IV-Rentner abgezockt: Bundesgericht verurteilt Brasilianerin

KANTON ST.GALLEN ⋅ Die St.Galler Justiz hat gemäss Bundesgericht zu Recht eine 58-jährige Frau verurteilt. Diese hatte einen IV-Rentner betrogen.
06. Oktober 2017, 06:30
Urs-Peter Inderbitzin

Eine heute 58-jährige Brasilia­nerin lernte im Internet einen ­IV-Rentner kennen. Dieser hatte nach der Trennung von seiner Ehefrau auf diesem Weg nach einer neuen Lebenspartnerin gesucht. Laut der St.Galler Justiz soll die Frau dem heute 65-jährigen IV-Rentner nicht vorhandene Liebesgefühle vorgespielt und diesem auch vorgegaukelt haben, eine dauerhafte Beziehung eingehen zu wollen. Dabei hatte es die Brasilianerin aber auf das Geld des labilen und psychisch kranken Mannes abgesehen.

So gab sie vor, für den Kauf eines Hauses in Brasilien 150 000 Franken zu benötigen. Der liebesbedürftige Senior übergab der Frau daraufhin 113 000 Franken in bar, in der Hoffnung, mit ihr eine neue Familie gründen und den Lebensabend in Brasilien verbringen zu können. Daneben finanzierte er eine gemeinsame Reise nach Brasilien im Wert von 5600 Franken. Auch kaufte er der Dame einen Mercedes, der später mit einem Verlust von 12 000 Franken verkauft wurde. Aufgrund der umfangreichen Ausgaben des IV-Rentners intervenierte seine Familie, was zu einem fürsorgerischen Freiheitsentzug in einer psychiatrischen Klinik führte.

Freispruch, dann Verurteilung

Während das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland die Brasilianerin von der Anklage des Betrugs freisprach, verurteilte das Kantonsgericht die Frau wegen Betrugs zu einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 210 Franken (75 600 Franken) und verpflichtete sie, dem IV-Rentner 113000 Franken zurückzubezahlen. Hinsichtlich der Kosten für die Brasilienreise und des Verlusts beim Verkauf des Mercedes sprach das Kantons­gericht die Frau von der Anklage des Betruges frei. Das Bundesgericht hat diesen Entscheid nun – insbesondere auch hinsichtlich der Höhe der Strafe – vollumfänglich bestätigt.

Laut dem Urteil aus Lausanne hat die Brasilianerin arglistig gehandelt, weil sie eine besonders schutzwürdige Person über ihre wahren Absichten getäuscht hatte. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Frau eine emotionale Bindung aufbaute und der IV-Rentner aufgrund der vorgetäuschten Liebesgefühle und seiner schwierigen persönlichen und psychischen Situation nicht in der Lage war, sein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und die Täuschungen der Brasilianerin zu überprüfen. Die Betrügerin muss die Gerichtskosten von 3000 Franken bezahlen.

Urs-Peter Inderbitzin

ostschweiz@tagblatt.ch

Urteil 6B_158/2017


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