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Tagblatt Online, 14. September 2011 01:05:33

So versteht die FHS Bildung

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Sebastian Wörwag, Rektor Fachhochschule St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Fachleute attestieren der Fachhochschule St. Gallen: Ihre Absolventen können sich bestens in der Praxis, in der Berufswelt behaupten. Doch reicht das? Am ersten Schweizer Bildungsforum geht die Hochschule dieser Frage nach.

Regula weik

St. Gallen. Die FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hat eine Profilanalyse erstellen lassen. Dabei sticht ein Prädikat hervor: praxisorientiert. Das deckt sich mit den Erfahrungen Ostschweizer Unternehmen, welche Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschule engagieren. Nun könnte sich die Schule zufrieden zurücklehnen. Tut sie aber nicht. Der Anspruch von Rektor Sebastian Wörwag ist klar: «Es reicht nicht, wenn wir die Studierenden für einen guten Berufseinstieg qualifizieren. Praxisorientierung ohne Reflexion ist zu wenig; da fehlt etwas.» Auf letzteres will Wörwag ein Augenmerk legen und der Frage nachgehen: «Was verstehen wir unter Hochschulbildung?»

Studium in Häppchen

FHS-Absolventen müssten lösungsorientiert und selbständig sein. Sie müssten fähig sein, die Praxis vor dem Hintergrund wissenschaftlich fundierter Theorien kritisch zu hinterfragen. Und sie müssten kreativ sein, Impulse geben, Innovationen lancieren und nicht nur gute Umsetzer sein.

Was bei dieser Aufzählung des Rektors auffällt: Er betont Eigenständigkeit, Kreativität, Verantwortung, Weitblick und Querdenken. Das kommt nicht von Ungefähr. Wörwag ist kein uneingeschränkter Bologna-Anhänger. Das System habe nebst vielem Guten zu einer «Fragmentierung des Studiums» geführt – «alles wird in Häppchen, sprich Modulen, serviert». Und das Punktesystem schaffe kein gesundes Anreizsystem. Selbstkritisch meint er: «Die Rahmenbedingungen sind mit Bologna definiert, doch das alleine reicht nicht. Die Fachhochschulen sind junge, innovative Gebilde. Es sollten von ihnen auch Impulse für eine moderne Hochschullehre ausgehen.»

Forum zum Thema

Wörwag will daher Bilanz ziehen und Denkanstösse für eine neue Hochschulbildung geben – mit dem Schweizer Bildungsforum, welches die Fachschule St. Gallen Ende Oktober organisiert. «Im Zentrum steht ein aufgeklärtes Menschenbild», sagt Wörwag, «Studierende müssen neugierig, sinn- und vorwärtsstrebend und bereit sein, immer wieder neu anzusetzen und bisher Unbekanntes auszuprobieren.» Dasselbe gelte auch für die Dozierenden – und für alle vier Abteilungen der FHS St. Gallen, Wirtschaft, Technik, soziale Arbeit und Gesundheit.

Anders als andere

Was Wörwag vorschwebt: dass FHS-Absolvent zu einer nationalen Marke wird – «und St. Galler Absolventinnen und Absolventen sich durch ihr Auftreten, ihr Denken, ihre Handlungskompetenz von anderen Hochschulstudierenden abheben und unterscheiden».

Neues Lehrangebot

Sind diese Überlegungen zu Lehre und Bildung blosses Gedächtnistraining? Die definierten Kernkompetenzen eines FHS-Studierenden reine Fingerübung? Der Rektor winkt ab. «Diese Gedanken und Zielsetzungen sollen systematisch und strukturiert in das Tun von Studierenden und Dozierenden einfliessen.»

Die Fachhochschule beginnt damit nicht bei null. Einiges wurde bereits unternommen oder läuft seit Jahren. Etwa das Projekt Blickwechsel; Studierende erhalten Einblick in einen «fachfremden» Berufsalltag. Die gemeinsamen Praxisprojekte mit der Tonjii-University in Shanghai, bei denen es auch um Sozialkompetenz in interkulturellen Teams geht. Oder die Praxisprojekte im Rahmen des WTT Young Leader Award, bei denen die Studierenden Engagement und Belastbarkeit im Berufsalltag «real» erfahren. Wörwag nennt zwei weitere, konkrete Ansätze: Die Fachhochschule St. Gallen ist dabei, ein neues, fächerübergreifendes Lehrangebot mit breiter Allgemeinbildung zu schaffen; im Schuljahr 2013/2014 wird damit gestartet. Und schliesslich wird das Zentrum für Hochschulbildung weiter etabliert; die gesamte Weiterbildung für Fachhochschuldozenten soll künftig darüber laufen.

Schweizer Bildungsforum: Brauchen Fachhochschulen ein neues Bildungsverständnis? Dienstag, 25. Oktober, 17.30 Uhr, Pfalzkeller St. Gallen. Es referieren unter anderem: Rudolf Strahm, Präsident Dachverband Weiterbildung; Nationalrätin Kathy Riklin, Universitätsrätin Zürich; Ständerat Hans Altherr, Präsident FHS-Hochschulrat und Industrieverein Ausserrhoden. Anmeldeschluss ist 18. Oktober. www.fhsg.ch/bildungsforum



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