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Tagblatt Online
9. Februar 2016, 18:36 Uhr

Homosexueller streitet Nötigung ab

Die Tat ereignete sich in einem St.Galler Hinterhof. Zoom

Die Tat ereignete sich in einem St.Galler Hinterhof.

Ein 31-jähriger Homosexueller soll Ende 2010 einen betrunkenen Mann in einen Innenhof in St.Gallen gelockt und ihn dort sexuell genötigt haben. Der Beschuldigte stritt am Dienstag vor Kreisgericht die Vorwürfe ab. Das Urteil steht noch aus.

ST.GALLEN. Im November 2010 erstattete ein junger Mann bei der Polizei Anzeige: Er sei um 4 Uhr nachts in der St.Galler Innenstadt alkoholisiert auf dem Nachhauseweg gewesen, als ihn ein Mann angesprochen habe, ob er ihn an eine Party mit Frauen begleite. Stattdessen sei er von ihm in einen Innenhof gelockt worden.

Dort habe ihn der Unbekannte zu Fall gebracht. Er habe ihm gedroht, es passiere ihm etwas, wenn er um Hilfe rufe. Dann habe er sich sexuell an ihm vergangen. Der Mann sei ihm körperlich überlegen gewesen. Auch sei er selbst zu stark alkoholisiert gewesen, um sich wehren zu können.

Über Chat Kontakte geknüpft
An der Verhandlung vor dem Kreisgericht St.Gallen wehrte sich der Beschuldigte gegen die Vorwürfe. Er habe niemals einen Mann zu Sex gezwungen, beteuerte er. Ob er mit dem Privatkläger spontanen Verkehr gehabt habe, könne er nicht sagen. Damals habe er sich mit vielen Männern verabredet, mit denen er über Internetchats oder in Szenebars Kontakt aufgenommen habe. Auch im Innenhof, den der Privatkläger als Tatort angegeben habe, habe er sich mehrmals mit Männern getroffen.

Der Staatsanwalt war von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Er sei einschlägig vorbestraft und sei aufgrund dieses Vorfalls von der Polizei als möglicher Täter erkannt worden. Das Opfer habe den Mann auf einem Foto wiedererkannt. Er habe kurz nach der Tat die Geschehnisse glaubhaft bei der Polizei geschildert und gesagt, der Täter habe Hochdeutsch gesprochen.

Auch DNA-Spuren seien sichergestellt worden. Der Staatsanwalt verlangte eine Verurteilung des 31-jährigen Deutschen wegen sexueller Nötigung. Er beantragte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr. Sechs Monate seien im Gefängnis zu verbringen, der Rest mit einer Probezeit aufzuschieben.

Durch Alkohol enthemmt
Der Verteidiger verlangte einen vollumfänglichen Freispruch und eine Genugtuung von 5000 Franken für den Angeklagten. Es gebe keine Beweise, dass es sich beim unbekannten Mann um seinen Mandanten handle. Dieser sei dem Privatkläger keineswegs körperlich überlegen. Deshalb sei es unglaubwürdig, dass sich das Opfer nicht habe wehren können. Vorstellbar sei, dass er sich wegen des Alkohols enthemmt gefühlt habe und es zu einem freiwilligen sexuellen Kontakt gekommen sei.

Der Verteidiger äusserte die Vermutung, der Privatkläger könnte sich im Nachhinein für den Sex mit einem Homosexuellen geschämt und deshalb Anzeige erstattet haben. Sein Mandant habe aufgrund des drohenden Strafverfahrens psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müssen und habe nicht mehr arbeiten können. (sda)


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lukretia (10. Februar 2016, 10:00)
Wer ist denn hier das Opfer!

Unglaublich dass immer wieder Täter zu Opfern gemacht werden. Weder Frauen noch Männer dürfen zu Sex genötigt werden. An die psychischen Folgen des wirklichen Opfers denkt da wohl keiner! Wahrscheinlich gibt es da eine erhebliche Dunkelziffer....welcher junge Mann möchte schon zugeben dass er sich nicht wehren konnte. Die Geschichten von wegen einvernehmlich kennen wir doch auch zu genüge! Ich kenne den Fall zufälligerweise: da war ein junger Mann, noch keine 20 und in Partystimmung und unter Alkoholeinfluss offenbar zu naiv sich in einen Hinterhof locken zu lassen. Das gibt aber keinem das Recht, die Situation auszunützen und sich mit Gewalt seine Befriedigung zu holen. Solche Typen gehören mehr als nur ein halbes Jahr hinter Gitter! Und dann erdreistet der sich noch "Schadenersatz" zu fordern - wer hat denn hier den Schaden?

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