Tagblatt Online, 30. Oktober 2009 01:01:35
St. Galler Fans liessen sich nicht provozieren
Der Espenblock ignorierte – bis auf die üblichen Schmährufe – die Aggressionen der GC-Fans. Das freut gemässigte Anhänger und die Polizei.
Marcel elsener
Als militante GC-Fans nach der Pause erneut Leuchtfackeln zündeten, brannte plötzlich auch eine Fahne; eine St. Galler Fahne, den Ritualen der Ultraszene gemäss verkehrt herum über den Zaun gehängt. Kopfschütteln, Empörung, Wut auf den Rängen, und auch abseits der Kurve rief das St. Galler Publikum «Use, use!».
Nur Insider konnten erkennen, was da im GC-Sektor genau brannte – St.
Galler Schals und die Fahne «One Love» mit aufgemaltem Amoah-Bildnis, schönes Aushängeschild der Fangruppierung «Santa Cruz» (Heiligkreuz) und auch für manche Anhänger im früheren Espenmoos-Sektor blau eine «Lieblingsfahne».
Die Fahne war den «Cruizers», einer leidenschaftlichen und sehr kreativen, aber nichtmilitanten und auch mit älteren Fans bestückten Gruppe, beim Auswärtsspiel in Zürich gestohlen worden. Als die St.
Galler in Altstetten aus dem Extrazug stiegen, wurden sie von GC-Ultras von hinten angegriffen und verloren diverse Fan-Utensilien. Bedauerlich, aber bei weitem nicht der schlimmste Vorfall in einer andauernden Fehde zwischen GC- und FCSG-Fans: Im Mai war es vor dem Erstligaspiel zwischen den U21-Teams der beiden Clubs zu einer heftigen Schlägerei gekommen, im August prügelten GC-Hooligans brutal auf Bar und Besucher der St. Galler Fankurve am Stadtfest ein.
Umso erfreulicher am Mittwoch die relative Gelassenheit im Espenblock. Im Stadion beschränkte man sich auf Schmährufe und hielt sich ansonsten vom Geschehen fern. Sogar die Stadtpolizei zollte Beifall: «Trotz Provokationen der GC-Fans haben sich die St. Galler vorbildlich verhalten», sagt Sprecher Beni Lütolf. «Noch vor einem Jahr hätten wir uns plötzlich im Sandwich zwischen GC- und St. Galler Fans befunden. Die Reaktion der St. Galler hat uns sehr gedient.»
Erfreut zeigt sich auch der Fanverantwortliche Urs Baumgartner. Offensichtlich seien viele «besonders motiviert» gewesen, die Mannschaft zu unterstützen und eine Konfrontation mit der Polizei zu verhindern: «Das wäre im Moment das Dümmste gewesen, das hätte passieren können.»
Baumgartner nahm am Dienstag am dringlichen Gespräch zwischen Vertretern von Fans, Stadtpolizei (Valier) und Verein (Hüppi) teil und ist «überzeugt, dass es gut kommt, auch wenn es Rückschläge geben wird».
Auch der Dachverband zeigt sich «positiv gestimmt, dass in Zukunft durch Gespräche Ziele erreicht werden können, die für beide Seiten akzeptabel sind». Und er widerlegte den Vorwurf, die Situation in der Kurve auszublenden. Der DV habe innerhalb der Szene eine Vermittlerrolle eingenommen und unterstütze die bereits seit Wochen laufenden Bestrebungen, «verbindliche Prinzipien zu definieren».
Auf einem am Mittwochspiel verteilten Flyer waren mögliche Spielregeln für einen «Support mit Niveau» aufgelistet, so «Der Espenblock sucht keine Gewalt», «Der EB lässt sich nicht provozieren, sondern konzentriert sich auf sich selbst», «Keine Sachbeschädigung im Extrazug oder sonstwo!», und andere mehr. Wahrlich ein vielversprechender Anfang.
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