Toggenburger Bergbahnstreit: Regierung bleibt hart

KEIN GELD ⋅ Die Fusion der Toggenburg Bergbahnen und der Bergbahnen Wildhaus ist vom Tisch. Die St.Galler Regierung hält an ihrer Forderung fest: Ein Berg, ein Ticket.
21. November 2017, 20:36
Regula Weik, Christoph Zweili
Rolf Züllig und Max Nadig haben dieser Tage eine unsanfte Bauchlandung erlebt. Der Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann und der Präsident von Toggenburg Tourismus hatten einen schwierigen Auftrag gefasst: Sie sollten die Spitzen der beiden zerstrittenen Toggenburger Bergbahnunternehmen an einen Tisch bringen – mit dem Ziel, die beiden Streithähne zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Eine "Mission impossible" – ein Ding der Unmöglichkeit, wie mit den Gegebenheiten im oberen Toggenburg Vertraute feststellten, als sie vom Ansinnen erfuhren. Züllig und Nadig liessen sich nicht abschrecken, nahmen die Herausforderung an – bis zum Montagabend: "Fusion auf Augenhöhe nicht möglich" war ihr gemeinsames Mediencommuniqué überschrieben. Und es machte deutlich: Die Bergbahnen Wildhaus AG und die Toggenburg Bergbahnen AG sind sich keinen Schritt nähergekommen; partnerschaftliche Zusammenarbeit bleibt für die beiden ein Fremdwort, das gemeinsame Winterticket dürfte "auslaufen".

"Ernüchternd", so lautet das Kürzestresümee von Züllig. Er sei lange zuversichtlich gewesen, dass "irgendwann die Vernunft" obsiegen würde. Es kam anders.  "Ich habe mich selten in meiner Aufgabe als Gemeindepräsident derart ohnmächtig gefühlt."


"Der Tarifverbund ist für das Toggenburg wichtig"

Mit dem Abbruch der Gespräche werde "eine ganze Region abgestraft", sagt Züllig und er fügt rasch hinzu: Das Toggenburg, die Toggenburger könnten für diese verfahrene Situation herzlich wenig – "es sind zwei Aktiengesellschaften, die sich nicht einig werden, und dies zu Lasten einer touristischen Destination und einer strukturschwachen Region". Ein Bergbahnunternehmen sei kein gewöhnliches KMU. Es biete kein eigenes Produkt an, es verkaufe eine Region. "Ein Bergbahnunternehmen müsste deshalb der Region und der Bevölkerung gegenüber  Verantwortung wahrnehmen – und nicht nur gegenüber seinen Aktionären", sagt Züllig.

Was bleibt? Das Aktienkauf- und -tauschangebot der Toggenburg Bergbahnen an die Wildhauser; die Frist hat das Unternehmen erneut verlängert. Diesmal bis Herbst 2019; dannzumal läuft das gemeinsame Winterticket aus. Und: Die Bergbahnen Wildhaus AG hat pfannenfertige Ausbaupläne in der Schublade. Diese sind allerdings blockiert; der Kanton hat seine Bedingung für das Bundesdarlehen an eine Zusammenarbeit der beiden Bahnen geknüpft – ansonsten fliesse kein Geld. Züllig und Nadig bitten die Regierung  nach der gescheiterten Zusammenarbeit "dringend, ihren negativen Entscheid zu überdenken". Ein realistisches Anliegen? "Nein", sagt Regierungsrat Bruno Damann. "Es hat sich nichts geändert. Die minimalste Bedingung bleibt ein gemeinsames Ticket." Diese Auflage habe weiterhin Gültigkeit. "Die Regierung ist überzeugt, dass die Kündigung des Tarifverbundes beiden Bahnen schaden wird. Für den Tourismus im oberen Toggenburg ist der Tarifverbund sehr wichtig." Wie schätzt er die Chancen ein, dass die beiden Unternehmen doch noch zusammenfinden? "Denkbar ist, dass nach einer gewissen Ruhephase die Beteiligten den Weg wieder finden, um Gespräche aufzunehmen."


Finanzielle Zusagen von Bundesgeldern abhängig

Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus, hatte sich im September ordentlich über den Entscheid der Regierung geärgert. Weil diese nun den Druck aufrechterhält, liegt das 15-Millionen-Ausbauprojekt Wildhaus 2.0 weiterhin auf Eis. Denn: Ohne die Freigabe des 5-Millionen-Darlehens im Rahmen der Neuen Regionalpolitik sind auch sechs Millionen Franken von der Bank blockiert. Auch weitere Geldgeber machen ihre Zusage von der Freigabe der Bundesgelder abhängig.

Aufgeben will der 66-jährige Buchser aber nicht. Im Gegenteil: Er will sich erneut an den Kanton wenden – schliesslich seien nicht die Wildhauser schuld, dass der Konflikt weitergehe. Der Kanton könne nicht jenes Bahnunternehmen strafen, das kooperationswillig sei. "Einem Fusionsprozess auf Augenhöhe mit Aktienbewertung und gemeinsamer Ausrichtung von Strategien verschliessen wir uns nicht", betont Rhyner einmal mehr.

Tourismus-Präsident Nadig stösst ins gleiche Horn: "Bleibt der Kanton bei seiner Haltung, werden die Bergbahnen für etwas bestraft, was sie gar nicht in der Hand haben." Es sei wichtig, dass die Regierung die Gelder freigebe. Dabei gehe es nicht einseitig um Wildhaus, "die Investitionen bringen die ganze Destination vorwärts".  Für Max Nadig ist klar: "Am Schluss entscheidet der Gast – stimmt das Angebot, kommt er wieder. Stimmt es nicht, bleibt er weg!"

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