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Tagblatt Online, 14. Oktober 2009 01:00:33

«Religion braucht keine Türme»

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Das Plakat der Ostschweizer Minarettgegner. (Bild: Bild: pd)

Mit der Abstimmung sei der Diskurs über die Islamisierung der Schweiz endlich da, sagt das Ostschweizer Komitee «Ja zur Minarett-Initiative».

regula weik

sT. Gallen. Die Debatte über ihr Plakat – respektive dessen Verbot in einigen Städten – hat den Befürwortern der Minarett-Initiative zu nationaler Beachtung verholfen. Dem Plakat gewiss, dem Inhalt ihres Anliegens weit weniger. Und so mochten sich die Vertreterin und die Vertreter des überparteilichen Ostschweizer Komitees «Ja zur Minarett-Initiative» am Dienstag nicht richtig über die Publizität freuen.

«Uns geht es um den Diskurs über den Islam und die Islamisierung der Schweiz», sagte der Wiler SVP-Nationalrat Lukas Reimann in St. Gallen vor den Medien. Mit der anstehenden Abstimmung sei die Debatte «endlich da».

Reimann sprach von einer «breiten Bürgerbewegung», welche diesen Diskurs fordere – schon länger. Dem Ostschweizer Komitee der Minarett-Gegner gehörten rund tausend Personen an. Darunter 50 Kantonsparlamentarier aus der ganzen Ostschweiz sowie die fünf St.

Galler SVP-Mitglieder des Nationalrates.

«Machtanspruch» des Islam

Reimann hielt fest: «Das Komitee ist für die Integration der Moslems in der Schweiz. Wir sind aber gegen jegliche weitere Islamisierung der Schweiz – und daher gegen die Minarette.» Wie hängen Islamisierung und Minarette zusammen? Das Minarett sei «ein Zeichen des politisch-gesellschaftlichen Machtanspruchs des Islam», sagte Reimann.

Und schliesslich auch die Plattform für den Muezzin, der «vom Minarett herab die Vormacht des Islam verkündet». Der Wiler Nationalrat schaute auch über die Grenze – gegen Osten: Vorarlberg und Kärnten hätten den Bau von Minaretten bereits untersagt – «ohne internationale Proteste».

«Verantwortungslos»

SVP-Kantonsrätin Barbara Keller-Inhelder kam dann doch auf das umstrittene Plakat zurück: Dieses stelle nüchtern fest, dass «nur die radikalen,

fundamentalistischen Moslems – diejenigen, die ihre Frauen verhüllen – auf Minaretten bestehen». Alle anderen kämen seit Jahrzehnten «sehr gut ohne die Gebietseroberungssymbole» aus; in der Schweiz gebe es nämlich rund 150 Moscheen, bis auf eine Handvoll alle ohne Minarett. «Religion braucht keine Türme», sagte auch der Buchser Hans Moser, Präsident der EDU Schweiz.

Die Politikerin aus Rapperswil-Jona setzt sich aber auch als Frau für die Initiative ein: «Ich kann nicht nachvollziehen, wie sich ausgerechnet Christdemokraten und Sozialdemokraten für Minarette und das Kopftuch in der Schweiz einsetzen.» Wer Beschneidungen von Mädchen, Zwangsheiraten, Blutrache und die Tatsache, dass Mädchen und Frauen im Islam «als weniger wert betrachtet werden», verharmlose und ausblende, sei «absolut verantwortungslos».

Rechtzeitig agieren

Die Minarett-Initiative sei «ein legaler Bürgerprotest», sagte SVP-Nationalrat Theophil Pfister. Auch wenn es derzeit eher ruhig um Minarett-Gesuche sei, gelte es «rechtzeitig Schranken zu setzen». Denn, so der Flawiler, der Drang «nach diesen Machtsymbolen könnte sehr bald und sogar verstärkt wieder aufkommen».

Weshalb treten die Ostschweizer Minarett-Gegner mit einem eigenen Plakat auf? Reimann sagt: «Unser Plakat ist eine Ergänzung der nationalen Kampagne. Je vielfältiger die Plakate sind, desto mehr Leute sprechen wir an.» Über die Minarett-Initiative wird am 29. November abgestimmt.





Leser-Kommentare:
1 Beitrag

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Freidenkender (17. Oktober 2009, 17:56)
Die Minarette sind nur ein Mosaikstein

Die schleichende Islamisierung mit all den negativen Zeichen und Auswirkungen ist das Problem. Minarette sind nur ein Mosaikstein des ganzen. Mit einem Verbot von Minaretten würden die Probleme keinesfalls gelöst, das dürfte auch den Initianten der Initiative sonnenklar sein. Aber irgendwann musste mal ein Anfang gemacht werden und dazu haben die Initianten diese Initiative sozusagen als Einstieg in die Thematik gewählt, um der fortschreitenden Islamisierung erste Schranken zu setzen. Das Thema Islamisierung wird in einem weit breiteren Kontext zu thematisieren und zu diskutieren sein. Die Anti-Minarett-Initiative darf für sich beanspruchen, diesen mehr als notwendigen Diskurs eröffnet zu haben. Ohne diese Initiative wäre nämlich noch überhaupt nichts in dieser Richtung passiert. Die schleichende Islamisierung ist eine Tatsache und wird uns täglich immer mehr auf Strassen ganz bewusst in Erinnerung gerufen. Mehr als die Augen offen halten, ist gar nicht notwendig.

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