Das Klanghaus bleibt stumm

ST.GALLEN ⋅ Die Kritik war leise, das Verdikt umso lauter: Das St.Galler Kantonsparlament hat gestern in der Schlussabstimmung das Klanghaus Toggenburg versenkt. Regierungsrat Martin Klöti spricht von einem «Affront».

02. März 2016, 07:39
ADRIAN VÖGELE/REGULA WEIK

ST.GALLEN. Das Klanghaus Toggenburg ist vom Tisch – in dieser Form definitiv. Das Projekt ist gestern in der Schlussabstimmung im Kantonsparlament gescheitert. Das Vorhaben am Schwendisee oberhalb von Unterwasser hätte den Kanton 19 Millionen Franken gekostet; das machte ein qualifiziertes Mehr von 61 Stimmen nötig.

An dieser Hürde ist das Klanghaus nun gescheitert. Es erreicht nur 56 Ja-Stimmen. 43 Parlamentarierinnen und Parlamentarier sprachen sich dagegen aus, 6 enthielten sich der Stimme und 15 waren abwesend.

Finanzielle Bedenken

«Unglaublich» – dies ist Regierungsrat Martin Klötis spontane Reaktion auf die Frage nach den Gründen für das Scheitern des Klanghauses. Der Kulturminister spricht von «einem Affront» – für das Toggenburg, für den Kanton und für die Kulturpolitik. Und auch er sei «brüskiert». Das Projekt sei «gut und seriös» vorbereitet gewesen; sie hätten nichts unterlassen, um es erfolgreich voranzutreiben.

Vor der Schlussabstimmung erklärte Karl Güntzel (SVP), die Mehrheit seiner Fraktion sei aus finanziellen Gründen gegen das Projekt. Wer dem Klanghaus zustimme, riskiere eine Steuerfusserhöhung. Nils Rickert (GLP) erinnerte im Namen seiner Fraktion daran, dass das Parlament nur wenige Stunden zuvor die Kulturausgaben plafoniert habe. Die jährlichen Betriebsbeiträge an das Klanghaus seien nicht finanzierbar, ohne dass man anderswo Kulturgelder einspare. Auch eine Minderheit der CVP-EVP-Fraktion betrachtete das Projekt als zu teuer.

Kunst am Bau gestrichen

Das Klanghaus Toggenburg hat eine jahrelange Vor- und Planungsgeschichte. Es hätte mit einer einzigartigen Akustik zum musikalischen und architektonischen Zentrum für Naturtonmusik werden sollen. In der Novembersession war das Parlament mit 77 Ja- gegen 30 Nein-Stimmen mit deutlicher Mehrheit auf die Vorlage eingetreten. In der zweiten Lesung am Montag dieser Woche gab es keine einzige Wortmeldung. Klöti spricht denn auch von «einem Verstoss gegen Treu und Glauben».

Ganz kritiklos waren die vergangenen Debatten allerdings nicht. So wurden in der ersten Lesung 300 000 Franken für Kunst am Bau gestrichen. Anlass für den einen oder andern Misston gab schon damals das jährliche Betriebsdefizit von 325 000 Franken. Verschiedentlich wurde auch das zu geringe finanzielle Engagement der Region bemängelt. Daran sei auch der Kulturminister schuld. Indem Klöti die Suche von Gönnern und Sponsoren zur «Chefsache» erklärt habe – er peilte Beiträge «ab 250 000 Franken aufwärts» an –, habe er kleinere finanzielle Initiativen und Engagements aus der Region «erstickt».

Wie reagiert Klöti auf den Vorwurf, zu gross angerichtet zu haben? «Ich glaube nicht, zu viel vorgemacht zu haben», sagt er. Und fügt dann an: Das Projekt sei nicht einfach «auf die Hälfte herunter kürzbar». War er zu euphorisch? «Überhaupt nicht. Es war nötig, den Leuten Mut zu machen.»

2,5 Millionen versenkt

Die Vorarbeiten für das Klanghaus haben bislang 2,5 Millionen Franken gekostet. «Auch so kann man Geld vernichten», sagt Regierungsrat Klöti lakonisch. Im Herbst hätte das Volk zum Vorhaben an der Urne Stellung nehmen können; diese Abstimmung ist nun hinfällig.


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