Zahl der Kindesschutzmassnahmen bleibt stabil

KANTON ST.GALLEN ⋅ Die Kesb hat ab 2013 ihre bestehenden Massnahmen überprüft und entsprechend dem neuen Erwachsenenschutzrecht angepasst. Dank einer neuen Statistik kann der Kanton nun regelmässig Zahlen auswerten und veröffentlichen.
20. Oktober 2016, 09:05
Die neun St.Galler Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) haben im vergangenen Jahr 1'236 bestehende (altrechtliche) Massnahmen überprüft und in Massnahmen des neuen Erwachsenenschutzrechts umgewandelt. Wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei heisst, mussten die Kesb den Unterstützungsbedarf von Grund auf neu beurteilen. "Dazu wurden Betroffene angehört, Gespräche mit dem Umfeld geführt und verschiedene Abklärungen getroffen." Im Anschluss seien die Massnahmen, sofern sie noch erforderlich waren, stärker als zuvor den individuellen Bedürfnissen angepasst worden.

Mit der Einführung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts wurde zudem eine neue schweizerische Statistik eingeführt. "Der Kanton St.Gallen kann nun Zahlen zum Kindes- und Erwachsenenschutz regelmässig auswerten und veröffentlichen." Bisher nicht erfasst seien all jene Verfahren, die nicht zu einer Massnahme geführt haben. Angaben zu Gefährdungsmeldungen sollen in Zukunft aber ebenfalls ausgewertet werden können.

So führen nach Schätzungen der Kesb durchschnittlich nur 58 Prozent der Meldungen im Erwachsenenschutz und 56 Prozent der Meldungen im Kindesschutz zu einer Massnahme. "Mit der Erfassung aller Meldungen wird künftig das Arbeitsvolumen der Kesb statistisch besser abgebildet."

72 Prozent sind massgeschneiderte Massnahmen
Der grösste Teil der erforderlichen Umwandlung altrechtlicher Massnahmen und der Überprüfung der umfassenden Beistandschaften erfolgte in den Jahren 2014 und 2015. "Am Ende dieser Übergangsfrist handelte es sich bei 72 Prozent aller bestehenden Schutzmassnahmen um massgeschneiderte Massnahmen", heisst es weiter im Communiqué.

Das neue Recht habe damit in der Praxis zu mehr Selbstbestimmung geführt. Die Massnahmen konnten neu darauf reduziert werden, wo jemand konkret Unterstützung benötigte. "28 Prozent der Betroffenen sind aber weiterhin auf eine vollumfängliche Begleitung angewiesen", so die Staatskanzlei. Welche Erwachsenenschutzmassnahmen im Verlauf eines Jahres ganz neu angeordnet werden, könne ab dem Jahr 2016 statistisch aufgezeigt werden.

System der Schutzmassnahmen unverändert
Auf das Jahr 2013 wurde das Kindesschutzrecht nur unwesentlich angepasst. Die Rechtsstellung des Kindes wurde zwar gestärkt, das System der Schutzmassnahmen blieb jedoch unverändert. "Ende 2012 bestanden nach Angaben der Vormundschaftsbehörden im Kanton St.Gallen 2'976 Kindesschutzmassnahmen." Schweizweit haben sich die Kindesschutzmassnahmen von 1996 bis 2012 fast verdoppelt.

"Diese Zunahme hatte mit gesellschaftlichen Entwicklungen und der zunehmenden Sensibilisierung in Bezug auf Vernachlässigungen und Kindesmisshandlungen zu tun", heisst es weiter. Die Anzahl der Kinder im Kanton St.Gallen, für die schützende Massnahmen angeordnet sind, habe sich im Jahr 2015 gegenüber 2014 hingegen kaum mehr erhöht. "In drei Regionen ist eine Abnahme erfolgt. In den übrigen Regionen blieben die Zahlen fast unverändert." (pd/lex)

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