassen nicht verletzt
Pilot, Co-Pilot und die Passagierin aus Frankreich kamen mit dem Schrecken davon. Sie blieben unverletzt und wurden nach dem Unfall im Airport betreut. Zur genaueren Herkunft der Insassen wollte die Airport-Führung keine weiteren Angaben machen. Sicher ist hingegen, dass die Maschine gestern zum ersten Mal in Altenrhein landete. Ob dies auch für den Piloten gilt, ist nicht bekannt. Grosses Glück hatten acht bis zehn Personen, die Sekunden zuvor auf dem Rheinholzweg im Rheintalbus die Unfallstelle passierten.
Was zum Unfall geführt hat, ist derzeit noch nicht bekannt. «Die Verhältnisse auf der Piste waren trotz Regens normal», sagt Armin Unternährer. Mehr könne er dazu nicht sagen. «Alles weitere wäre nur wildeste Spekulation.»
Flugverkehr nicht behindert
Experten des Bundesamtes für zivile Flugsicherheit müssen nun das Flugzeugwrack untersuchen. Bis sie damit fertig sind, darf die Maschine nicht geborgen werden. Nach dem Unfall stellte der Airport den Flugverkehr während eineinhalb Stunden ein. Weil die verunglückte Maschine ausserhalb des Airport-Geländes zum Stehen kam, konnte die People's Viennaline dennoch pünktlich um 17.15 Uhr zum Flug nach Wien starten.
Airport- und Airline-Besitzer Markus Kopf zeigte sich erleichtert darüber, dass keine Menschen zu Schaden kamen, räumte aber auch ein, ordentlich erschrocken zu sein. «Ich habe Bekannte von mir zum Airport gebracht. Auf der Anfahrt habe ich schon von Weitem die Blaulichter gesehen. Ich war enorm erleichtert, als ich erkannt habe, dass es sich nicht um unsere Maschine handelt.»
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