Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 24. Dezember 2011, 01:05 Uhr

Cablecom verärgert TVO-Zuschauer

Tele Ostschweiz kann nicht im ganzen Kanton digital empfangen werden. Cablecom bietet den Sender im Linthgebiet nur analog an. Die St. Galler Regierung hat deswegen in Bern interveniert.

REGULA WEIK

ST. GALLEN. Christopher Chandiramani wohnt in Jona, ist Fernsehkonsument – und er ärgert sich: «Tele Ostschweiz wurde mit der Digitalisierung des Kabelfernsehens in Teilen des Kantons aus dem Netz gekippt. So im See- und Gasterland.» Der SVP-Kantonsrat weiter: «Die amerikanisch geführte Kabel-TV-Gesellschaft Cablecom verhält sich in dieser Sache relativ stur, unflexibel und unbelehrbar.» In einer Einfachen Anfrage fordert Chandiramani die Regierung auf, «nötigenfalls die Zwangsaufschaltung» von TVO beim Bund zu beantragen.

Was steht hinter dem Ärger des Politikers? TVO kann im Linthgebiet über Cablecom nur analog empfangen werden – nicht aber digital. Der Grund: Cablecom bietet im Linthgebiet das so genannte digitale «Züri Paket» an mit den Sendern Tele Züri, Züri Plus und Tele Top – nicht aber TVO.

Davon betroffen sind vor allem die Gemeinden Benken, Eschenbach, Goldingen, Gommiswald, Kaltbrunn, Rapperswil-Jona, Rieden, Schänis, Schmerikon, St. Gallenkappel, Uznach und Weesen. Das Linthgebiet, See und Gaster, gehören – gesetzlich verankert – zum Konzessionsgebiet von TVO.

Aufsichtsbeschwerde?

Chandiramani ist mit seinem Ärger über den Cablecom-Service nicht allein. Die Situation sei «regional- und medienpolitisch unerfreulich», hält auch die Regierung fest. Tele Ostschweiz sollte im ganzen Kanton «uneingeschränkt» empfangen werden können – analog und digital. Die Situation sei «problematisch», weil im schweizerischen TV-Markt bereits 30 Prozent der Konsumenten digitales Fernsehen schauen, so die Regierung. Sie hat in Bern beim Bundesamt für Kommunikation interveniert. Dieses droht der Cablecom in einem Schreiben vom November mit einer Aufsichtsbeschwerde.

Bislang keine Veränderung

Was sagt der betroffene Sender? TVO versuche seit einem Jahr, Cablecom zu einer Änderung zu bewegen – bislang ohne Erfolg, sagt Mario Aldrovandi, Programmleiter von TVO. Cablecom argumentiere, es sei aus technischen Gründen nicht möglich, die Gebiete sauber zu trennen.

Wie gross ist der Schaden? «Immens», sagt Aldrovandi. «Mit jedem digitalen Paket von Cablecom verliert TVO einen Haushalt. Verlorene Haushalte bedeuten verlorene Zuschauer.» Für das Linthgebiet dürften es nach Schätzung Aldrovandis aktuell 15 000 bis 20 000 Empfänger sein.

Zwar könne der Sender weiterhin analog empfangen werden, «doch braucht es dafür ein zweites Antennenkabel und einen Antennenverstärker, oder der Nutzer steckt jedesmal, wenn er TVO sehen will, das Kabel von Hand um».

Konkurrent profitiert

Im Gegenzug profitiere Tele Top «illegalerweise» von diesem Zustand, sagt Aldrovandi. Illegal deshalb, weil die Region ausserhalb des Konzessionsgebietes des Winterthurer Senders sei. Das ärgert nicht nur die TVO-Macher, sondern auch die Regierung. Sie bezeichnet den Umstand als «besonders störend».

Die regionale Fernsehkonzession für die Ostschweiz ist umstritten. Der Bund hat TVO im November nach dreijährigem Rekursverfahren erneut die definitive Konzession zugesprochen. Doch Mitbewerber Günter Heuberger, Geschäftsführer von Tele Top, ficht den Entscheid an. Die Konzession für TVO ist somit weiterhin nur provisorisch.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Fussball