CVP Sargans gibt Ganser eine Plattform

WISSENSCHAFT ⋅ Der umstrittene Historiker Daniele Ganser spricht auf Einladung der CVP Sargans über den globalen Kampf um Erdöl. Mit seinen kontroversen Thesen zum 11. September hat die Präsidentin der Ortspartei kein Problem. Der Saal ist ausverkauft.
17. September 2017, 05:17

Morgen Abend wird im Berufs- und Weiterbildungszentrum Sarganserland die grosse Weltpolitik erörtert. Der Historiker Daniele Ganser referiert über den globalen Kampf um Erdöl und Erdgas und erklärt, «warum die Energiewende ein Beitrag zum Frieden ist». Eingeladen hat ihn die CVP Sargans.

Ganser ist Friedens- und Energieforscher und in der Öffentlichkeit umstritten, weil er die offizielle Version der Terroranschläge des 11. September 2001 hinterfragt. Kritiker bezeichnen ihn deshalb als «Verschwörungstheoretiker», die «NZZ» nannte ihn einen «Meister des Subtextes».

Sie habe Daniele Ganser eingeladen, weil sie seine Forschung zu Energiethemen spannend finde, sagt Andrea Büsser, Präsidentin der CVP Sargans. Die Organisation des Anlasses habe noch vor dem Ja zur Energiestrategie 2050 begonnen. Es gehe ihr darum, die Konsequenzen des Erdölkonsums sowie mögliche Alternativen aufzuzeigen. «Wir wollen die Leute wachrütteln.»

Uni geht auf Distanz zu 9/11-Theorien

Zur Kritik an Gansers Person sagt Andrea Büsser: «Ich kenne seine Theorien zu 9/11 und habe kein Problem damit.» Ganser behaupte nicht, die genauen Hintergründe zu den Anschlägen zu kennen. Er stelle lediglich Fragen und überlasse es dem Publikum, sich ein Urteil zu bilden.

Etwas anders sieht dies die Universität St.Gallen, wo Ganser ­einen Kurs zur Geschichte und Zukunft von Energiesystemen unterrichtet. Die Universität hat zwar Gansers Lehrauftrag kürzlich verlängert, doch seinen spekulativen Erklärungsansätzen zum 11. September steht sie kritisch gegenüber.

Bislang habe sie keine negativen Reaktionen zur Veranstaltung erhalten, sagt CVP-Orts­präsidentin Andrea Büsser. Im Gegenteil: Man habe ihr zum Mut gratuliert, eine solch kontroverse Persönlichkeit einzuladen. Das Interesse ist offenbar gross: Die Veranstaltung im Berufs- und Weiterbildungszentrum Sarganserland ist bereits ausverkauft. 225 Personen haben 25 Franken bezahlt, um Gansers Vortrag zu hören.

Die CVP des Kantons St.Gallen will den besonderen Referenten der Ortspartei nicht kommentieren. Man sei in die Organisation nicht involviert gewesen, sagt Präsident Patrick Dürr. Und Béatrice Wertli, Generalsekretärin der CVP Schweiz, sagt: «Die Ortsparteien sind frei, ihre eigenen Veranstaltungen zu organisieren.» Nur weil man einen ­Referenten einlade, heisse dies nicht, dass man gleicher Meinung sei. Sie gehe davon aus, dass die Ortspartei mit einer Einleitung und einem Schlusswort den Vortrag in Perspektive zur inhaltlichen Position der Partei setze.

Ganser auf Ostschweiz-Tournee

Daniele Ganser befindet sich zurzeit auf einer Tournee durch die Ostschweiz. Bereits am Mittwoch wird er im Kino Cinewil in Wil auftreten. Titel des Vortrags: «Die Weltpolitik der USA gestern und heute». Und am 20. November wird er im Pfalzkeller in St.Gallen erklären, «wie die Nato-Länder die UNO sabotieren».

Gansers grosse Fangemeinde glaubt, dass Mächtige und Medien die Wahrheit unterdrückten. Den ausverkauften Vortrag in Wil organisiert das Impuls-Forum, das der pensionierte Unternehmensberater Willy Hollenstein mitbegründet hat. Ziel sei es, auch der «anderen Geschichte» eine Plattform zu bieten, sagte er der «Wiler Zeitung». Die wahren Hintergründe über die 9/11-Anschläge in New York seien nie sauber dargelegt worden.

 

Michael Genova

michael.genova@ostschweiz-am-sonntag.ch


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