Tagblatt Online, 17. Oktober 2009 01:03:39
Wie «Diesel-Sepp» zu José wurde
Josef Wespe setzt auf seinem Landwirtschaftsbetrieb in Costa Rica eine junge Kaffeepflanze. (Bild: Bild: pd)
Josef Wespe gründete 1978 die Nutzfahrzeuge Altstätten AG und war lange Zeit deren Chef. Mit über 60 Jahren wanderte er aus nach Costa Rica – dort hält er Jungstiere und pflanzt Kaffeesträucher.
Hansruedi Wieser
Altstätten. Heute hat das Flugzeug mit Josef Wespe und seiner zweiten Frau Odalinda, einer gebürtigen Kolumbianerin, von der Piste des Flughafens Zürich nach Costa Rica abgehoben. Für José, wie der Schmerkner in seiner neuen Heimat genannt wird, sind die jährlichen Ferien in der Schweiz damit zu Ende. Selten hat ein Auswanderer sein Leben so umgekrempelt wie er – und das im Alter von über 60 Jahren.
Während 28 Jahren war Wespe Chef der NFA (Nutzfahrzeug Altstätten AG) in Altstätten. 1978 hatte er das Unternehmen gegründet und zusammen mit seiner ersten Frau Liselotte so lange geführt, bis Sohn Thomas in seine Fussstapfen treten konnte. Seit vier Jahren steht dieser an der Spitze der gezügelten NFA im Montlinger Industriequartier Letzau.
Der «Diesel-Sepp»
Josef Wespe hatte sich nicht nur als Repräsentant bekannter LKW-Hersteller einen Namen gemacht, sondern auch als Tüftler und Sammler alter LKW, vor allem Armeefahrzeugen.
Für viele war er der «Diesel-Sepp» und ist es heute noch. Sohn Thomas, selbst Besitzer zweier amerikanischer Luxusautos aus den 40er-Jahren, muss seine Firmenhallen mit Vaters Raritäten teilen. Unter anderem mit einem Laffly 1915, einem Tanklöschfahrzeug der Pariser Feuerwehr. Danebst einem runden Dutzend guterhaltener Militärfahrzeuge, zum Teil samt Haubitzen und Kanonen. «Ich war Fahrer bei der Artillerie», begründet dies «Diesel-Sepp».
Und strahlt beim Anblick des FBW mit Jahrgang 1952 und der Militärnummer M 63564: «Mein Lastwagen in der RS inklusive Original-Nummernschild.»
Export und Import
Wespe war auch Exporteur von Oldtimern, zivilen wie militärischen, in afrikanische und lateinamerikanische Staaten. Auf der Homepage von FBW wird auf die vier 1¹/2-Decker des Automobilverkehrs Frutigen-Adelboden hingewiesen.
Wespe kaufte zwei von ihnen nach der Ausmusterung, einer davon wurde – ausgerechnet! – als Touristenbus nach Costa Rica verschifft.
Als Importeur erlebte «Diesel-Sepp» eine Sternstunde, als er gegen etwelche Widerstände einen noch fahrtüchtigen Saurer 1910 aus Brasilien in die Schweiz verfrachten konnte. Er hat heute einen Ehrenplatz im Saurer-Museum Arbon.
Als Reparatur-Fachmann stellte Wespe unter anderem seinen Mann, als er in den chilenischen Anden praktisch im Alleingang eine mit einem Saurer-Dieselmotor bestückte Lokomotive 1950 wieder fahrtüchtig machte.
Jungstiere und Kaffeesträucher
Das ist Vergangenheit, denn wenn José und Odalindas Flugzeug in Costa Rica gelandet ist, fahren sie mit ihrem geländegängigen Wagen in ihre Finca Pura Vida im 300-Seelen-Dorf Rio Jésus. Hier werken sie als Kleinbauern. Der lediglich acht Hektar grosse landwirtschaftliche Betrieb liegt auf einer Höhe von 800 bis 1200 Metern.
«Ich lebe hier von meiner Rente», lacht Wespe. Der Betrieb sollte dennoch noch etwas abwerfen. Dafür wird ein knappes Dutzend Jungstiere gehalten, die nach rund acht Monaten mit einem Gewicht von rund 250 Kilo verkauft werden.
Ein weiteres Standbein sind Kaffeesträucher. Der Bestand wird jährlich um 50 bis 70 Pflanzen aufgestockt. Nach drei Jahren können erstmals Kaffeebohnen geerntet werden und dies, bis die Sträucher etwa 25 Jahre alt sind. Die Betriebsführung wird erleichtert durch die Nutzung von aus der Schweiz mitgebrachten geländegängigen Fahrzeugen aus dem NFA-Arsenal. Das moderne Wohnhaus beherbergt auch drei Gästezimmer. Agrotourismus ist also möglich. Das Wasser kommt von eigenen Quellen, und eine Solaranlage sorgt für die Warmwasserversorgung.
Übrigens: Drei Wochen nach Einreichen des Baugesuches lag die Baubewilligung vor, «ohne dass ich Schmiergeld zahlte».
Trachtentanz in Costa Rica
Zeit für Heimweh bleibt nicht: José Wespe ist Vorstandsmitglied des Schweizer Vereins Costa Rica und so nimmt das Paar aktiv an dessen zahlreichen Anlässen teil – Josef oft im roten Appenzeller Sennen-Brusttuch mit einer seiner sechs Handharmonikas, Odalinda in einer Schweizer Tracht.
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