Tagblatt Online, 24. Juli 2009 01:03:31
Bei Pandemie predigen Pfarrer im Internet
Sollte sich die Schweinegrippe im Kanton St. Gallen ausbreiten, wirkte sich das auch auf die Gottesdienste aus. Die Evangelisch-reformierte Kirche will beim Abendmahl auf Pappbecher setzen und Gottesdienste ins Internet stellen.
St. gallen. Schon seit April denkt die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen darüber nach, wie sie sich im Falle einer Grippepandemie verhalten würde. Carl Boetschi, der Beauftragte für Pastorales, zog auch den Kantonsarzt bei.
Nun liegt ein Massnahmenkatalog vor. Sollten im Kanton St. Gallen viele Menschen an der neuen Grippe erkranken, trinken die evangelischen Kirchgänger beim Abendmahl den Wein nicht mehr aus dem Gemeinschaftskelch, sondern aus einem Einzelkelch – oder aus Pappbechern.
In einem weiteren Schritt würde das Abendmahl wohl ganz abgesetzt. «Wenn ein Helfer während des Brotverteilens niesen muss, übertragen sich die Viren schliesslich auch», sagt Carl Boetschi. Auch sollten die Pfarrer den Gläubigen zur Begrüssung die Hand nicht mehr reichen – und die anderen vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Massnahmen beherzigen.
Virtueller Gottesdienst
Auch für den Fall, dass gar keine Gottesdienste mehr gehalten werden könnten, hat die Evangelisch-reformierte Kantonalkirche vorgesorgt. In der evangelischen Kirche in Gossau ist eine Kamera installiert, vor der irgendein Pfarrer aus dem Kanton eine Predigt halten könnte. «Diesen Gottesdienst stellen wir dann als Podcast ins Internet», sagt Boetschi. Auch wolle man die Zusammenarbeit mit Radio FM1 und Tele Ostschweiz intensivieren. «Die Medien könnten die Gottesdienste aufzeichnen und ausstrahlen.»
«Nicht ganz allein»
Ein Pfarrer predigt für die Kamera. Werden sich Freiwillige finden? «Natürlich, aussergewöhnliche Situationen erfordern auch aussergewöhnliche Massnahmen», sagt Carl Boetschi. Abgesehen davon, dass kaum jemand in den Bänken sitze, ändere sich nicht viel. «Hermetisch abriegeln werden wir das Gotteshaus nicht», sagt Bötschi. Kirchenvorsteherschaft, Mesmer und Organist würden dem Predigenden bestimmt «Gesellschaft leisten».
Katholiken sind «am Ball»
Auch bei den St. Galler Katholiken ist die Schweinegrippe ein Thema. Das Bistum steht laut der Informationsbeauftragten Sabine Rüthemann in engem Kontakt mit dem kantonalen Gesundheitsdepartement. Man kläre ab, welche Massnahmen bei einer allfälligen Pandemie zu ergreifen seien. Rüthemann: «Wir sind am Ball – und scheuen uns nicht davor, nötige Schritte einzuleiten.» (dbu)
- Artikel empfehlen:






Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben