Tagblatt Online, 07. August 2008 19:44:23
Hektik in der Fanzentrale
Die SBB stellen für das FCSG-Auswärtsspiel in Yverdon ausnahmsweise einen Extrazug bereit
Extrazüge gibt es für Fussballfans nur in der ersten Klasse. (Bild: Bild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Zuerst kein Extrazug, dann nur zu Extra-Preisen: Auch die FCSG-Fans werden von den SBB wie Absteiger behandelt. Jetzt hat der Fanclub-Dachverband 1879 in letzter Minute eine Lösung ausgehandelt.
ANDRI ROSTETTER
Noch vor einem Jahr wäre die Sache klar gewesen: Wenn der FC St.Gallen mit zwei Siegen in die Saison startet, wartet vor dem nächsten Auswärtsspiel ein Extrazug auf die Fans. Nach dem Abstieg müssen sich aber nicht nur die Spieler an die Sitten der neuen Liga gewöhnen, auch für die Fans gelten andere Regeln.Extrazüge gibt's nämlich nur in der ersten Klasse: Fans von Challenge-League-Vereinen müssen selber schauen, wie sie ans Auswärtsspiel kommen. «Extrazüge brauchen eine gewisse Auslastung», sagt SBB-Sprecherin Michèle Bamert. «Challenge-League-Clubs haben erfahrungsgemäss nicht genug Publikum.» Wie viele Fans nötig sind, damit die Bahn nicht draufzahlt, sagt Bamert nicht. Sie lässt aber durchblicken, dass es mit 300 Fans «sehr eng» wird.
«Das müsste zu denken geben»
Die Verantwortlichen des Fanclub-Dachverbands 1879 hatten sich mit dem Schicksal schon fast abgefunden – bis sie diese Woche versuchten, 400 Fans für den regulären Zug anzumelden. «Als ich den SBB unsere Leute ankündigte, hiess es: Geht nicht, kein Platz», sagt Martin Bartholdi, Stellvertretender Fanverantwortlicher des Dachverbands. Die Begründung: Am Samstag ist Streetparade in Zürich, da wird jeder Platz gebraucht. Bartholdi verstand die Welt nicht mehr: «Extrazüge sind doch eine Entlastung für die SBB. Da haben sie die Leute unter Kontrolle.» Auch die Rechnung mit den Fans will für ihn nicht aufgehen: «Am Montag reisten 700 bis 800 Fans nach Wohlen. So viele hatten wir auch in der Super League nicht immer. Das müsste den SBB doch zu denken geben.»
Nach dem Nein der Bahn machte sich in der Fanzentrale Hektik breit. Die Lage war ernst: Wenn die SBB nicht mitspielen, spielt der FCSG in Yverdon ohne Fans. Bartholdi startete einen neuen Versuch - und rang der Bahn ein Zugeständnis ab: Extrazug ja, aber nur zum regulären Preis. Yverdon retour ohne Halbtax für 152 Franken. Bartholdi winkte ab: Zu teuer. «Wenn wir ja gesagt hätten, dann hätten wir Spezialpreise in Zukunft vergessen können.»
SBB lenkte ein
Bartholdi nahm einen letzten Anlauf - und hatte Erfolg: Die SBB willigte in den üblichen Extrazug-Tarif ein (Yverdon retour 60 Franken, mit Halbtax 30) - testweise, wie Michèle Bamert sagt. « Wenn die Fans mitmachen, reden wir über weitere Züge.» Immerhin: Ohne die Aktion des Dachverbands wären die Fans am Samstag mit dem Zug nicht einmal bis Winkeln gekommen.
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