Und wieder lockt das Latein

Die Ostschweizer Kultur hat lateinische Wurzeln. Sie zu pflegen, hat sich der Lateinische Kulturmonat zur Aufgabe gemacht. Diesen November zum 5. Mal.
26. Oktober 2011, 01:03
JOSEF OSTERWALDER

ST. GALLEN. Prinzessin oder Mauerblümchen der Sprachen? Wird das Latein geschätzt oder nur noch geduldet? Die Zahl der Maturanden mit Latein hat zwar abgenommen, doch das Interesse an der Sprache ist erhalten geblieben, wie die Initianten des Lateinischen Kulturmonats erfahren haben. Bei der ersten Durchführung, 2007, dachte man an einen einmaligen Anlass. Doch der Anklang rief nach Wiederholung. Und inzwischen auch zur Gründung eines Trägervereins.

Gestern orientierte dessen Präsidentin, Regula Steinhauser, zusammen mit Peter Müller (Aktuar) und Clemens Müller (Mitorganisator) über das diesjährige, heute abend beginnende Programm.

Wink an die Bildungspolitik

Es setzt mit der Frage nach der Rolle der klassischen Sprache in der heutigen Bildung ein (heute, 19.30 Uhr, Katharinensaal, St. Gallen). «Leitkultur oder Subkultur?», fragt sich Raphael Zehnder von Radio DRS 2. Damit wird klar, dass der Lateinmonat ein bildungspolitisches Anliegen hat, darum auch sein illustres Patronatskomitee mit Bischof und Bildungsdirektoren an der Spitze.

Mit im Boot ist die HSG, mit zwei hochkarätigen Veranstaltungen. Ulrike Babusiaux , die jüngste und beliebteste Professorin an der Uni Zürich, beherrscht die Kunst, das trockene römische Recht lustvoll zuzubereiten (8. Nov., 19.30 Uhr, HSG). Zusammen mit der Universität konnte auch der Literaturpreis-überschüttete Autor Durs Grünbein gewonnen werden (23. Nov., 19.30 Uhr, HSG), dies zum Thema altes und neues Grossstadtleben.

Römische Küche und Flüche

Einen Partneranlass gibt es auch mit dem Historischen Verein. Präsentiert wird die in Kempraten ausgegrabene Fluchtafel (2. Nov., 18.15 Uhr, Raum für Literatur der St. Galler Hauptpost). «Mit diesem Vortrag soll der Sinn für das römische Erbe im Kanton geweckt und eine Brücke zum Süden des Kantons geschlagen werden», sagt Peter Müller.

Ziel dieser Veranstaltungen ist es, Wissen auf bekömmliche Weise zu vermitteln. So hat auch das Thema «Reiz der römischen Küche» Platz im Programm (15. Nov. 19.30 Uhr, Musiksaal Klosterhof).

Zwei Veranstaltungen finden im Rahmen «Entdecken in der Vadiana» (28.10. und 25.11., je 13 Uhr) statt. Für Kinder gibt es einen Schnupperkurs im Historischen Museum (13. Nov.), für Aktivlateiner das Offene Mikrophon im Kaffeehaus Linsebühl (24. Nov.), für Musikfreunde das Adventssingen (29. Nov., 19.30 Uhr, Kanti am Brühl). Experten-Kolloquium (5. Nov.) und Übersetzungswettbewerb runden das Menu ab.

Fernziel: Lehrstuhl

Und warum der Titel «Subkultur Latein», tönt das nicht ein wenig subversiv? Höchstens in dem Sinne, dass Bildung nicht nur Boden gebe, sondern auch selbständig mache, heisst die Antwort. Betont konstruktiv ist das Fernziel angelegt, wie Clemens Müller sagt: Ein Lehrstuhl für Latein an der HSG, damit der lateinische Kulturschatz St. Gallens gehoben und gepflegt werden kann.


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