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Tagblatt Online, 27. April 2012 14:34:00

Säure ist nicht partout negativ

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Sichtbare Innovation: Neuer Barriquekeller des Weingutes Maienhalde in Berneck. (Bild: Tonia Bergamin)

In der ersten Mai-Woche öffnen über 200 Weingüter in der deutschen Schweiz ihre Keller. Eine exemplarische Tour durch die grösste St. Galler Weinbaugemeinde Berneck belegt: Der einheimische Weinbau besticht durch Qualität und Vielfalt.

BEDA HANIMANN

 

Das Klischee geistert durch viele Köpfe: Deutschschweizer Weine sind sauer und langweilig. Oft steht dahinter Ignoranz und Desinteresse, oft ein ebenso unsinniger wie unfairer Vergleich. Man lässt die Erinnerung an den einfachen Bernecker Halbliter der Nachkriegs-Jahrzehnte antreten gegen den Spitzen-Amarone, den man sich in den letzten Ferien in Italien geleistet hat.

Nahe am idealen Klima

Tatsache ist: Im Deutschschweizer Weinbau hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Zum einen hat sich der Sortenspiegel nach der Aufhebung von Einschränkungen in den letzten zwanzig Jahren massiv erweitert, im Rheintal werden derzeit deutlich über zwanzig verschiedene Rebsorten angebaut. Zum anderen kommt die Klimaveränderung dem Weinbau in nördlicheren Regionen entgegen. «Wir nähern uns dem idealen Klima für Wein: nicht zu warm, nicht zu kalt», sagt etwa Christoph Schmid von der Bernecker Kellerei Tobias Schmid & Sohn.

Qualitätsbewusstsein wächst

Das Dritte schliesslich: Es hat eine Professionalisierung stattgefunden, weg von landwirtschaftlichen Mischbetrieben hin zu Profikellereien, wo neue Qualitätsstandards gelten und mit modernen und schonenden Keltermethoden gearbeitet wird. Anhand einer Mitteilung des sanktgallischen Laboratoriums von 1926 belegt etwa Jakob Federer vom Weingut Stegeler, dass der Säuregehalt der Weine deutlich zurückgegangen ist. Wobei sich Experten ohnehin einig sind: Säure ist nicht einfach ein negativer Faktor. Auf das ideale Zusammenspiel von Säure, Alkohol, Gerbstoff und Extrakt kommt es an. «Ein Wein mit zu wenig Säure bricht zusammen, dem fehlt die Struktur», sagt Kaspar Wetli von Schmid Wetli.

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 28. April.




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