Junge Lateinmeister prämiert

Der Lateinische Kulturmonat IXber veranstaltete zum zweitenmal einen Übersetzungswettbewerb für Gymnasiasten, an dem sich 200 Schüler beteiligten.
01. Dezember 2010, 01:04
PETER MÜLLER

SARGANS. Nach dem Erfolg von 2009 lag es nahe, den Wettbewerb erneut durchzuführen. Weil sich der St. Galler Lateinnovember 2010 mit «Latein in der Musik» beschäftigte, war ein Text mit einem musikalischen Thema gewählt worden: eine Passage aus den «Etymologien» von Isidor von Sevilla.

«Das ist sozusagen die Wikipedia des Mittelalters», sagte Peter Stotz, emeritierter Professor für Mittellatein, an der Preisverleihung in der Kantonsschule Sargans. Zusammen mit Franziska Schnoor, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der St.

Galler Stiftsbibliothek, hatte er als Juror geamtet. Beide waren vom Niveau der Übersetzungen beeindruckt.

Schüler aus zwölf Klassen

Mitgemacht hatten insgesamt 200 Schüler aus zwölf Klassen, elf davon aus Kantonsschulen und Privatgymnasien des Kantons St. Gallens, eine aus Appenzell. Hauptpreise gab es sechs, dazu kamen 20 Diplome. Sie waren ehrlich verdient, da die Übersetzung des Textes doch einige Schwierigkeiten geboten hatte – vom Verstehen feiner Nuancen bis zum «Nacherzählen» des Textes in einem stimmigen, flüssigen Deutsch. Als Festredner amtete wieder Christoph Mattle, Leiter des st. gallischen Amtes für Mittelschulen und bekennender Liebhaber des Lateins. Er zeigte sich sehr erfreut über die Leistungen der Prämierten, äusserte sich aber auch besorgt über den anhaltenden Rückgang der Lateinklassen im Kanton.

Latein von Bedeutung

Erziehungsrat und Amt für Mittelschulen würden dem Latein grosse Bedeutung zumessen. Nach wie vor sei aber unklar, wie man die Schülerzahlen wieder zum Ansteigen bringen könne. Es wäre sinnvoll, wenn hier auch die Schüler selbst ihre Anregungen einbringen würden, sagte Mattle und zitierte aus einem Buch, das er mitgebracht hatte: der Benediktsregel, einem Schlüsseltext des Abendlandes, der im Original lateinisch ist. Im Kapitel zwei spricht sich Benedikt dafür aus, dass der Abt bei wichtigen Fragen gerade auch die Meinung der jungen Mönche einhole.


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