Tagblatt Online, 13. Juli 2012 11:32:00
Schulfranzösisch in der Ostschweiz? Oui, mais plus tard
Für einige Schüler mehr Qual als Freude: Französisch an der Primarschule. (Bild: Archiv/Keystone)
ST.GALLEN. In der Ostschweiz sollen Kinder nicht mehr ab der 5. Klasse, sondern erst in der Oberstufe in Französisch unterrichtet werden: Das empfehlen die Mittelstufenkonferenzen aus sechs Kantonen der Erziehungsdirektorenkonferenz in einem Schreiben zum Lehrplan 21.
Die Praxis zeige, dass zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe das System noch immer überfordere, heisst es im Schreiben von Mitte Juni, das der Nachrichtenagentur sda vorliegt. Die Stundentafel als Ganzes richte sich zu stark an den kognitiven und sprachlichen Fächern aus und lasse heute für den musischen Bereich wenig Platz. «Es ist daher sinnvoll, wenn der Französischunterricht erst in der Oberstufe beginnt»: Das empfehlen die Präsidentinnen und Präsidenten der Mittelschufenkonferenzen der Kantone Zürich, Thurgau, St.Gallen, Appenzell Innerrhoden, Schwyz und Glarus.Weiter harmonisieren
Stefan Birchler, Präsident der Thurgauer Mittelstufenkonferenz, sagt, diese Empfehlung habe das informelle Gremium Mittelstufe-Ost im April dieses Jahrs an einer Sitzung zum Lehrplan 21 einstimmig beschlossen. Gemäss Stefan Birchler hat der Lehrplan 21 auch zum Ziel, den Unterricht in den Kantonen weiter zu harmonisieren. Der Französischunterricht auf der Mittelstufe (4. bis 6. Klasse) werde heute unterschiedlich praktiziert: Im Thurgau gibt es zwei Lektionen à 45 Minuten, in St.Gallen drei Lektionen à 50 Minuten, Innerrhoden verzichtet ganz. Das sei möglich, weil die Gestaltung der Stundentafel in der Hoheit der Kantone sei, sagt Birchler. Im Übrigen seien viele Schülerinnen und Schüler damit überfordert, in der 5. Klasse schon zwei Fremdsprachen zu lernen. Kinder mit Migrationshintergrund müssten gar drei Fremdsprachen «büffeln».
Widerspricht Harmos
Der St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker ist Präsident der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtensteins (EDK-Ost). Er antwortet den Mittelstufenkonferenzen in einem Brief, es sei unmöglich, das Fach Französisch aus der Stundentafel der Primarschule zu streichen.
Das Harmos-Konkordat besage, so Kölliker, dass die erste Fremdsprache spätestens ab der 3. Klasse der Primarschule, die zweite Fremdsprache spätestens ab der 5. Klasse der Primarschule unterrichtet werden müsse. Diese Regelung sei eine verbindliche Vorgabe zur Erarbeitung des Lehrplans 21, so der SVP-Politiker.
Birchler sagt, der Französischunterricht sei in der Ostschweiz momentan regelmässig Gegenstand der politischen Diskussion. So gibt es Bestrebungen, lernschwache Oberstufen-Schülerinnen und -Schülern vom Französisch zu dispensieren. Bei der Erarbeitung des Lehrplans 21 will sich die Mittelstufe-Ost darum einbringen, sagt Birchler. (sda)
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Kommentare lesen
unangan (16. Juli 2012, 18:38)
@schwizer
Dein Votum:, "fact ist, dass Englisch nun mal eine Weltsprache ist" ....das doofe Franzoesisch!"
Beitrag kommentierenNa..dann Du schwizer...grins..
Wir sind nun mal ein mehrsprachiges Land und wenn Du französisch als "doff" bezeichnest... bist Du wohl als "Sprachbannause" zu bezeichenen.
Selbstverständlich ist die englische Sprache eben so wichtig wie sämtliche Landessprachen.
Doch... sei kein Schaumschläger" der keine französichen Kenntnisse hat.
Die Schweiz mit verschiedenen Sprachen ist eine Einheit.
Oder vielleicht anders ausgedrückt:, fahre nach Paris und frag in deutscher Sprache nach irgend einem Ort, den Du "schwizer" suchst... grins...
ohne ein bisschen französisch werden dich die Franzosen anlächen.. mit der Frage: parle fanchiche...???..
und eben nicht sprachlich gerecht geschrieben...eben...ohne Französisch, kein Verständnis in Frankreich.. oder Geneve.. smile...
schwizer (15. Juli 2012, 08:56)
Vergesst endlich...
...das doofe Franzoesisch! Klar ist es ein Teil unserer viersprachigkeit - fact ist, dass Englisch nun mal eine Weltsprache ist, Computer Programme nun mal in Englisch gschrieben werden und dass sich Schweizer auch im Ausland am liebsten in Englisch mit dessen Landesleuten unterhalten. Alte Zoepfe sollen endlich abgeschnitten werden - dies gilt auch fuer die Bundesverwaltung die sich auch heute immer nur noch Leute aussucht die fliessend eine andere Landessprache sprechen! Dafuer bietet man selbst Dokumente in Englisch an - wie z.B Heirats Urkunde, Gebutsschein, Totenschein, Strafregisterauszug etc.
Beitrag kommentierenith.eduard (14. Juli 2012, 10:38)
HARMOS IN DER BANKROTTERKLÄRUNG
Vor genau vier Jahren führten wir vom Komitee Nein zu HarmoS die Tatsachen ins Feld, welche gegen einen Konkordatsbeitritt des Kantons St. Gallen sprachen. Eine davon ist genau das Thema um die Fremdsprachen mit Beginn in der Primarstufe!
Beitrag kommentierenNun kommen dieselben «pädagogischen Intelligenzen», die uns damals Unwahrheiten, Scharfmacherei und Inkompetenz an den Kopf geworfen haben und müssen eingestehen, dass sie mit ihrem Bildungsgrössenwahn nun Schiffbruch erleiden! Eine ganze Seite hatte er im Tagblatt erhalten, der Ex-Bildungschef Hans Ulrich Stöckling, um seine Behauptungen einseitig darstellen zu können. Über das Komitee Nein zu HarmoS sind Tagblatt-Journalisten nur so her gezogen. So u.A. auch Cecilia Hess-Lombriser in der Wiler Zeitung zum Podium in Kirchberg.
Und heute? Ja da sind sind sie alle kleinlaut geworden, denn wer gesteht schon gerne öffentlich ein, dass seine / ihre Behauptung wohl falsch waren und sind?
Stadtfuchs (14. Juli 2012, 05:58)
Dass nun wieder Kinder mit Migrationshintergrund...
dermassen in die Studie mit einbezogen werden bzw diese Studie so sehr beeinflussen, finde ich schlecht. Meine Meinung: Bis zur Einschulung sollte jedes Kind (inkl Eltern) Schweizerdeutsch verstehen und sprechen können. Ich bin selbst als 14 Jährige in die Schweiz gekommen und bekam damals (Ende der 70-er Jahre)genau 4 Monate Zeit, Deutsch zu lernen. Das hat wunderbar geklappt, Au Pairs oder Austauschstudenten schaffen das ja auch! Man sollte es den Kindern (und besonders deren Eltern!) nicht zu leicht machen.
Beitrag kommentierendiethelm (13. Juli 2012, 12:26)
Bessere Lehrbücher II
Es wäre deshalb höchste Zeit, auch die Methode zu aktualisieren, in der Französisch unterrichtet wird. Und warum man nur die Einzahlformen lernt und erst später die Mehrzahl der Verben, verstehte ich auch nicht. Verben wie "être" muss man nun einmal auswendiglernen, da kann man sich auch gleich sechs Formen aufs Mal merken.
Beitrag kommentierendiethelm (13. Juli 2012, 12:24)
Wichtig ist vor allem besserer Französischunterricht
Englische wird in der Primarschule so unterrichtet, dass die Kinder Spass haben und früh schon gut verstehen und sprechen können. Mein Sohn war nach einem halben Jahr Englischunterricht schon in der Lage, sich mit seiner Cousine zu verständigen, die nur Englisch kann! Das Französischlehrbuch "Envol" erinnert mich hingegen an die Französischlehrbücher, die ich vor über 30 Jahren in der Oberstufe benützt habe, offenbar ist hier der Fortschritt bezüglich dem Erlernen von Sprachen noch nicht berücksichtigt worden.
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