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Tagblatt Online
22. Dezember 2015, 18:06 Uhr

Kinderpornographie an der Schule: Teenager verurteilt

Im Schulhaus Grossacker wurde ein Kinderporno geteilt. Zoom

Im Schulhaus Grossacker wurde ein Kinderporno geteilt.

ST.GALLEN. Die Staatsanwaltschaft St.Gallen hat ihre Untersuchung betreffend eines Pornos im Schulhaus Grossacker abgeschlossen. Eine minderjährige Person wurde wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt.

Michel Burtscher

Die Schulleitung der Primarschule Grossacker in St.Gallen hatte die Kantonspolizei St.Gallen Ende Oktober informiert, dass in einer WhatsApp-Gruppe ein Video mit mutmasslich kinderpornographischem Inhalt aufgetaucht sei. Die Kantonspolizei St.Gallen nahm daraufhin in Zusammenarbeit mit der Jugendanwaltschaft des Kantons St.Gallen die Ermittlungen auf. Die Untersuchung ist nun abgeschlossen, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag in einer Mitteilung schreibt.

Video fällt unter Tatbestand der Pornographie
Im rund 20 Sekunden dauernden, im Freien in einem Treppenabgang aufgenommenen Kurzfilm sind laut Mitteilung zwei unter 16-jährige Knaben zu sehen, die mit "kopulierenden Bewegungen" Geschlechtsverkehr simulieren. Beide Knaben sind bekleidet und stehen hintereinander. Der hinten stehende Knabe greift dem anderen Knaben unter dem T-Shirt mit beiden Händen an die Brust. "Dabei dringt er zum Schein mit seinem Glied in dessen After ein", heisst es in der Mitteilung weiter. Am Ende des Kurzfilmes ist kurz das Glied des hinteren Knaben zu sehen. Ferner ist erkennbar, dass der vordere Knabe die Hose und Unterhose unter die Pobacke hinuntergezogen hat.

Wo das Video aufgenommen wurde, habe man nicht herausgefunden, sagt Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Auch wer die beiden Knaben sind, konnte nicht geklärt werden. Klar ist aber, dass die beiden unter 16 Jahre alt sind. "Das ist offensichtlich, wenn man das Video sieht", sagt Dobler.  Die Jugendanwaltschaft des Kantons St.Gallen kam deshalb zum Schluss, dass der Kurzfilm sexuelle Handlungen unter Minderjährigen darstellt und deshalb unter den Tatbestand der Pornographie nach Artikel 197 des Strafgesetzbuches fällt.

Zur Arbeitseinsatz verurteilt
Die Kantonspolizei St.Gallen konnte eine jugendliche Person ermitteln, die den Kurzfilm besass und anderen Kindern und Jugendlichen über WhatsApp schickte. Nähere Angaben zu der verurteilten Person macht die Staatsanwaltschaft nicht. "Zu Geschlecht, Alter oder Wohnort geben wir mit Rücksicht auf das Kindswohl und aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine Auskunft", sagt Dobler. Auch ob die minderjährige Person im Grossacker zur Schule geht, will der Mediensprecher nicht sagen.

Wie die oder der Minderjährige ans Filmchen gekommen ist, sei nicht klar. Die Videoqualität ist nicht sehr hoch. "Über die Herkunft kann nur spekuliert werden." Die Kantonspolizei hat gemäss Dobler aber herausgefunden, dass das Video im vergangenen Jahr schon in anderen Kantonen aufgetaucht ist. Die minderjährige Person wurde zu einem Arbeitseinsatz zugunsten einer sozialen Einrichtung wie einem Altersheim oder einer Behinderteneinrichtung verurteilt.

Die Schüler sensibilisieren
Dass dieses Urteil nun andere Schülerinnen und Schüler abschrecken könnte, glaubt Marlis Angehrn, die Leiterin des Schulamtes der Stadt St.Gallen, nicht. Der aktuelle Fall sei situativ mit den Kindern und Jugendlichen thematisiert worden. Das reiche aber nicht: "Sie müssen eine Medienbildung erfahren, die auch beinhaltet, sich abzugrenzen, zu wissen, wo man nein sagen darf oder auch nein sagen muss", sagt Angehrn. "Als wichtig erscheint uns zudem, den Mut zu haben, nicht wegzusehen und Vermutungen nicht unter den Teppich zu kehren, sondern sie zu benennen und die Eltern angemessen zu informieren."


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diethelm (25. Dezember 2015, 11:37)
Ich wüsste immer noch gerne,

wie man reagieren soll, wenn man ein Gerücht über Kinderpornos hört. Man darf ja offenbar nicht einmal kurz hineinschauen, um sich zu vergewissern, worum es geht, weil man sich da schon strafbar macht. Und jemanden nur auf ein Gerücht hin anzuzeigen, ist auch so eine Sache. Wenn es nicht stimmt, kann man sich vielleicht selbst strafbar machen (Irreführung der Rechtspflege etc), oder jemand gerät in grosse Probleme, bis der Verdacht ausgeräumt ist.
Leider hat sich die Polizei bisher nicht dazu geäussert, wie man vernünftigerweise in so einer Situation handelt, und das St. Galler Tagblatt ist auch nicht bereit, dieser Frage nachzugehen, trotz mehrfacher Aufforderung.

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MitdenkerSG (24. Dezember 2015, 14:27)
Unwahr ist...

Dass die Staatsanwaltschaft und die Schulleitung den Jugendlichen nun empfiehlt sich, wenn schon Erwachsenen Porno's "reimzuziehen", es ist ja erwiesen ein wie hoher Prozentsatz von 11 jährigen dies bereits schon tun. Dort geht es dann nur noch um den Straftatbestand "wer hat den Minderjährigen das Material zur Verfügung gestellt" und anschliessend wird dann Herr Internet und Frau Google zum rasenmähen verurteilt.
Es findet statt so oder so, entscheidend ist einzig und allein ob und welcher Erwachsene zusammen mit welchen Behörden was für ein Medientheater veranstaltet um das Thema "warm zu halten" und die noch schlafenden Jugendlichen zu wecken, es auch zu tun, denn: "Alles was verboten ist ist doch interessant!" Das war bei uns schon vor 40 Jahren so und hiess damals "auf der Alm da gibts koa Sünd" ab 18 Jahren und heute lachen die Kits im Vorabend TV Programm darüber. Interessant wars nicht wirklich und eigentlich nur weil verboten..

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Bangkoker (22. Dezember 2015, 12:07)
Aufklärung

Wie wäre es, wenn man die Bildungseinrichtungen auch verurteilt, weil es keine richtige Aufklärung zu diesen Themen gibt?

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alphacentauri (22. Dezember 2015, 16:55)
Bangkoker....

Blauäugig finde ich das. Die Jungs die sind besser informiert und aufgeklärt als wir Erwachsenen.

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Salix (22. Dezember 2015, 18:15)
Was heisst schon "Aufklärung"?

Alphacentauri: Sie scheinen eine sehr eng sexuelle Auffassung von "Aufklärung" zu haben. Natürlich wissen die heutigen Jugendlichen schon so ziemlich "alles". Zur Aufklärung gehörte jedoch auch noch vieles andere: Hygiene, Kinderschutz, rechtliche Aspekte, Respekt, Treue, Liebe, auch sexuelle Neigungen und ihre Bedeutung. Solches kommt in den zirkulierenden Filmchen kaum vor. Genau diese Themen können aber, "dank" rechtskonservativer Opposition gegen Sexualkunde in der Schule, wenn überhaupt, nur sehr eingeschränkt angesprochen werden. Dabei wäre das höchst notwendig und wirksam. Die Sexualkunde auf den Biologieunterricht ab Sekundarstufe beschränken zu wollen, offenbart ein ziemlich triebhaft tierisches Sexualverständnis ohne menschliche Dimension. Ein Armutszeugnis.
Felix Sachs

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