Tagblatt Online, 20. Juni 2012 10:31:00
«Geladene Pistole aus Angst mitgenommen»
Der Tatort in Wil. (Bild: Archiv/Keystone)
WIL. Bei einem Streit zwischen verfeindeten kosovarischen Familien sind im Mai 2008 in Wil ein 56-jähriger Mann und dessen 18-jähriger Sohn auf offener Strasse erschossen worden. Der Täter stand am Mittwoch vor dem Kreisgericht Wil.
Die Verhandlung fand unter Polizeischutz im Gerichtsgebäude in Flawil statt. Der heute 51-jährige Kosovare aus dem Kanton Bern war des mehrfachen Mordes, eventuell der mehrfachen vorsätzlichen Tötung angeklagt.Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Gemäss Anklage hatte es zwischen den beiden Familien wiederholt Beschimpfungen und Schlägereien gegeben. Am 3. Mai 2008 kam es auf einer Strassenkreuzung in der Nähe des Bahnhofs Wil zur blutigen Abrechnung.
Tödlich getroffen
Der 56-jährige Vater und seine beiden Zwillingssöhne sahen sich fünf Mitgliedern der verfeindeten Familie gegenüber. Einige der Männer waren mit Schlagstöcken und Stangen bewaffnet. Der 51-Jährige zog eine Pistole und schoss aus nächster Nähe mehrmals auf seine Gegner. Auch der Bruder soll geschossen haben
Der Vater und einer der Söhne wurden tödlich getroffen. Der zweite Sohn konnte im Kugelhagel fliehen. Auch der heute 44-jährige Bruder des Haupttäters soll mit der Pistole geschossen haben. An seinen Kleidern fanden sich Schmauchspuren, an der Waffe DNA-Spuren. Gegen ihn ist eine Gefängnisstrafe von drei Jahren beantragt.
Nur vage Äusserungen
Über den Tathergang machten die Beteiligten widersprüchliche Aussagen. Die beiden Familien warfen sich gegenseitig vor, die Auseinandersetzung bewusst gesucht zu haben. Der Hauptangeklagte äusserte sich vor Gericht nur sehr vage zur Schiesserei. Er habe die geladene Pistole aus Angst vor der anderen Familie mit sich getragen, sagte er. Nach der Bluttat fuhr er mit seinem Auto vom Tatort weg, stellte sich aber später der Polizei. Mitangeklagt sind auch zwei Brüder des 51-Jährigen, ein Sohn und ein weiteres Familienmitglied. Einem Bruder wird versuchter Mord vorgeworfen, den andern Angeklagten Raufhandel.
Opfer als Angeklagter
Auch der überlebende Sohn und Zwillingsbruder der Opfer musste sich vor Gericht verantworten. Der Staatsanwalt forderte für ihn eine bedingte Gefängnisstrafe von zwei Monaten wegen Raufhandels und Verletzung von Strassenverkehrsregeln. Der heute 22-Jährige gab vor Gericht unter Tränen Auskunft. Sein Vater habe an jenem Tag mit der verfeindeten Familie reden wollen. Sie hätten keinen Streit gesucht. «Jetzt weiss ich nicht mehr weiter», klagte er.
Freispruch verlangt
Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch. Durch den Verlust des Vaters und des Bruders sei der 22-Jährige psychisch schwer angeschlagen. Ihn auch noch zu bestrafen, sei fehl am Platz. Dass er nach der Tat unter Schock ins Auto gestiegen und weggefahren sei - ohne Fahrausweis -, sei verständlich.
Kritik am Staatsanwalt
Dem Staatsanwalt warf der Verteidiger mangelndes Einfühlungsvermögen und «pure Boshaftigkeit» vor. Statt dem damals 18-Jährigen nach der Bluttat psychololgische Hilfe zu geben, habe ihn die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Wochen lang in Untersuchungshaft gesetzt. So habe er nicht einmal an der Beisetzung seines Vaters und seines Bruders teilnehmen können, empörte sich der Anwalt. «Ich appelliere an ihre Menschlichkeit», sagte er zum Staatsanwalt. Die Verhandlung wird am Donnerstag und in der kommenden Woche fortgesetzt. Die Bekanntgabe des Urteil ist für den 29. Juni geplant. (sda)
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Kommentare lesen
adolf31 (21. Juni 2012, 02:13)
Nachweisbar ...
Sollte es sich bei den Pistolen um KEINE schweizerischen Armeewaffen gehandelt haben. Amtlich wurde zum Erstehen dieser Waffe eine kostenpflichtige Bewilligung erteilt gogen.
Beitrag kommentierenunbekannt (20. Juni 2012, 11:22)
die direkt-...................
..........beteiligten für lange, sehr lange zeit in den knast und den rest der familien ab in den kosovo - darauf einreisesperre auf lebzeiten - dann ist ruhe im stall und anständige bürger, ausländer wie schweizer, haben ein problem weniger -
Beitrag kommentierenfozzibär (20. Juni 2012, 17:58)
15 Jahre Haft für mehrfachen Mord, ist ja lachhaft!
Noch nicht begriffen: Die vom Volk angenommene Ausschaffungsinitiative greift noch sehr lange nicht!! Ich in meinem Alter werde das wohl nicht mehr erleben!!!
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