Tagblatt Online, 21. Oktober 2008 08:49:00
VBSG lehnen Plakatkampagne von Freidenker-Vereinigung ab
In den St. Galler Bussen nicht erwünscht: Die Plakate der Freidenker-Vereinigung. (Bild: Bild: Hannes Thalmann)
ST.GALLEN. Die Kampagne richtet sich an Konfessionsfreie. Doch Stadtrat Fredy Brunner will in den VBSG-Bussen «nicht für Gottlosigkeit werben».
yvonne bugmann
Die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) macht seit gestern mit einer Plakatkampagne in öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich aufmerksam. Anlässlich ihres 100-Jahr-Jubiläums will die FVS mit der Kampagne die Konfessionsfreien in der Schweiz dazu ermuntern, öffentlich zu ihrer Freiheit von kirchlichen Dogmen zu stehen.
VBSG lehnen Plakat ab
Auch in den VBSG-Bussen hätten die Plakate hängen sollen, doch die St. Galler Verkehrsbetriebe haben die Werbung abgelehnt. Stadtrat Fredy Brunner begründet die Ablehnung: «Es gibt Wichtigeres, als für Gottlosigkeit im Bus zu werben. Daran wollen wir uns nicht bereichern.» Wenn er finde, eine Werbung sei heikel oder politisch oder gesellschaftlich fragwürdig, lehne er sie ab. Schmunzelnd fügt Brunner hinzu: «Ich verstehe nicht, dass sich ausgerechnet die Freidenker-Vereinigung sorgt, wenn jemand so frei ist, ihr Plakat abzulehnen.»
«Religionen sind Gaunerei»
Im Plakat wird auf die Webseite konfessionsfrei.ch hingewiesen. Dort können sich Interessierte in eine Liste eintragen und somit öffentlich bekennen, dass sie konfessionslos sind. Bis Montagabend haben sich 120 Personen registriert. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit zu begründen, warum sie konfessionslos sind. So meint beispielsweise ein Rentner: «Religionen sind Gaunerei, Business und Konflikturheber.»
«Die Aussagen zu Kirche und Religion sind manchmal hart», sagt Reta Caspar, Leiterin der FVS-Geschäftsstelle, «aber auch zu Religionsfragen darf man sich kritisch äussern.» Da die VBSG die Kampagne abgelehnt hätten, würden sie nun Inserate im Tagblatt schalten, meint Reta Caspar.
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anne-marie (21. Oktober 2008, 12:09)
unakzeptable Zensur
«Es gibt Wichtigeres, als für Gottlosigkeit im Bus zu werben. Daran wollen wir uns nicht bereichern.»
Beitrag kommentierenFür welche wichtigen Dinge wird denn in den St. Galler Bussen geworben ? Es gibt nichts Wichtigeres als grundlegende Menschenrechte. Eines davon ist die Religionsfreiheit. Dafür setzt sich die Freidenker-Vereinigung seit 100 Jahren ein!
Es ist ein Skandal, dass in der freien Schweiz ihre Werbung untersagt wird. Leben wir denn in einer religiösen Diktatur ?
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