Kantonsspital St.Gallen kaufte rostige Kanülen

STRAFVERFAHREN ⋅ Gemäss Recherchen des "Tagesanzeigers" haben das Kantonsspital St.Gallen und die beiden Universitätsspitäler Basel und Zürich über Jahre minderwertige Kanülen eingekauft. Dafür wurden sie gebüsst.
13. Januar 2018, 10:47
Strafverfahren Über Jahre hat sich das Kantonsspital St.Gallen bei einer Zuger Firma mit fehlerhaften Medizinprodukten eingedeckt. Wie der "Tagesanzeiger" in seiner Samstagsausgabe berichtet, wurde es deshalb zusammen mit den Unispitälern Zürich und Basel von Swissmedic gebüsst. Die Heilmittelbehörde des Bundes hatte Anfang 2017 ein Verfahren gegen die drei öffentlichen Spitäler eröffnet und sie im vergangenen Juli wegen schwerwiegender Verletzung ihrer Meldepflicht gebüsst.

Die Mängel an den Medizinprodukten, welche die Spitäler von der Firma Swsi Medical AG eingekauft hatten, waren gravierend. Gemäss Recherchen des "Tagesanzeiger" war das Operationsmaterial rostig, verbogen oder mit Metallspänen verunreinigt, eine Saugkanüle brach während eines Eingriffs ab. Die Spitäler unterliessen es, die Behörden über dir groben Mängel zu informieren, obwohl sie das Gesetz dazu verpflichtet.
 

In Pakistan im Geschirrspüler gewaschen

Die Swissmedic war bereits 2011 mit einer anonymen E-Mail darauf hingewiesen worden, dass die Swsi Medical AG in Pakistan Medizinprodukte einkaufe, die lediglich in einer Geschirrspülmaschine gewaschen und mit einer Luftdruckmaschine ausgeblasen würden. Bei einer Hausdurchsuchung bei der Zuger Firma stiess die Behörde dann auf E-Mails der Schweizer Spitäler, in denen sich diese über die fehlerhaften Produkte beklagten.

Das Kantonsspital St.Gallen räumte auf Anfrage des "Tagesanzeigers" ein, die Meldepflicht verletzt zu haben. Die betroffenen Produkte seien aus dem Lager entfernt und nicht mehr eingesetzt worden. Zudem wurden laut dem Spital ab vergangenem Mai die Schulungen intensiviert und seit dem Strafbescheid die Überprüfung der Lieferanten verschärft. Die drei Spitäler wurden von der Swissmedic mit einer Busse von je 5000 Franken bestraft. Es handelt sich dabei um die gesetzliche Höchststrafe. Im Wiederholungsfall kann die Behörde Bussen von bis zu 50000 Franken aussprechen. (red)

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