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Tagblatt Online
18. September 2013, 12:07 Uhr

"Keine Personen am Arbeitsplatz abgeholt"

St.Gallen Fans zünden Pyro. Zoom

St.Gallen Fans zünden Pyro.

ST.GALLEN. Die Fanarbeit des FC St.Gallen und die User im FCSG-Forum kritisieren das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Sie habe die Männer, die Fahnen zum Schutz für Pyrozünder hochgehalten haben, unverhältnismässig hart bestraft.

René Rödiger

"Unverhältnismässig und kontraproduktiv." So bezeichnet die Fanarbeit des FC St.Gallen die Strafaktion gegen die Männer, die wegen Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden sind. Die Wogen gehen auch im Fan-Forum des FCSG hoch. Mindestens eine Person sei am Arbeitsplatz abgeführt worden. Und Hausdurchsuchungen seien in einem solchen Fall "absolut unverhältnismässig". Natalie Häusler, Medienbeauftragte der St.Galler Staatsanwaltschaft, nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

Frau Häusler, das Wort "unverhältnismässig" fällt im Zusammenhang mit der Strafaktion gegen die Pyro-Beihilfe oft. Waren Hausdurchsuchungen wirklich nötig?
Natalie Häusler: Ja. Wir mussten möglichst viele Beweise sammeln, damit wir sicher sein konnten, dass wir die richtigen Personen verurteilen. Die Identifikation über die Kameras ist nur ein Teil davon. Bei Hausdurchsuchungen können wir dann zum Beispiel zusätzlich wichtige Beweismittel finden.

Und das war der Fall?
Häusler: Dazu kann ich keine Auskunft geben. Nur so viel: Wir haben viel Pyro-Material gefunden und das zeigt doch bereits, dass wir die richtigen Personen verurteilt haben.

Trotzdem: Der Besitz des Materials ist nicht verboten.
Häusler: Nein. Deswegen wurden sie ja auch nicht verurteilt. Aber die Pyros sind ein weiterer Hinweis darauf, dass wir die richtigen Leute erwischt haben.

Natalie Häusler Zoom
Natalie Häusler
Offenbar wurden Personen sogar am Arbeitsplatz von Polizisten abgeführt.
Häusler: Wir haben keine Personen am Arbeitsplatz abgeholt. Wir wollten Hausdurchsuchungen durchführen. Dabei kamen die Polizisten am frühen Morgen, weil wir davon ausgegangen sind, dass dann die meisten Personen zu Hause sein werden. Fünf Gesuchte konnten wir denn auch dort antreffen. Eine Person war bereits bei der Arbeit. Die Mutter dieser Person hat dann am Arbeitsplatz angerufen und gesagt, dass die Polizei ihn suche. Darauf wurde mit dem Mann vereinbart, dass die Polizei ihn ausser Sichtweite des Arbeitsplatz abhole. Im Sinne der Diskretion.

Hätten die Polizisten nicht warten können, bis der Mann von der Arbeit kommt?

Häusler: Aus verschiedenen Gründen geht das nicht. Erstens könnten sonst die anderen Personen den Mann im Vorfeld warnen und er könnte dann Beweise verstecken. Zweitens lag das auch im Interesse der übrigen Männer: Wir konnten sie erst aus der Befragung entlassen, nachdem wir alle Hausdurchsuchungen abgeschlossen hatten.

Sie sprechen von Befragung. Waren die Personen nicht in Untersuchungshaft?
Häusler: Nach der Hausdurchsuchung, bei der die Männer anwesend waren, wurden sie der Staatsanwaltschaft zur Befragung zugeführt. Natürlich geschieht das nicht freiwillig. Aber sobald alle Befragungen abgeschlossen waren, konnten sie wieder gehen. Zudem werden ihnen diese Stunden bei der Befragung als voller Tag Strafe an die Tagessätze angerechnet.

Muss jetzt jede Person, die in der Nähe von Pyro-Zündern steht und eine Fahne schwenkt, Angst vor einer Verurteilung haben?
Häusler: Natürlich nicht. Bei den Verurteilten war die Beweislage klar. Und eine Person konnte uns auch glaubhaft erklären, dass sie nichts mit der Aktion zu tun hatte. Diese Person wird freigesprochen.

Fanarbeit kritisiert Staatsanwaltschaft

Die Fanarbeit St.Gallen beurteilt das Vorgehen der Staatsanwaltschaft als wenig verhältnismässig. "Die Hausdurchsuchungen sind ein schwerwiegender Eingriff in die persönliche Freiheit der Betroffenen", sagt Thomas Weber, Stellenleiter der Fanarbeit. Er sei im Gespräch mit verschiedenen Personen, die wegen Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt worden sind. Weber: "Diese Personen haben mir erzählt, wie sie morgens um 6 Uhr zu Hause abgeholt und später in Handschellen vorgeführt worden seien." Auch wenn niemand von der Polizei vom Arbeitsplatz weggeführt worden sei, sind die Konsequenzen ähnlich: "Am Arbeitsplatz wissen die Leute selbstverständlich davon. Schliesslich mussten sie kurzfristig die Arbeitsstelle verlassen und fehlten, weil sie beim Staatsanwalt waren." Es sei fraglich, ob in solchen Fällen das öffentliche Interesse höher zu gewichten sei als die persönliche Freiheit der Betroffenen. Dass einer der Angeklagten freigesprochen wurde, sei ein weiteres Indiz dafür. Der Fall wird laut Weber bei einem nächsten Runden Tisch bei der Stadtpolizei ein Thema sein. "Die Vehemenz der Massnahmen könnte sich nun negativ auf die Zusammenarbeit zwischen den Fans, den Behörden, der Polizei und dem Club auswirken", befürchtet Weber. (rr)

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Fleischli58 (20. September 2013, 18:26)
Pyrozünder unverhältnismässig

Ich habe nichts am Hut mit fanatischen Hooligans , aber ich gebe den Fans absolut recht, was hier abläuft ist absolut unverhältnismässig. So unverhältnismässig wie die Sexualtäter und Pädophilen, welche täglich wieder freigelassen werden und niemand bekommt sie in den Griff. Wieviele Menschen sind durch abbrennen von Pyros ums Leben gekommen und wieviele unschuldige Opfer gibt es durch Straftäter, welche aus den Gefängnissen in die Freiheit entlassen werden. Es steht wirklich in keinem Verhältnis. Das Vorgehen ist absolut lächerlich. Es gibt ja anscheinend nichts wichtigeres zu tun, als den Fahnenschwingern aufzulauern. Gebt ihnen endlich einen Bereich im Stadion , an welchem sie die Pyros anzünden dürfen.

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ruedi.keller (18. September 2013, 17:12)
SG-FAN

Finde das Vorgehen der Polizei absolut als angebracht. Die FAN-Verantwortlichen sollten sich endlich einmal darüber klar werden, weshalb mit Sicherheit über 1000 FCSG-Anhänger NICHT mehr an die Heimspiele gehen! Genau wegen solchen gewaltbereiten Chaoten und Pyroszünder! Die FAN-Verantwortlichen sollen also schnellstmöglich über die eigenen Bücher gehen und vermehrt mit der Polizei kooperieren und diese unterstützen und weniger kritisieren!

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Alpenrhein (19. September 2013, 08:00)
Abolut deiner Meinung

Ruedi Keller hat recht völlig recht. Seinem Beitrag ist nicht beizufügen!

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Gilbert (19. September 2013, 09:32)
Komisch

Werter ruedi.keller: Ich bin jetzt etwas überrascht über Ihre Aussage. Falls Sie dies nicht mitbekommen haben, die Zuschauerzahlen im letzten Jahr waren so hoch wie noch nie in der Schweiz oder?

(Immer wieder schön zu sehen, wie Ihr eure Meinungsfreiheit an den Staat abgegeben hat.)

Wage dich, dich deines Verstandes zu bedienen. (Sapere Aude - Immanuel Kant)

PS: Fussballfans sind ungebildet.

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unbekannt (18. September 2013, 13:36)
... nur Unverständnis........

ich gestehe... packt diese "Untäter" in den Stadien hart an...!!!.
Was sollen die Voten einer Fussballgemeinschaft, dass:, zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz , hart vorgegangen wird.
Trommeln... Pausanen.. und Fahnen.....Ja........ aber nicht mit gefährlichen "Leuchtraketen"......!!!..
Die Ziviliesation in der Fussballgemeinschaft, ist dort angelangt, wo der "der deutsche Aussenminister" die alt-römische Dekadenz, angesiedelt hat.
Eben... was sollen "Feuerwerke" auf dem Fussballplatz..???..
Das Fussballstadion als altrömische "Löwengrube".....???..
Genau an dieser "Überbordung" von "Gewalt"...... zerbrach auch die "römische Kultur"..
Weiter so........... und die Geschicht lehrt, was der Untergang einer Kultur ist...!!!..........

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roli4711 (18. September 2013, 13:00)
Wozu Fanarbeit?

Ich muss dem Vorschreiber rkern voll und ganz beipflichten.

Wieso unterstützt die Fanarbeit solches Treiben? Es geht ja nicht darum, unbescholtene Fans zu diskreditieren, sondern darum, das die gefährlichen Pyroaktionen endlich aufhören.

Es ist nun mal so, dass das im Hausrecht des FCSG steht und auch vom SFV verlangt wird. Ebenfalls ist es allen bewusst, dass bei Pyro-Gebrauch die Möglichkeit besteht, dass die Staatsanwaltschaft eingreift.

Wieso dann noch diese sogenannte Fankultur, die gar keine ist, unterstützen anstatt diese im Keime zu ersticken.

Was sagen solche "Vertreter" wenn wirklich mal was passiert? Stehen diese dann immer noch vor den Fans und verteidigen diese bis zuletzt?

Wann endlich schalten mal alle das Hirn ein, die so etwas machen, unterstützen oder decken?

Schliesslich wurde ein Fan entlastet, nachdem er glaubhaft versichert hatte, nichts damit zu tun zu haben. Willkürlich scheint die Aktion nicht zu sein.

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niklausi (18. September 2013, 17:10)
Fankultur

Ich bin der gleichen Meinung wie rolli4711,was verstehen die Betreuer unter Fankultur?wahrscheinlich nichts weil die Fans sagen was läuft im Station und sonst kann der Betreuer gehen wenn er will,denn die wissen ja genau wer mit Pyros und Fackeln und Petarden ins Station kommt und sie sind nicht fähig einhalt zu gebieten,sowenig wie sie jemanden veraten würden denn die Rache der Fans würde wahrscheinlich grausam sein!!!

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rkern (18. September 2013, 12:30)
Persönliche Freiheit

Die Fanarbeit St. Gallen macht die Aussage, dass die Hausdurchsungen unverhältnismässig seien und ein schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit bedeute.
Wenn Zugsverspätungen entstehen und gefährliche Situationen durch Pyros entstehen auch massive Eingriffe in die persönliche Freiheit. Darüber hinaus noch gesundheitliche Risiken durch die Pyros.
Ich denke, dass wir gerade in den letzten Tagen genügend Fälle hörten im Zusammenhang mit der Kuscheljustiz. Solange Organisationen Verfehlungen an den Fussballspielen, STörungen des öffentlichen Verkehrs "unterstützen" durch die Aussage "unverhältnismässig" werden wir keine Ruhe haben. Die fehlbaren Personen verstehen nur eine Sprache: Harte Verurteilungen mit hohen Bussen und Einforderung von entstandenen Unkosten.

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vesche (18. September 2013, 17:31)
Hier gehts um Pyro

Die Stellungnahme der Fanarbeit dreht sich darum ob Hausdurchsuchungen und Abholen am Arbeitsplatz im Zusammnenhang mit Pyro verhälntismässig sind. Von Störungen des öffentlichen Verkehrs ist keine Rede. Es geht auch nicht darum die Pyro Zünder zu verteidigen. Hier wurden Leute verurteilt die eine Fahne geschwenkt haben, hinter der andere Pyros gezündet haben. Man sollte so ein Statement schon lesen und interpretieren können. bevor man solche unsachlichen Kommentare abgibt. Nach meiner Meinung ist das Vorgehen der Behörden völlig unverhältnismässig, aufgebauscht durch die ewige Vermischung von Pyros mit Krawallen in den Medien.

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Williams6 (18. September 2013, 13:07)
Persönliche Freiheit

Dann bin ich dafür, dass sie Ihre nächste Geschwindigkeitsbusse von einem Beamten zugestellt bekommen, möglichst am Morgen, dass es auch sicher alle Nachbarn mitbekommen...

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unbekannt (18. September 2013, 15:02)
@Williams6

ja... auch ich bin ein "Betroffener" von irgend welchen "Ordnungshüter"..grins.....¨
Wer "Gesetze" bewusst überschreitet... soll des Nachbarslächeln.......... hinnehmen..... Dazu nur:, "wer ohne Schuld, werfe den ersten Stein"...... eine biblische Aussage......... aber passt... auch für mich als Agnostiker....grins........

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