"Das Personal vermisst jede Wertschätzung"

KANTON ST.GALLEN ⋅ In der St.Galler Staatsverwaltung soll für einen Teil der Mitarbeitenden die Vertrauensarbeitszeit eingeführt werden. Das obere Kader könnte dann keine Überstunden mehr aufschreiben. Die Personalverbände wehren sich gegen eine "massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen".
20. November 2017, 15:55
Das St.Galler Kantonsparlament behandelt in der nächsten Woche das Personalgesetz. Die Änderungen im Lohnsystem sehen für die höchsten Lohnklassen vor, dass keine Überstunden mehr kompensiert werden können. Die vorberatende Kommission will rund 270 Angestellte des Kantons diesem Modell unterstellen.

Der Regierung geht dies zu weit. In einem Gegenantrag verlangt sie, dass die Lohngrenze bei 80 Prozent des absoluten Lohnmaximums liegen solle. Damit wären es 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Überzeiten nicht mehr aufschreiben könnten.
 

Anspruch auf mehr Ferien

Die knappe Mehrheit der Kommission lehnt es ausserdem ab, dass Angestellte mit Vertrauensarbeitszeit im Laufe der Jahre Anspruch auf mehr Ferien bekommen. Würde dies so beschlossen, wäre dies eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, schreibt die Personalverbändekonferenz (PVK) am Montag in einer Mitteilung.

Einmal mehr vermisse das Personal jede Wertschätzung durch die Kommissionsmehrheit. Bereits bei der Einmaleinlage in die Pensionskasse habe der Kantonsrat diese Haltung gezeigt, indem er den ursprünglich versprochenen Betrag von über 200 Millionen Franken auf 128 Millionen kürzte.

In der Privatwirtschaft werde die Vertrauensarbeitszeit überall mit grosszügigen Kompensationsmöglichkeiten abgegolten. Die Vertrauensarbeitszeit sollte nur für jene Mitarbeitende eingesetzt wird, die ihre Arbeitszeit auch wirklich autonom bestimmen könnten, verlangt die PVK.


Widerstand von FDP, SP und Grünen

Einzelne Fraktionen haben Widerstand angekündigt. Die FDP-Fraktion will nicht auf die Vorlage eintreten, weil die neuen Regelungen den Mitarbeitenden der Verwaltung jegliches Vertrauen entziehe. Die SP-Grüne-Fraktion befürchtet für ältere Mitarbeitende des Kantons eine massive Schlechterstellung. (sda)

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