Unheimeliges aus Husers Häusern

Mehrere Rheintaler werfen dem Architekten, Kantonsrat und St.Galler SVP-Kantonalpräsident Herbert Huser ein fragwürdiges Geschäftsgebaren vor. Als selbstherrlicher und streitbarer Unternehmer sei er "charakterlich und fachlich" für die Regierung nicht geeignet.

03. Februar 2016, 06:13
MARCEL ELSENER/ ANDRI ROSTETTER/ REGULA WEIK

"Wohnpark Sonnenzeit" nennt sich die Überbauung am Stadtrand von Altstätten mit schöner Talsicht. Es ist der Wohn- und Bürositz des Architekten und SVP-Kantonsrats Herbert Huser, der derzeit zum zweitenmal für einen Sitz in der St.Galler Regierung kandidiert. Die 2007 erstellte "Sonnenzeit" mit zehn Wohnungen gehört zu Husers Vorzeigebauten, doch selber wird er nicht mehr lange dort wohnen.

"Wenn er auszieht, machen wir ein Fest", sagt Werner Oberholzer. Gemeint sind alle Mitbewohner – ausser Huser und seine Gattin. Denn gefeiert wird nicht der Bauherr, sondern dass er endlich weg ist. Der Grund sind langjährige Streitigkeiten: Es stinkt im Haus, buchstäblich wegen Husers Alpakas, aber auch im übertragenen Sinn. "Dank Herbert Huser musste ich zum ersten Mal in meinem Leben vor Gericht gehen", sagt Oberholzer mit bitterer Ironie. Er ist nicht der einzige, der mit Huser zerstritten ist – mittlerweile sind es alle Mitbewohner.

Zahlreiche Auseinandersetzungen

Dabei war Oberholzer, ehemaliger Altstätter FDP-Gemeinderat, zunächst Hausverwalter. Wegen Unstimmigkeiten warf er nach kurzer Zeit den Bettel hin. Ein Streitfall betraf den Passepartout für die Wohnungen und sonstigen Räume im Haus, den Huser trotz Beschluss der Stockwerkeigentümer nicht zurückgab (und dies bis dato nicht getan hat). Als Oberholzer eines Tages in seinem Keller am Handwerken war, stand unvermittelt ein junger Mann in der Tür – kein Einbrecher, sondern ein Lehrling, der Husers Winterpneus suchte. Daraufhin liess Oberholzer den Zylinder auf Kosten des Bauherrn auswechseln. Die strittige Rechnung führte zu einer Betreibung durch Huser und letztlich vor Kreisgericht.

Ebenfalls den Keller betraf ein zweiter Streit: Aufgrund eines zugesicherten, dann aber durch einen Boden im Garten abgedeckten Lichtschachts klagte Oberholzer bis vor Kantonsgericht, und er bekam recht. "Huser erfüllte den Vertrag nicht." Auch dies kein Einzelfall. So habe er die im Haus "zähneknirschend akzeptierten" Alpakas von zwei auf fünf und folglich auch "Gestank und Sauerei" vermehrt. Im Pachtvertrag sei die Haltung von Alpakas vereinbart – "ohne Zahlenangabe", hält Herbert Huser dagegen.

Stets schlechte Wahlergebnisse

Kleinigkeiten? Möglich, aber in ihrer Summe Grund für anhaltenden Ärger. Und wohl eine Erklärung, warum der Politiker in seiner Wohngemeinde Altstätten und im Rheintal bei Wahlen stets auf hinteren Plätzen landet. Bei den Regierungswahlen 2010 trat Huser gegen Beni Würth an, mit klarem Ergebnis: Würth wurde mit fast 60 Prozent der Stimmen gewählt, Huser kam auf 39 Prozent. Bei den Kantonsratswahlen 2012 erzielte Huser das zweitschlechteste Resultat der Bisherigen der Rheintaler SVP, in Altstätten lag er auf Platz vier seiner Partei. Ein Rheintaler Parteikollege sagt dazu trocken: "Die Einheimischen kennen ihn zu gut."

Huser sei "frech, arrogant und selbstherrlich", sagt Werner Oberholzer. "Man darf ihm nicht einmal den Fingernagel des kleinen Fingers geben…" Vorwürfe, die auch andere Kunden Husers machen. So das Bernecker Ehepaar Werner Indermaur und Anna Heldstab, das 2007 in der Widnauer Überbauung Sternabrugg eine Wohnung kaufte. Schon während der Bauzeit mit fünf verschiedenen Bauleitern ("sagt auch einiges") hätten sich unerfreuliche Änderungen und Mängel abgezeichnet, erzählt Indermaur. Wegen nicht behobener Mängel behielt er eine Zahlung zurück, worauf Huser mit einer Betreibung reagierte – Indermaurs erste überhaupt – und der Streit mit Klage und Widerklage vor Gericht eskalierte. Der Zwist wurde mit einem Vergleich und gegenseitigen Zugeständnissen beigelegt.

Doch Indermaurs Ärger ist nicht verflogen: "In meinem Beruf als technischer Kaufmann habe ich im Ausland oft anspruchsvolle Verhandlungen geführt, aber immer eine Lösung gefunden. Einen derart störrischen und uneinsichtigen Gesprächspartner wie Herbert Huser habe ich noch nie erlebt."

Der Regierungskandidat, der laut Wahlwerbung "St.Gallen als bürgerfreundlichen Kanton stärken will", kann fallweise sehr bürgerunfreundlich werden, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Oberholzer wie Indermaur sagen übereinstimmend, dass Huser bei Konflikten oft mit Einschüchterungen oder gleich mit Betreibungen und Klagen vorgehe. Ein streitbarer Mensch, der einen in die Enge treibe, bis man "die Faust im Hosensack macht oder zu einer Klage greift".

Unliebsame Erfahrungen mit dem SVP-Politiker hat auch Daniela Sieber gemacht. Die Rechtsanwältin und Mediatorin wohnte in der Huser-Überbauung Lindenpark in Widnau; sie ist inzwischen in die Innerschweiz gezogen. Huser gehe "von oben herab" mit den Leuten um, sagt sie. "Wer ihm nicht mit massivem Gegendruck begegnet, wird überrannt."

"Als Regierungsrat ungeeignet"

Das fragwürdige Geschäftsgebaren Husers beschäftigt auch Karl Stadler. Der Altstätter Unternehmer (SFS, Polygena) und ehemalige CVP-Kantonsrat betont, mit Huser "keine persönliche Fehde" zu haben, aber aufgrund "eigener Erfahrungen und Beobachtungen" zu wissen, dass der Mann "nicht gewählt werden darf". Stadlers eigenes Beispiel betrifft eine Vermietung Ende der 1990er in Altstätten: "Mir wurde noch nie eine Mietwohnung in einem solch schlimmen Zustand abgegeben wie jene an der Marktgasse, in der Herbert Huser gewohnt hatte." Treppengeländer, Böden, Kühlschrank und anderes mussten für Tausende Franken saniert oder ersetzt werden. "Huser hatte null Respekt vor Materialien und Werten, und das als Architekt." Dass die Rücksichtslosigkeit das "eigene Arbeitsgebiet" betreffe, sei bezeichnend für das inakzeptable Verhalten. Huser dagegen spricht von "einem Parkettschaden aufgrund eines defekten Kühlschranks während unser Ferienabwesenheit". Und: "Selbstverständlich ist der Schaden von der Haftpflichtversicherung gedeckt worden."

Als gut vernetzter Unternehmer hat Stadler Kenntnis von Husers langer Liste von Ungereimtheiten und Streitigkeiten. Stadler sieht in ihm einen "Opportunisten mit einer falschen Politik" und begründet dies mit dem "grenzwertigen Umgang mit Verfahren und Bewilligungen" und dem Bezug von günstiger Ware aus dem Ausland (wie österreichischen Fenstern). "Ich bin sehr für Freihandel, aber im Bauwesen braucht es verlässliche lokale Partner, bei denen es nicht nur um den billigen Preis geht." Huser entgegnet: "Die Aufträge für unser Haus gingen ausschliesslich an Schweizer Firmen." Dies lasse sich anhand der Werkverträge lückenlos belegen.

Huser richte sich stets gegen die Behörden, meint Stadler. "Und jetzt will er selber Behörde werden. Doch jemand, der nicht partnerschaftlich mit verschiedenen Interessengruppen politisieren kann, hat keine Basis für die Regierung." Stadler folgert: "Huser ist charakterlich, fachlich und von der Einstellung her nicht geeignet für die Regierung." Der ehemalige IHK-Vizepräsident Stadler schüttelt ob der Unterstützung von Huser durch die Wirtschaftsvereinigung den Kopf. "Obwohl mir klar ist, dass die IHK nur Bürgerliche unterstützt." Die jüngste Huser-Episode, die Stadler sauer aufstiess, war die Wahl von Räumen im St.Galler Nobelhotel Einstein für die Sitzungen der kantonsrätlichen Baukommission. "Dabei weiss ich als früherer Kantonsrat, dass der Kanton genügend eigene Sitzungsräume hat." Huser pflege als Kommissionspräsident auch in diesem Fall seine "typische Häfeli-Deckeli-Politik". Aus seinem Umfeld heisst es, er habe "einem guten Steuerzahler etwas zurückgeben wollen". Das Einstein gehört dem St.Galler Unternehmer Max Kriemler, der Huser wohl gern im Baudepartement sähe.

Huser gibt sich über all die Vorwürfe nicht überrascht: "Es wundert mich nicht, dass einige Leute, die mich seit Jahren auf jede erdenkliche Art zu bekämpfen versuchen und bisher nichts als Rückschläge einstecken mussten, genau jetzt diese 'Kampagne' starten."

Das Axpo-Manöver

Huser weiss allerdings selber gut auszuteilen. Erinnert sei an sein Täuschungsmanöver im Streit um die Spital-Standorte. Er warf der Regierung "Arbeitsverweigerung" vor, weil sie seinen Vorschlag für einen Spital-Neubau auf dem Axpo-Gelände in Rüthi nicht prüfen wollte. Nur: Die Axpo hatte längst abgesagt, sie sei an einem Verkauf nicht interessiert. Huser wusste davon, tat aber weiterhin so, als sei das Gelände zu haben. Im Februar 2014 griff er im Parlament die Regierung frontal an: "Es reicht, dass Teile der Regierung und der Verwaltung eine Hypothek für diesen Kanton sind. Ich bin froh, dass ich nicht Teil dieser Hypothek bin."

Umstrittene Bauten

Husers Architekturbüro, das 15 bis 20 Leute beschäftigt, hat keinen schlechten Ruf. Auf der Referenzliste figurieren auch Gewerbebauten wie die Lehrstätte des Autogewerbes in St.Gallen, ein Waffengeschäft in Altstätten und eine Fahnenfabrik in Sevelen. Doch immer wieder sind Husers Bauprojekte umstritten: In Altstätten etwa der Umbau des Gaiserbahnhofs oder die Felsenburg, von der Lokalzeitung einst "Burg des Grauens" betitelt. "Er ignoriert nicht nur die Einsprechenden und sucht Lücken in den Vorschriften, sondern schenkt 450 Unterschriften der Petition 'Rettet die Felsenburg' keine Beachtung", ärgerte sich ein Leserbriefschreiber. "Huser beweist, dass er es liebt, Extrempositionen einzunehmen und diese durchzuboxen, ohne Rücksicht auf Verluste für seine Mitmenschen."

Dass Huser seine Projekte auch gegen Vorschriften durchboxt, zeigt das Beispiel Berneck. Dort genehmigte der Gemeinderat im November ein zweites Baugesuch für die Überbauung "Rebenblick": 50 Quadratmeter des Baus entsprachen nicht den ursprünglichen Plänen und mussten im Nachgang bewilligt werden. Auch beim erwähnten Gaiserbahnhof hatte Huser diverse Details aus den offiziellen Bauplänen nicht eingehalten. Huser hält sec fest: "Wenn es Abweichungen vom bewilligten Projekt gibt, werden diese in Form eines Nachtraggesuchs zur Genehmigung eingereicht. Dies ist ein ganz normaler und vollkommen üblicher Vorgang."

"Wie naiv kann man sein?"

Selbst wenn man Huser keine Bösartigkeit unterstellen wollte, entsteht der Eindruck einer Person, die unzimperlich den eigenen Vorteil sucht und einen lockeren Umgang mit der Wirklichkeit pflegt. Und die zuweilen mit einer geradezu kindlichen Unbekümmertheit operiert. "Wie naiv kann man eigentlich sein?", fragte Kantonsrichter Luzius Eugster, als Huser wegen Schwarzzahlungen beim Verkauf von Einfamilienhäusern um 1985 und schweren Steuerbetrugs angeklagt war. Das Kantonsgericht reduzierte 1998 zwar das Urteil des Bezirksgerichts Werdenberg, doch wurde der damals 42-Jährige wegen Erschleichung einer Falschbeurkundung zu 14 Tagen Gefängnis bedingt verurteilt.

Nun zieht Huser mit seinen Alpakas wieder einmal um. In Eichberg baut er auf einem Grundstück seines SVP-Kantonsratskollegen Walter Freund ein Wohnhaus. Weil der Boden in der Landwirtschaftszone liegt, verursachte das Bauvorhaben des Nicht-Landwirts Stirnrunzeln. Doch ist das Land laut Auskunft der Gemeinde rechtmässig "abparzelliert" worden.

In jüngster Zeit ist Huser auffällig unauffällig geworden. Er tritt moderat und betont freundlich auf. Prompt kursiert ein Witz: "Warum gibt es im Rheintal keinerlei Kreide mehr? – Weil Huser alle gefressen hat."


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