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Tagblatt Online, 12. September 2009 01:04:08

Der Warteggpark bleibt Park

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Der Eingangsbereich im Westen des Warteggparks war bis vor kurzem zur Überbauung vorgesehen. (Bild: Bild: Hanspeter Schiess)

1860 liess Herzogin Louisa von Bourbon-Parma einen Park um das Schloss Wartegg in Rorschacherberg anlegen. Heute gilt dieser als Anlage von nationaler Bedeutung – die beinahe überbaut worden wäre.

Stefanie Schnelli

Rorschacherberg. War das einmal das Eingangstor? Auf dem Kiesweg zu Schloss und Park Wartegg in Rorschacherberg taucht im Halbschatten unter grossen Linden ein Portal auf. Die angrenzenden Mauern, die ein Tor erst nötig machen, fehlen. So stehen die beiden Säulen und die halbrunden Maueransätze etwas verloren in der Landschaft. Statt einer schweren Tür, die zum verwunschenen Bild passen würde, hängt ein einfaches Eisentor in den Angeln.

Es steht offen – eine Einladung einzutreten und dem Weg, einer eindrücklichen Lindenallee, zu folgen.

Der Garten einer Gräfin

13 Hektaren gross ist diese Welt. Herzogin Louisa von Bourbon-Parma hat den Park um das Schloss Wartegg 1860 als damalige Schlossherrin nach englischem Vorbild anlegen lassen. Wer die Anlage entworfen hat, ist unbekannt.

«Es muss ein Experte gewesen sein», sagt Jane Bihr de Salis, Landschaftsarchitektin und Kennerin des Warteggparks. «Die Räumlichkeiten, der Umgang mit der Topographie und das Szenario, das sich entwickelt, ist sehr reizvoll.» Tatsächlich fällt auch Laien die abwechslungsreiche Landschaftsgestaltung auf. Der Eingangsbereich vor dem Schloss ist grosszügig, Wiesen und drei Alleen prägen das Bild.

Über hundertjährige Baumgruppen stehen unten am Hang und lassen den Park und das Schloss von aussen fast nicht erkennen. Zwischen den Ästen glitzert das Blau des Sees.

Hinter dem Schloss aber erscheint nach jeder Wegbiegung ein neues Bild: Schattige Wäldchen wechseln sich ab mit offenen Flächen, eine Bank mitten im Schilfgras lädt zum Verweilen ein. Ein Bach rauscht.

Baumstümpfe werden von jungen Pflanzen überwachsen, und die lebendigen Riesen lassen den Blick zum Himmel steigen. Linden, Birken, Buchen, Föhren. Näher am Schloss wurden Exoten gepflanzt, etwa Mammutbäume und kanadische Pappeln – Platz für unzählige Vögel. «Ein phantastisches Beispiel von Landschaftsarchitektur», sagt Bihr de Salis.

Park als Bauland

Über diverse Besitzerwechsel hinweg war diese Idylle bedroht: 1960 wurde das gesamte Areal als Bauland eingezont. Erst in den 80er-Jahren konnte dieser Entscheid – wenigstens für den grösseren Parkteil hinter dem Schloss – rückgängig gemacht und das Gebiet umgezont werden. Als Angelika und Christoph Mijnssen das Gebäude und diesen östlichen Parkteil 1994 kauften, war ihnen der Schutz «ihres» Parkteils ein zentrales Anliegen. Das Ehepaar sanierte das Schloss, das jahrelang leer gestanden hatte, und machte mit viel Liebe ein Hotel daraus. Doch der 38 000 Quadratmeter grosse westliche Parkteil vor dem Schloss blieb Bauzone und wurde versteigert. «Für uns war klar, dass der Park mit den Alleen eine Einheit bildet und als Ganzes erhaltenswert ist», sagt Christoph Mijnssen. Er war von Anfang an fasziniert von den alten Bäumen und Alleen im Park-Eingangsbereich. Diese Alleen wären durch die geplanten Bauten – trotz Schutzklauseln – stark gefährdet gewesen. Seit 2007 unternahmen darum zuerst die Mijnssens, der Heimatschutz und Private, dann auch Gemeinde und Kanton grosse Anstrengungen, um den Park integral zu schützen.

«Ein Wunder»

Was als kleine Bewegung begann, hat letztlich zum grossen Erfolg geführt: Seit kurzem ist sicher, dass der Warteggpark als solcher erhalten bleibt. Eva Lobeck, die 2007 die Interessengemeinschaft Warteggpark ins Leben rief, spricht von einem Wunder. Die IG hat vor zwei Jahren mit dem Sammeln von Unterschriften und Geld begonnen und sich auf politischer Ebene für ein Gutachten der eidgenössischen Denkmalpflege eingesetzt. Diese anerkennt den Park heute als «eine Anlage von nationaler Bedeutung».

Der ehemalige Gemeindepräsident von Rorschacherberg, Ernst Tobler, nennt die Aktion einen «Glücksfall». Er hat 2008 die Stiftung Landschaftspark Wartegg gegründet und mit einem Gemeindebeitrag von 1,9 Millionen insgesamt über vier Millionen Franken für die Erhaltung des Parks zusammentragen können.





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