Sachlich, sozial, souverän

ZUM TOD VON NINO COZZIO ⋅ Stadtrat Nino Cozzio (CVP) ist am Mittwochabend verstorben. Er erlag im Alter von 59 Jahren einem Krebsleiden. Ein Nachruf von Daniel Wirth, Leiter der Tagblatt-Stadtredaktion.
15. September 2017, 17:33
Nino Cozzio ist am Mittwoch kurz vor seinem 60. Geburtstag verstorben. Mit ihm verliert die
CVP einen über die Parteigrenzen hinaus angesehenen Politiker und St.Gallen einen beliebten Stadtrat.

«Ich trete nicht gerne zurück.» Diesen Satz sagte Nino Cozzio am 3. Mai dieses Jahres im zwölften Stock des Rathauses vor Journalisten. «Aber ich muss meine Krankheit akzeptieren.» Im Sommer 2015 war bei Nino Cozzio eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Der CVP-Politiker ging offen und bemerkenswert souverän damit um. Mit der Bekanntgabe seines Rücktritts per Ende dieses Jahres wollte Nino Cozzio ermöglichen, dass im Stadtrat keine Vakanz entsteht.
  • Stadtratskandidat Nino Cozzio auf einer Aufnahme vom 9. August 2006.
  • Agostino Cozzio, (Jg 1957) kandidiert im Jahr 2006 als Nachfolge von Franz Hagmann für den St.Galler Stadtrat.
  • Stadtratswahlen 2006: Nino Cozzio wird im ersten Wahlgang gewählt.

Der St.Galler Stadtrat Nino Cozzio (1957 bis 2017) ist seiner Krebserkrankung erlegen. Der Jurist war 2006 in den St.Galler Stadtrat gewählt worden. Seit Anfang 2007 stand er der Direktion Soziales und Sicherheit vor. Er war Mitglied der CVP-Fraktion des St.Galler Kantonsrates.


Diese Vakanz entsteht nun aber, weil Nino Cozzio am Mittwochabend noch im Amt seinem schweren Krebsleiden erlegen ist – wenige Tag vor seinem 60. Geburtstag und etwas mehr als drei Monate vor dem geplanten Rücktritt aus der Stadtregierung. Dieser gehörte Cozzio zehn Jahre, neun Monate und dreizehn Tage an. Am Freitag vergangener Woche erst trat er die Führung der Direktion Soziales und Sicherheit an den Stadtrat ab.

2006 glanzvoll in den Stadtrat gewählt

2006 wurde Nino Cozzio in den Stadtrat gewählt. Der Jurist mit Anwaltspatent war zu diesem Zeitpunkt Generalsekretär im Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St.Gallen. Am 1. Januar 2007 übernahm der Nachkomme italienischer Einwanderer die städtische Direktion Soziales und Sicherheit. Seither wurde er dreimal im Amt bestätigt; zuletzt am 25. September 2016 mit dem besten Resultat aller Kandidierenden.

Nino Cozzio war ein beliebter Stadtrat. Er konnte nicht nur den Mitgliedern des Parlaments an dessen Sitzungen im Waaghaus zuhören, sondern auch den Bürgerinnen und Bürgern auf der Strasse. Und er hörte ihnen nicht nur zu – er nahm sie und ihre Anliegen ernst. Der Christdemokrat war alles andere als ein Sicherheitsfanatiker. Gleichwohl brachte er in seiner Amtszeit zweimal eine Aufstockung des Korps der Stadtpolizei durch; er hatte gespürt, dass dies ein Wunsch vieler Städterinnen und Städter war. Nino Cozzio hatte sich auch erfolgreich gegen eine Zusammenlegung von Stadt- und Kantonspolizei gewehrt. Der CVP-Mann war kein lauter Politiker. Er argumentierte stets ruhig, aber beharrlich. Auch bei politischen Geschäften mit emotionalem Gehalt wie dem Aufbau der Fanarbeit beim FC St.Gallen oder der «Lex Arena», welche unter anderem die Aufteilung der Sicherheitskosten zwischen der Stadt und dem FC St.Gallen regelt. In politischen Sicherheitsdebatten bestach Nino Cozzio durch Sachlichkeit und Dossierkenntnis.

Als Sozialdirektor der Kantonshauptstadt verteidigte Cozzio, der im Paradiesli bei der Kirche St.Otmar zusammen mit einer Schwester und fünf Brüdern in einer katholischen Familie aufgewachsen war, die Grundsätze des Sozialstaates – auch in den vergangenen Jahren, als der Ton in der Sozialhilfe schärfer wurde. Er war der Ansicht, dass jeder Mensch ein Anrecht habe, würdevoll behandelt zu werden. Um diese Haltung zu vertreten, müsse man kein Kirchgänger sein, sagte Nino Cozzio. Das Abschieben von Sozialhilfebezügern an Nachbargemeinden nannte er «das Allerletzte». Dass er sich von Gegnern anhören musste, er sei «ein Sozial-Softie», liess den warmherzigen Politiker kalt.

Vieles aufgebaut in der Kantonshauptstadt

In den zehn Jahren, die Nino Cozzio der Direktion Soziales und Sicherheit vorstand, wurden die subventionierten Kinderkrippen der Stadt ausgebaut. Es wurde die Stiftung Zeitvorsorge gegründet und etabliert. Auch eine gemeindenahe Palliative Care wurde unter seiner Leitung aufgebaut. Die Verdienste Nino Cozzios für seine Heimatstadt sind gross.

Von 2000 bis 2004 und seit 2012 war er zudem Mitglied des St.Galler Kantonsrates. Er vertrat die Stadt auch in zahlreichen Organisationen und Verwaltungsräten. Während sechs Jahren stand Nino Cozzio der Konferenz städtischer Sicherheitsdirektorinnen und -direktoren (KSSD) vor. Der CVP-Politiker repräsentierte die Stadt auf charmante Art und verlieh ihr eine Stimme, die auch national gehört wurde.

Die CVP von Stadt und Kanton St.Gallen verliert mit Nino Cozzio einen Politiker, der Ansehen über die Parteigrenzen hinaus genoss. Die Stadt verliert einen beliebten Stadtrat, der sachlich, sozial und souverän war. Die Stadt St.Gallen verliert aber nicht nur einen Politiker, sondern einen feinen Menschen, der selbst schwer krank humorvoll blieb.

Die Trauerfeier findet nächsten Donnerstag, 10.30 Uhr, in der Kathedrale statt.

Daniel Wirth
daniel.wirth@tagblatt.ch


 

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