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Dieter Fröhlich, 04. September 2010 08:09:00

Treten Sie zurück, Herr Fröhlich?

Dieter Fröhlich

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Dieter Fröhlich: «Ich muss diese Zeit verkraften.» (Bild: Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Unter den Verantwortlichen im FC St.Gallen steht Dieter Fröhlich besonders in der Kritik. Jetzt nimmt der Betriebs-AG-Verwaltungsrat und frühere Clubpräsident erstmals Stellung zur geplanten Finanzsanierung.

Herr Fröhlich, beginnen wir in der allgemeinen Misere mit den good news. Gibt es die vielleicht?
Dieter Fröhlich: Ja, durchaus. Die Betriebs AG ist in vielen, aber leider nicht in allen Bereichen – siehe Liquidität – sehr gut unterwegs. Zum Beispiel bei der Anzahl Sponsoren und Marketingpartner oder Kleinevents in der Arena. Andere gilt es weiter zu verbessern. Wir haben in der BAG erreicht, dem FC St.Gallen in den letzten zwei Jahren Mittel zur Verfügung stellen zu können, die den finanziellen Möglichkeiten eines durchschnittlichen Axpo-Super-League-Clubs entsprechen.

Schön und gut. Doch steckt in der aktuellen Mannschaft tatsächlich genügend Geld?
Fröhlich: Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe mit der sportlichen Seite seit meinem Rücktritt nichts zu tun.

Fussball ist ein Spiel der Emotionen, und die geraten derzeit ausser Rand und Band. Wie verkraften Sie all die Kritik?
Fröhlich: Ich muss diese Zeit ja verkraften und ich bin seit langer Zeit dem Fussball eng verbunden. Auch in meiner Präsidialzeit haben wir schöne Stunden verbracht, immerhin konnte sich der FC St. Gallen zweimal als Fünfter klassieren, wurde ein Cuphalbfinal erreicht und konnten sogar internationale Wettbewerbsspiele ausgetragen werden.

Erhalten Sie auch Zuspruch?
Fröhlich: Zum Glück – sonst wäre dieses Kesseltreiben ja nicht auszuhalten. Gefreut hat mich allerdings in Sachen Fussball in diesen Wochen wenig bis gar nichts.

Könnten Rücktritte, auch Ihrer, nicht für Entspannung sorgen?
Fröhlich: Das ganze Umfeld Fussball ist schwierig und sehr komplex. Wieso sollte man dann diejenigen, die über eine langjährige praktische Erfahrung verfügen, mit Schimpf und Schande in die Wüste schicken? Wenn es in der Ostschweiz bessere und ebenfalls erfahrene Fussballspezialisten geben sollte, die auch Verantwortung tragen würden, dann müssten sich diese sofort melden.

Trotzdem: Der öffentliche Druck gerade auch auf Sie ist immens. Warum ziehen Sie keinen Schlussstrich – auch im eigenen Interesse?
Fröhlich: Ich bin als Verwaltungsrat gewählt und möchte mithelfen bei der vorgelegten Sanierung.

Wie kommt die Diskussion zurück auf die sachliche Ebene?
Fröhlich: Mit einer derart emotional geführten Diskussionskultur kommen wir definitiv nicht weiter. Viele Besserwisser glauben aus grosser Entfernung die Gründe der heutigen Situation zu kennen. Eine konstruktive Alternative zur Lösung der Probleme habe ich aber bisher weder gehört noch irgendwo gelesen. Die Liquiditätsproblematik kann nur gemeinsam gelöst werden. So wie es jetzt mit dem Sanierungskonzept vorgeschlagen wurde. Schlussendlich geht es doch darum, weiterhin Spitzenfussball in der Ostschweiz gewährleisten zu können.

Alle bemängeln die Transparenz. Wieso hat die BAG ihre Zahlen nicht früher offengelegt?
Fröhlich: Anlässlich der letzten GV der FC St. Gallen AG wurden auch die relevanten Zahlen der BAG offengelegt. Die aktuellsten von der Revisionsgesellschaft zu prüfenden Geschäftsjahreszahlen werden erst in Kürze vorliegen. Dann können diese auch bekannt gegeben werden. Unsere Partner wie Banken, Stadion AG, FC St. Gallen haben und hatten aber laufend Einblick.

Sie waren in entscheidender Funktion, als die Kosten explodierten. Wieso haben Sie nicht die Notbremse gezogen, als klar wurde, dass das Stadion zu teuer wurde?
Fröhlich: Ich war nie in allein entscheidender Funktion und wollte dies auch nie sein. Diese Zusatzinvestitionen, die Sie ansprechen, wurden von mehreren Gremien wie Stadion AG, FC St. Gallen AG, Betriebs AG, Banken, Stadt und Kanton geprüft und als notwendig befunden. Man sollte nicht vergessen, dass die immer wieder genannten Logen mittel- bis langfristig beträchtliche zusätzliche Einnahmen ermöglichen und so dem FC zu Gute kommen.

Wer aber entschied? Wieso baute denn die BAG noch Logen und verschuldete sich derart, dass sie gar nicht richtig wirtschaften konnte?
Fröhlich: Alle Verantwortlichen der Stadion St. Gallen AG, der Betriebs AG und der FC St. Gallen AG haben damals miteinander beschlossen, diese Investitionen zu tätigen. Diese waren teilweise vorgegeben, Stichwort Sicherheit gegen Hooliganismus, oder aber sinnvoll für die noch bessere mittel- und langfristige Vermarktung – wie die Logen. Die entsprechende Refinanzierung wurde nach bestem Wissen und Gewissen geplant. In der Zwischenzeit haben sich aber Faktoren wie neue Sicherheitskosten, Amortisationsdauer der Investitionen und Wirtschaftskrise negativ entwickelt. Dies hat zum beträchtlichen Liquiditätsloch geführt – und das muss nachhaltig gestopft werden. 

Aber der Vorwurf trifft zu, dass alles zu knapp berechnet wurde?
Fröhlich: Im Nachhinein könnte man dies so sehen. Aber es haben sich wie gesagt viele Voraussetzungen geändert.

Eine viel diskutierte Frage: Warum hat die BAG 1,8 Millionen Franken aus der Baurechnung dem FC St. Gallen bezahlt? Darf man das?
Fröhlich: Hier handelt es sich um die üblichen Voreröffnungskosten, die für solche Grossprojekte in einer Bauabrechnung vorgesehen sind und benötigt werden. Dies entspricht gesetzlichen Richtlinien. Darunter fallen Kosten wie Betriebsvorbereitung, Personal, Eröffnungsfeiern, Nebenkosten. Diese Kosten waren schon von Beginn an in der Gesamtkostenrechnung enthalten, allseits bekannt und genehmigt.

Trägt die HRS eine Mitschuld, dass das Stadion zu teuer wurde?
Fröhlich: Vor Baubeginn hat die HRS einen Werkvertrag abgeschlossen und diesen auch entsprechend eingehalten. Der Bau der Arena wurde vertragskonform abgewickelt. 

Mag sein. Doch basierte der Bau auf zu optimistischen Annahmen, Kritiker sprechen von Blauäugigkeit und Grössenwahn. Liessen Sie sich vom Aufstiegsrausch blenden?
Fröhlich: Nein, das hat überhaupt nichts mit Grössenwahn zu tun. Zusätzliche Investitionen mussten gemacht werden, einerseits im Bereich neu aufgekommener Sicherheitsanforderungen und andererseits in sinnvollen Investitionen für die Verbesserung der mittel- und langfristigen Vermarktung der Arena. Mit Aufstiegsrausch hat das auch nichts zu tun, musste doch der FC St.Gallen bei Bezug der neuen Arena den sehr schmerzvollen Gang in die Challenge League nehmen. Die Baukosten der AFG Arena sind mit den Erstellungskosten der anderen neuen Arenen in der Schweiz durchaus vergleichbar.

Oft hört man, dass Sie und Ihre Firma nun auch noch vom FCSG profitieren, indem die Ticketinglösung Ihrer Firma in der AFG Arena installiert worden sei. 
Fröhlich: Unsere Ticketingfirma, bei der ich Mitaktionär bin, ist der Marktführer im Schweizer Fussball- und Hockey-Ticketing und arbeitet für den St. Jakobspark Basel, Stade de Suisse und Young Boys Bern, FC Luzern, FC Thun, Xamax Neuenburg, FC Aarau. Im Auswahlverfahren für die AFG Arena, durchgeführt durch einen unabhängigen Ticketing-Spezialisten, trat ich selbstverständlich in den Ausstand und hatte mit der Entscheidung nichts zu tun. Dass dann für den Marktführer und zugleich die finanziell attraktivste Lösung entschieden wurde, kann doch kein Problem sein.

Sollte die Sanierung wie geplant über die Bühne gehen, wie sehen Sie Ihre Zukunft beim FC St.Gallen?
Fröhlich: Das will und kann ich heute nicht entscheiden. Unsere Investorengruppe – alles Ostschweizer und Ostschweizerinnen –, die mit den heute bekannten Investoren Dölf Früh und Rainer Sigrist natürlich in engem Kontakt steht, wird zusammen mit mir entscheiden müssen, ob sie an der nun dargelegten Finanzsanierung mitmachen will. Und wenn ja, wer sie schliesslich im Verwaltungsrat vertreten soll.

«Unsere Gruppe»: Sie bleiben so oder so unter den Investoren?
Fröhlich: Das habe ich nicht gesagt. Wie gesagt muss die Investorengruppe entscheiden, ob sie mitmacht und mit wem. Schon als FC-Präsident war es für mich selbstverständlich, dass ich dem Club ständig finanziell unter die Arme gegriffen habe – im hohen sechsstelligen Bereich. Auch in den letzten zwei Jahren als Verwaltungsrat der Betriebs AG habe ich dies immer wieder, wiederum im sechsstelligen Bereich, gemacht, um so mitzuhelfen den FCSG und die Betriebs AG am Leben zu erhalten. Es überrascht mich einmal mehr, wie nun auch noch auf denjenigen Personen herumgetrampelt wird, die seit Jahren den FC St.Gallen, nicht nur mit finanziellen Mitteln, unterstützen.

Zu guter Letzt: Können Sie uns Ihren bislang schönsten Moment in der AFG Arena schildern?
Fröhlich: Besonders gefreut haben mich die Einsätze in der 1. Mannschaft der eigenen Nachwuchsspieler Tunahan Cicek und Quoc Trung Nguyen. Sie sind die ersten, die von der Nachwuchsakademie profitiert haben. Eines meiner nachhaltigen Ziele war vor fünf Jahren in der Arena ein Nachwuchsinternat zu installieren. Mit zwei Freunden gründete ich die Stiftung und organisierte mit viel Knochenarbeit die Finanzierung der Infrastruktur. Der FC St.Gallen und die Fussballostschweiz werden in Zukunft massiv davon profitieren. Das freut mich!

Interview: Marcel Elsener







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