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Tagblatt Online, 17. Januar 2011 01:02:00

Von rechts nach ganz rechts

Kopf des Tages

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«Nicht alles auf einmal. Aber konsequent, Schritt für Schritt.» Thomas Müllers Leitsatz für die Nationalratswahlen 2007 liest sich im nachhinein wie eine Ansage. Schon als Bub, wird kolportiert, habe Müller als Berufsziel Bundesrat genannt. So weit wird es kaum reichen. Aber vom konsequenten Vorantreiben seiner politischen Karriere hat der Hobby-Modelleisenbähnler nie abgelassen.

Das Gemeindeparlament Rorschach und der Kantonsrat sind wohlbedachte Zwischenstationen auf dem Weg nach oben. Der entscheidende Durchbruch gelingt Müller aber nicht auf der politischen, sondern der sportlichen Bühne.

Der Meistertitel des FC St. Gallen im Jahr 2000 katapultiert den damaligen Vereinspräsidenten in die Liga der bestbekannten St. Galler Köpfe.

Den Lohn dafür holt Thomas Müller mit Gespür für den richtigen Augenblick im Herbst 2003 ab: erster Ersatzplatz auf der CVP-Nationalratsliste. Nur konsequent, dass CVP-Doyen Felix Walker dem drängenden Rorschacher ein Jahr vor den ordentlichen Erneuerungswahlen Platz macht. Gleiches hat Thomas Müller nicht im Sinn. Rücktritt und Neuanlauf auf der SVP-Liste sind für ihn kein Thema - er weiss um den Wert dieser Marke und will im Herbst als Bisheriger antreten.

Alte Nähe zur SVP

Während der ehemalige Banker Walker bei aller Wirtschaftsfreundlichkeit auch Wert auf den gesellschaftlichen Ausgleich legte, schlägt Thomas Müller gleich zu Beginn seiner Parlamentstätigkeit einen Pflock aus anderem Holz ein. Per Motion fordert er, dass in der Kriminal- und Sozialhilfestatistik eine separate Kategorie für Eingebürgerte geschaffen wird. Die Irritation der eigenen Partei ist ihm so sicher wie die Aufmerksamkeit der SVP.

Das Kokettieren mit der rechtsbürgerlichen SVP hat in der Folge System und findet zuletzt Ausdruck in Müllers Unterstützung der Ausschaffungs-Initiative.

Zu Ausländern hat Müller ein gespaltenes Verhältnis. Mit einer Brasilianerin verheiratet, empfindet er den hohen Ausländeranteil in Rorschach als Hemmschuh und Imageschaden für seine Stadt. Dennoch spielt die SVP in der Lokalpolitik kaum eine Rolle; im Stadtrat ist sie gar nicht vertreten. Von der Ausländerpolitik ist in Müllers Rechtfertigung des Parteiwechsels mit keinem Wort die Rede.

Den Forderungen der EU will er härter gegenübertreten, die Entwicklung der Bundesfinanzen schärfer kontrollieren und gegen die Regulierungsflut antreten.

Nationalrat und Stadtpräsident

Thomas Müller will Nationalrat und Stadtpräsident bleiben. Die Bevölkerung werde ihn an seinen Taten, nicht an der Parteizugehörigkeit messen, hofft er.

Und verweist darauf, dass in Rorschach nach Jahren des Niedergangs und des Bevölkerungsschwunds private Investitionsprojekte im Umfang von 300 Millionen Franken angelaufen seien. Um ein 150prozentiges Arbeitspensum, das er in seiner Doppelfunktion bewältige, wird der Rorschacher jedenfalls auch in Zukunft nicht herumkommen. Vor allem wenn er gewillt ist, seine Position im Ranking der Bundesparlamentarier zu verbessern. Unsere Zeitung sah ihn vor wenigen Wochen im Vergleich der 26 Ostschweizer Köpfe auf Rang 21.

Auch wenn solche Rangierungen mit einer Prise Salz zu nehmen sind - nach oben scheint jedenfalls noch Luft vorhanden. Jetzt, wo sich Müller nicht mehr ständig gegen die Mehrheitsposition der CVP-Fraktion stellen muss, sondern seine Politik im Einklang mit der neuen Partei steht, müsste das ja möglich sein. «Konsequent, Schritt für Schritt.» Silvan Lüchinger





Leser-Kommentare:
4 Beiträge

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mercator (18. Januar 2011, 14:01)
....differenzierter wäre wohl richtiger

@Deich nimmt offenbar gerne die Wortwahl eines sattsam bekannten Zeitunsschreibers als Masstab seiner eigenen Meinung. Schade, denn im übrigen bringt die Ansiedlung von Würth in erster Linie gute Arbeitsplätze für die Menschen der Region hinzu kommen Steuereinnahmen für Gemeinde, Kanton und Bund. Was daran schlecht sein sollte, ist mir ein Rätsel...

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zombie1969 (23. Januar 2011, 15:46)
Er hat also ein

gespaltenes Verhältnis. Man meint doch eher zu kriminellen Ausländer. Bezeichnend wie immer versucht wird jemandem etwas anzudichten. Wird langsam auffällig. Am besten man bleibt immer schön bei dem wie es ist, den Rest kann man sich sparen.

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deich (17. Januar 2011, 10:05)
Ausländisches

Das "gespaltene Verhältnis" zu "Ausländern", die "Hemmschuh" und "Imageschaden" für seine Stadt bedeuten können, ist explizit auch dem Denken seiner neuen Partei unterlegt. Zum Glück wohnt Müller nicht westlicher des Sees und näher an der EU, im schönen Kreuzlingen, wo heute bereits rund 50 Prozent der Einwohner diesen Status besitzen. Das würde er wohl gar nicht aushalten! Aber: So "schlimm" scheint es in Rorschach dann doch nicht mit den Ausländern bestellt sein. Immerhin verkaufte die Stadt eines der letzten Seegrundstücke an die deutsche Firma Würth. Da schliesst sich dann wieder der Kreis zum ähnlichen Denken seiner neuen Ratskumpels in Bern, wenn es um dicke Pfründe geht: Das Ausländische bleibt dann jeweils für einmal aussen vor.

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mercator (17. Januar 2011, 08:06)
...Sylvan Lüchinger, na ja

Typisch Lüchinger. Sobald etwas aus dem rechten Spektrum kommt, wird er ironisch-zynisch... the same procedure as every year..

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