Lateinischer Kulturmonat

ST.GALLEN/APPENZELL. Bereits zum siebten Mal heisst es am 30. Oktober: «Incipiat IXber Sangallensis» – der lateinische Kulturmonat St.Gallen soll beginnen. Das diesjährige Programm schlägt eine spannende und überraschende Brücke zwischen Latein und Appenzell.
29. Oktober 2013, 07:02
PETER MÜLLER

Was in aller Welt haben Latein und das Appenzellerland miteinander zu tun? Eine Antwort liegt im Namen: «Appenzell» leitet sich von «abbatis cella» ab, was so viel wie «Zelle» oder «Grundbesitz des Abtes» heisSt.Gemeint ist der Fürstabt von St.Gallen, der in der Region lange tonangebend war. Der «Lateinische Kulturmonat IXber» nimmt das diesjährige Jubiläum «500 Jahre Appenzell in der Eidgenossenschaft» zum Anlass, dem etwas genauer nachzugehen.

Das berühmte «Dibidäbi»

Den Auftakt macht morgen Mittwoch ein Vortrag von Heidi Eisenhut, Historikerin und Kantonsbibliothekarin von Appenzell Ausserrhoden. Sie führt hinter die Klischees der «sturen und verschrobenen» Appenzeller und beschäftigt sich mit deren staatsphilosophischen Grundlagen. Damit sind nämlich zwei lateinische Wendungen verbunden: «tibi dabo» und «suum cuique». Wer aus ersterem «dibidäbi» heraushört, liegt gar nicht falsch. Der Vortrag wird in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein des Kantons St.Gallen organisiert und findet um 18.15 Uhr im Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, statt. Damit wird eine Tradition weitergeführt: Die beiden Vereine bestreiten den Auftakt zum «Lateinischen Kulturmonat» seit dessen Start 2007.

Interaktiver Liederabend

Das «Dibidäbi» erscheint auch im Titel des interaktiven Lateinabends mit Text und Musik, der insgesamt dreimal aufgeführt wird. Am 7. November in Appenzell, am 13. und 28. November in St.Gallen.

«Dibidäbi – Wie die Appenzeller Rom gründeten» ist ein besonderer Abend. Mit einem Augenzwinkern wird die These aufgestellt, die Appenzeller hätten Rom gegründet. Mitwirkende sind der Schauspieler Matthias Flückiger, der Bündner Kantonsschullehrer Stefan Stirnemann und der Musiker Ruedi Lutz. Dazu kommen die Streichmusik Capella Campanella Laurentii (Streichmusik Laurenzenglöggli), geleitet von Ruedi Lutz, und der Schüler Kerem aus der Schule St. Jakob, Mämetschwil. Lateinkenntnisse sind für die Besucher nicht erforderlich.

Bereits zum vierten Mal wird am Samstag, 9. November, eine Expertenrunde zur Ostschweizer Latinität durchgeführt. Von 13.30 bis 16.30 Uhr werden im Stadthaus in St.Gallen Arbeiten präsentiert, die im Gang, aber noch nicht publiziert sind – teils sind es finanzierte Forschungsprojekte aus dem universitären Umfeld, teils sind es private Forschungen. Auf der Themenliste stehen Fluchtafeln aus der Antike, die Geschichtsschreibung im Frühmittelalter, Landkarten und Texte aus Humanismus und Reformation. Damit werden die Bereiche Archäologie, Geschichte, Geographie und Altphilologie berücksichtigt.

Übersetzungswettbewerb

Ein kleines Jubiläum kann dieses Jahr das «certamen translatorium» feiern, der Übersetzungswettbewerb für Gymnasien. Er findet bereits zum fünften Mal statt. Neben den Gymnasien der Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden ist diesmal auch die Kantonsschule Chur beteiligt – ein Pilotprojekt für die Ausweitung des Wettbewerbs. Wie üblich haben Schülerinnen und Schüler der beiden obersten Klassen Gelegenheit, ihre Lateinkenntnisse zu testen. Die Preisverleihung findet am Samstag, 30. November, um 14 Uhr in der Kantonsschule Trogen statt.

Abgerundet wird der «Ixber 2013» mit einem Anlass in der Kantonsbibliothek St.Gallen. Im Rahmen der Reihe «Entdecken in der Vadiana» referiert Stadtarchivar Stefan Sonderegger über den Weg Appenzells «von der Zelle des Abtes zum eidgenössischen Ort vor 500 Jahren». Die Veranstaltung findet am Freitag, 29. November, von 13 bis 13.30 Uhr statt.


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