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Tagblatt Online, 10. August 2010 01:01:26

Muss die Politik den FCSG retten?

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Baustelle FC St. Gallen: Zwar ist das neue Stadion – hier vor der Eröffnung 2008 – längst gebaut, doch die Finanzen bleiben eine Baustelle. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Der FC St. Gallen und seine Betriebs AG sind finanziell angeschlagen. Jetzt laufen Gespräche zwischen den drei Stadion-Aktiengesellschaften, Stadt und Kanton St. Gallen sowie Banken. Noch im August sollen Entscheide vorliegen.

Marcel Elsener

Die sportliche und finanzielle Misere des FC St. Gallen erregt nicht nur die Fans an den handfesten oder virtuellen Stammtischen, sie dürfte demnächst auch zum Politikum werden: In den vergangenen Tagen machte das Gerücht von einem «Rettungspaket bisher nicht gekannten Ausmasses» die Runde.

Nun ist bekannt, dass Gespräche laufen zwischen Vertretern der Aktiengesellschaften FC St. Gallen und Betriebs AG AFG Arena, der Stadt und des Kantons St. Gallen sowie der Banken. Dies bestätigte Urs Weishaupt, Mediensprecher der Stadt St.Gallen, gestern gegenüber dem Blog «Nation of Swine» des WOZ-Journalisten und Fussballbuchautors Daniel Ryser. In welchem Umfang und unter welchen Bedingungen die öffentliche Hand der Betriebs AG unter die Arme greifen könnte, wollte noch niemand sagen. «Aus Gesprächen Gerüchte abzuleiten, wäre Kaffeesatzlesen», sagt Weishaupt im Blog.

Ende August spruchreif

Wohl geht es um mehr als nur um die Frage der ausstehenden Rechnungen von Polizei und städtischen Verkehrsbetrieben von rund einer halben Million Franken. Mit wie vielen Millionen engagieren sich Stadt und Kanton? Übernehmen sie allenfalls die Betriebs AG oder helfen sie, eine Auffanggesellschaft im Sinne der früheren Stadiongenossenschaft Espenmoos mitzutragen? Auf solche Fragen heisst es rundum nur «noch nicht spruchreif». Doch soll gemäss Vertretern des Kantons und des FCSG über den Inhalt der Gespräche «noch im August» informiert werden.

Wie bei der Stadt ist auch beim Kanton die Hilfestellung für die FC-Finanzen Chefsache und damit jene von Regierungspräsident Willi Haag. Sobald eine entsprechende Parlamentsvorlage erarbeitet sei und die Regierung diese verabschiedet habe, würden der Kantonsrat und die Öffentlichkeit informiert. «Wir sind zur Transparenz verpflichtet», sagt David Hugi, Kommunikationsverantwortlicher des Baudepartements. Und: Die Vorlage dürfte «mit grosser Wahrscheinlichkeit noch in diesem Herbst» vorgelegt werden.

«Verschiedene Projekte»

So es denn nicht eine andere Lösung gibt. Denn laut Markus Scherrer, neuer Kommunikationschef des FC und der AFG Arena, ist die Parlamentsvorlage «eines von verschiedenen Projekten in Arbeit». Ohne konkret zu werden, deutet Scherrer an, dass man auch «im Gespräch mit neuen Investoren» sei und damit allenfalls ohne Unterstützung der öffentlichen Hand auskomme.

Inwieweit eine oder mehrere Banken in die Bresche springen, bleibt Spekulation. Der Mediensprecher der St. Galler Kantonalbank, Simon Netzle, darf «zu möglichen oder tatsächlichen Kundenbeziehungen der Bank nichts sagen». Immerhin betont er, dass sich am Engagement der SGKB als Hauptsponsor, Nachwuchsförderer und Logenmieter bis 2014 nichts ändere, «unabhängig vom Erfolg des Clubs und seiner Ligazugehörigkeit».

Jährlich 1,2 Millionen an Bank

Vorläufig bleibt der Öffentlichkeit mit Blick auf den «FC-Zahlen-Dschungel», wo die Gelder auf rätselhafte Weise versickern (Ausgabe vom 9. Juli), wohl nur das «Kaffeesatzlesen». Wie schlecht es wirklich um die FCSG-Finanzen stehe, das fragt sich unter dem Titel «Bye-Bye BAG» im «Ostblog» von «Saiten» auch der NZZ-Fussballkorrespondent Andreas Kneubühler: «Sehr schlecht? Mittelschlecht? Mittelschlecht wäre beispielsweise, wenn nun versucht wird, mit Hilfe

der öffentlichen Hand die Kredite abzulösen, die die Betriebs AG für den Innenausbau des Stadions aufnehmen musste. Das sind jährlich 1,2 Mio. Franken an Zinsen und Amortisationen. Damit könnte man der Stadt die noch offenen Sicherheitskosten locker bezahlen.»

Kneubühler spricht von einem «Konstruktionsfehler», den die Stadionbauer zu verantworten hätten – ein Steilpass für eine politische Debatte, die bei der Landschenkung beginnen könnte.





Leser-Kommentare:
7 Beiträge

Kommentare lesen

schwizer (11. August 2010, 07:32)
Ausmisten!

Mistet diesen Schweinestall aus - dies haette schon lange geschehen muessen. Stattdessen wird der Steuerzahler weiter genoetigt fuer die desolate und katastrophale Lage aufzukommen.

So geht es nicht weiter! Wir bezahlen eh schon genug fuer die Polizeieinsaetze und all die Sicherheitseinsaetze - jetzt reichts!

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mercator (10. August 2010, 16:56)
Bravo stan, bravo alpenkalb...

So fulminant wie Sie die Lage beschreiben - so fulminant sollte der FC St.Gallen Fussball spielen...Da würden die Zuschauer in Scharen herbeiströmen und die Vereinskassen füllen...stattdessen wird weitergklüngelt in den Champagneretagen und auf dem Fussballrasen sieht es nach 4 Spielen bedenklicher, denn je aus.

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Alpenkalb (10. August 2010, 09:13)
Sie sollen sich unterstehen!

Die sanktgaller Vereins- und Polit- und Medienmafia soll sich unterstehen, dem Dauerärgernis FC St. Gallen noch mehr Steuergeld zuzuschaufeln! Immer wurde behauptet der Verein sei ein Aushängeschild. Von wegen! Einige ewigdumme Fans machen Radau und die feinen Herren von der Chefetage sind nicht in der Lage ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Derweil ein für das Schlamassel verantwortlicher Exponent im Luxushotel wohnt. Er geniesst das Wohlwollen der Monopolzeitung mit ihrem höfischen Getue gegenüber der Lokalprominenz in Form eines devoten Portraits. Ich erwarte von der SVP und der FDP, inkl. Regierungsrat Haag (weniger Staat, mehr Freiheit / weniger Steuern, damit Dir mehr zum Leben bleibt), dass sie diesem üblen Spiel ein Ende setzen. Ist der Verein nicht lebensfähig soll er eingehen. Der Wurm war schon drin, als der Verein noch im Espenmoos hauste. Mit dem Bodengeschenk wurde der Grundstein für das neue Elend gesetzt. Was damals absehbar war ist nun eingetreten.

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stan (09. August 2010, 21:50)
Hallo?

Jetzt soll der Staat wieder einmal für diesen Club herhalten? Nein, nein. Jetzt muss es fertig sei. Entweder kann sich dieser Club mit seinen frei gewählten AG's selber finanzieren oder er soll den Bach ab mit allen Folgen. Lange genug Zeit hatten sie, ein konkurrenzloses Umfeld, sie hatten so viele Möglichkeiten, sie haben es nicht geschafft. die Unternehmer, Anwälte und sonstigen Wichtigtuer. Sie haben eines nie, den Fussball geliebt, den Fussball gelebt. Sie sollen verschwinden. Ich habe genug von diesem Pack. aber sie werden wieder Freunde finden oder haben sie schon gefunden, die Politik, die welche auch kein Gesicht haben.

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avathyl (09. August 2010, 20:13)
Was für ein Versprechen?

Wann wurde ein ausgeglichenes Budget mit so einem Zuschauerschnitt versprochen? Das würde ich gerne sehen. Fakt ist doch, dass kein klub mit Ausnahme von Basel auch nur annähernd soviel für Polizeikosten bezahlen muss. in Bern zahlt YB pauschal pro Jahr CHF 70'000. Der FCSG aber rund 100'000 pro Spiel! Ausserdem werden in SG mit Abstand am meisten Polizisten eingesetzt, obwohl so gut wie gar nichts passiert., da ändert auch die reisserische Tagblatt Pyro Berichterstattung, die anderes suggeriert nichts daran. Weshalb soll der FCSG für die Kosten einer verfehlter Sicherheitspolitik aufkommen?

Der FCSG ist für Stadt und Kanton mindestens im selben Mass ein Faktor wie das Stadtteater.

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chivas (09. August 2010, 20:10)
Skandal

Es ist schlicht ein Skandal, wie unfähig und ignorant bei diesem Verein gewurstelt wird. Ein Alt-Herren-Filz schanzt sich in undurchsichtigen AG-Konstrukten die Macht und das Geld zu, der Präsident zettelt derweil lieber einen Krieg mit den eigenen Fans an, die Transferkommission ist ihren Namen nicht wert, Fortes "Wunschspieler" versagen auf ganzer Linie, durch die Preispolitik werden tausende Zuschauer verjagt usw.

St. Gallen dürfte bald als Beispiel dienen, wie man mit falschem Aktionismus (bis zu 300 Polizisten pro Spiel im Einsatz?! Choreoverbot, Preiserhöhungen, Verteufelung des eigenen Anhangs, anstatt sich den wichtigen Problemen (wohin fliesst das Geld?) zu widmen) einen eigentlich regional breit abgestützten Verein an die Wand fährt. Gratulation an die Herren Fröhlich, Hurni, Sigrist, Mistura, Hüppi und Konsoritum!

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R.F. (09. August 2010, 19:54)
Der Staat?

Letzte Saison wurde ein ausgeglichenes Budget bei einem Zuschauerschnitt von 8 - 9k versprochen. 14k sind nun für den Verlust verantwortlich? Es wird Zeit, dass der FCSG eine transparente Führung hat, ohne 3 AGs.

Eine Rettung ohne Veränderung zögert den Untergang nur weiter hinaus.

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